Stundenlanges Warten, eine gescheiterte Evakuierung und rund 400 Passagiere, die in einem Tunnel festsaßen: Die ICE-Panne im Wienerwaldtunnel im Juli 2025 sorgte für Aufregung. Die ÖBB räumten damals Fehler ein und kündigten Verbesserungen an. Doch ausgerechnet bei den Notfall-Schulungen gibt es nun schwere Vorwürfe.
Wie der ORF berichtet, beklagen Mitarbeiter in einem Brief des Betriebsrats an das ÖBB-Management fehlende praktische Übungen. Bei manchen liege die letzte Schulung bereits Jahrzehnte zurück.
Ein Zugbegleiter berichtete am Donnerstagabend in der "ZiB 2", dass er in mehr als zehn Jahren keine einzige Evakuierungsschulung absolviert habe. Er kenne sogar Kollegen, die in 30 Jahren nur einmal geschult worden seien.
Auch nach der Tunnel-Panne habe es keine praktischen Evakuierungsübungen gegeben. Viele Mitarbeiter seien deshalb "auf Notfälle nicht vorbereitet".
Bei dem Vorfall im Juli 2025 war ein ICE der Deutschen Bahn im Wienerwaldtunnel liegen geblieben. Eine geplante Evakuierung mit einem Ersatzzug scheiterte, weil die Oberleitung abgeschaltet worden war. Dazu kamen Unstimmigkeiten zwischen Feuerwehr und ÖBB.
Erst nach mehr als sieben Stunden konnten die rund 400 Fahrgäste über die Notausstiege aus dem Tunnel gebracht werden. Ein Zwischenbericht der Obersten Eisenbahnbehörde stellte später Mängel bei der Koordination, Organisation und Ausbildung fest.
Nach der neuerlichen Kritik kündigen die ÖBB gegenüber dem ORF regelmäßige praktische Schulungen an. "Künftig soll ein solches praktisches Training zu Notfall- und Evakuierungssituationen regelmäßig einmal jährlich Teil des Dienstunterrichts sein."
Die Eisenbahnbehörde im Verkehrsministerium soll kontrollieren, ob die Übungen tatsächlich stattfinden.