Nach Krebs-Diagnose

ÖFB-Star: "Bin nach Hause gefahren und habe geweint"

Kurz nach der Geburt seines Sohnes erhielt Heinz Lindner die Diagnose Hodenkrebs. Heute spricht er offen über Angst, Scham und seinen Weg zurück.
Sport Heute
16.01.2026, 09:28
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Kurz nach einem der glücklichsten Momente seines Lebens kam der Schock. Nur wenige Wochen nachdem sein Sohn zur Welt gekommen war, erhielt ÖFB-Teamtorhüter Heinz Lindner 2023 die Diagnose Hodenkrebs. Im "SRF"-Format "Kehrseite – Abseits des Erfolgs" spricht er offen über diese Zeit. An den Moment der ärztlichen Mitteilung erinnert sich Lindner noch genau: "Ich habe mir gedacht. Was ist jetzt los. Hat er das gerade wirklich gesagt. Das kann doch nicht sein in dieser Situation."

Frisch verheiratet, gerade Vater geworden und mitten im Profisport, "das zieht dir irgendwie den Boden unter den Füßen weg". Begonnen hatte alles Monate zuvor mit diffusen Schmerzen. Lindner spürte ein Ziehen im Unterbauch. "Es fühlte sich an, als hätte mich gerade ein Ball im Genitalbereich getroffen." Im Training war jedoch nichts passiert. Die Beschwerden verschwanden nach wenigen Tagen, kehrten aber Monate später erneut zurück. Wieder reagierte Lindner nicht.

"Eine unangenehme Situation"

Warum er so lange zögerte, erklärt er offen. "Das ist eine unangenehme Situation für einen Mann. Gerade wenn es diesen Teil des Körpers betrifft, ist man eher mit Scham bedeckt." Man hoffe, dass es von selbst vergehe. "Man zieht es in die Länge."

Erst nach mehreren Schmerzphasen und auf Drängen seiner Frau suchte Lindner ein Krankenhaus auf. "Ich habe das auch mit meiner Frau besprochen und sie meinte, dass ich mich abklären lassen soll. Das sei auch wichtig für meinen Kopf", sagt er.

Im Spital folgten zahlreiche Untersuchungen. "Da wusste ich schon, dass irgendetwas vorliegen muss, sonst wäre ich nicht so lange dort gewesen." Schließlich kam die niederschmetternde Nachricht. "Es besteht der Verdacht auf Krebs." Für Lindner ein tiefer Einschnitt. "Ich kann mich erinnern, dass ich geweint habe, als ich nach Hause gekommen bin."

Zukunft in Bern

Nur drei Tage später wurde er operiert. Erst danach stand die endgültige Diagnose fest. "Ich wusste erst nach der OP, dass es ein bösartiger Tumor war, der aber Gott sei Dank nicht gestreut hat." Nach Tagen voller Angst spürte er erstmals Erleichterung.

Die Erkrankung bedeutete auch sportlich eine Zäsur. Lindner verlor seinen Stammplatz beim FC Sion und auch seine Rolle im österreichischen Nationalteam. Nach seiner Rückkehr wurde er zu Union Saint-Gilloise ausgeliehen, um wieder Spielpraxis zu sammeln. Inzwischen steht der 35-Jährige bei den Young Boys Bern unter Vertrag, wo er aktuell als Ersatztormann im Kader steht.

Den Rückschlag ordnet Lindner heute anders ein. "Natürlich nagt das an einem, andererseits ist es komplett irrelevant, weil es da um etwas viel Größeres ging als Fußball." Heute geht es ihm wieder gut. Seine Geschichte erzählt er bewusst öffentlich, um andere Männer zu sensibilisieren. "Es ist wichtig, über solche Dinge zu sprechen. Männer sollen öfter zur Vorsorge gehen und über ihre Gesundheit Bescheid wissen."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 16.01.2026, 10:27, 16.01.2026, 09:28
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