Spanien, Schweden und Norwegen haben es vorgemacht – nun will auch Wien einen deutlichen Schritt setzen: Weg von der Frage "Warum hast du dich nicht gewehrt?", hin zu einer klaren rechtlichen und gesellschaftlichen Haltung, dass nur ein ausdrückliches Einverständnis sexuelle Handlungen legitimiert.
Das sogenannte "Zustimmungsprinzip" (Nur Ja heißt Ja) soll Bewusstsein schaffen, Betroffene besser schützen und Täter konsequenter zur Verantwortung ziehen.
Mit einer breit angelegten Kampagne aus Plakaten, Videospots und öffentlichkeitswirksamen Aktionen möchte die Stadt Wien das Thema Einvernehmlichkeit sichtbar machen. Ziel ist, sexualisierte Gewalt zu verhindern und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, was Zustimmung im Alltag bedeutet – und vor allem, was sie nicht bedeutet.
Die Initiative richtet den Blick auf eine zentrale Problematik: Viele Betroffene befinden sich in Übergriffs-Situationen in einem Zustand der Schockstarre – dem sogenannten Freezing. Aus Angst, Überforderung oder aufgrund massiver Manipulation ist es oft nicht möglich, laut "Nein" zu sagen oder sich körperlich zu wehren. Das führt in der aktuellen Rechtslage noch immer dazu, dass Verfahren häufig eingestellt werden.
Derzeit müssen Betroffene sexualisierter Gewalt nachweisen, dass sie sich aktiv gewehrt oder verbal widersprochen haben. Länder wie Spanien, Schweden und seit Kurzem auch Norwegen haben dieses veraltete Prinzip hinter sich gelassen und bereits Einvernehmlichkeitsgesetze beschlossen. Dort ist nicht mehr das Opfer in der Beweispflicht, sondern die Frage entscheidend: Gab es eine klare Zustimmung?
Ein solches Prinzip stärkt Betroffene und erleichtert die strafrechtliche Verfolgung von Tätern. Vor allem aber setzt es ein gesellschaftliches Signal, dass sexuelle Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist.
Das Einvernehmlichkeitsprinzip ist im Grunde einfach – und sollte selbstverständlich sein:
Sex findet nur statt, wenn beide es wollen.
Zustimmung kann verbal oder nonverbal erfolgen, aber sie muss eindeutig, freiwillig und jederzeit widerrufbar sein. Respektvolle Kommunikation ist dafür zentral: Fragen, zuhören, Unsicherheiten klären. Die Botschaft lautet: Bevor etwas passiert, muss klar sein, dass beide Seiten das möchten.
Der 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien bietet praktische Tipps und Hinweise zum Umgang mit dem Thema Einvernehmlichkeit im Alltag. Auf der Website der Stadt finden sich Empfehlungen, wie Kommunikation gelingen kann und wie man Situationen besser einschätzt:
wien.gv.at/frauen/nur-ja-heisst-ja-konsenstipps