Kampagne gegen sexuelle Gewalt

Nur Ja heißt Ja – So soll Zustimmung zu Sex klappen

Ein klar definiertes Einvernehmlichkeitsprinzip soll Betroffene besser schützen und das gesellschaftliche Bewusstsein schärfen.
Wien Heute
24.11.2025, 22:14
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Spanien, Schweden und Norwegen haben es vorgemacht – nun will auch Wien einen deutlichen Schritt setzen: Weg von der Frage "Warum hast du dich nicht gewehrt?", hin zu einer klaren rechtlichen und gesellschaftlichen Haltung, dass nur ein ausdrückliches Einverständnis sexuelle Handlungen legitimiert.

Das sogenannte "Zustimmungsprinzip" (Nur Ja heißt Ja) soll Bewusstsein schaffen, Betroffene besser schützen und Täter konsequenter zur Verantwortung ziehen.

Große Sensibilisierungskampagne

Mit einer breit angelegten Kampagne aus Plakaten, Videospots und öffentlichkeitswirksamen Aktionen möchte die Stadt Wien das Thema Einvernehmlichkeit sichtbar machen. Ziel ist, sexualisierte Gewalt zu verhindern und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, was Zustimmung im Alltag bedeutet – und vor allem, was sie nicht bedeutet.

Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal (SPÖ) und NEOS-Abgeordnete Dolores Bakos (v.l.) präsentieren die neue Kampagne.
Stadt Wien / Bubu Dujmic

Die Initiative richtet den Blick auf eine zentrale Problematik: Viele Betroffene befinden sich in Übergriffs-Situationen in einem Zustand der Schockstarre – dem sogenannten Freezing. Aus Angst, Überforderung oder aufgrund massiver Manipulation ist es oft nicht möglich, laut "Nein" zu sagen oder sich körperlich zu wehren. Das führt in der aktuellen Rechtslage noch immer dazu, dass Verfahren häufig eingestellt werden.

Warum ein neues Gesetz notwendig ist

Derzeit müssen Betroffene sexualisierter Gewalt nachweisen, dass sie sich aktiv gewehrt oder verbal widersprochen haben. Länder wie Spanien, Schweden und seit Kurzem auch Norwegen haben dieses veraltete Prinzip hinter sich gelassen und bereits Einvernehmlichkeitsgesetze beschlossen. Dort ist nicht mehr das Opfer in der Beweispflicht, sondern die Frage entscheidend: Gab es eine klare Zustimmung?

Ein solches Prinzip stärkt Betroffene und erleichtert die strafrechtliche Verfolgung von Tätern. Vor allem aber setzt es ein gesellschaftliches Signal, dass sexuelle Selbstbestimmung nicht verhandelbar ist.

Was bedeutet das im Alltag?

Das Einvernehmlichkeitsprinzip ist im Grunde einfach – und sollte selbstverständlich sein:
Sex findet nur statt, wenn beide es wollen.

Zustimmung kann verbal oder nonverbal erfolgen, aber sie muss eindeutig, freiwillig und jederzeit widerrufbar sein. Respektvolle Kommunikation ist dafür zentral: Fragen, zuhören, Unsicherheiten klären. Die Botschaft lautet: Bevor etwas passiert, muss klar sein, dass beide Seiten das möchten.

Wie wird Konsens hergestellt?

  • Fragen, statt anzunehmen: "Möchtest du …?", "Darf ich …?" oder "Gefällt dir das?"
  • Fortlaufende Kommunikation: Zustimmung ist kein Einmalakt. Regelmäßig nachfragen,
  • Körperliche Signale verbalisieren: Wenn du dich zu einer Berührung entschließt, sag es: "Ich würde dich gern … berühren."
  • Respekt gegenüber Zurückhaltung
  • Klare Sprache verwenden: Kein Andeuten, kein Ausweichen.
  • Einstellungen reflektieren: Erwartungen, Rollenmuster, gesellschaftliche Vorannahmen kritisch hinterfragen

Unterstützung und Informationen

Der 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien bietet praktische Tipps und Hinweise zum Umgang mit dem Thema Einvernehmlichkeit im Alltag. Auf der Website der Stadt finden sich Empfehlungen, wie Kommunikation gelingen kann und wie man Situationen besser einschätzt:
wien.gv.at/frauen/nur-ja-heisst-ja-konsenstipps

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.11.2025, 22:14
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