Vier Monate nach der Abschaffung des vergünstigten Senioren-Einzelfahrscheins wird die Kritik daran nicht weniger. Laut aktueller IFDD-Umfrage für die "Krone" wollen 93 Prozent der Wienerinnen und Wiener das Seniorenticket zurückhaben. 74 Prozent sind "sehr dafür", dass das günstige Seniorenticket wieder eingeführt wird. 19 Prozent "eher dafür" – macht in Summe 93 Prozent der Befragten, die mit dem Aus für das günstige Ticket für ältere Menschen nicht einverstanden sind.
"Diese Zahlen sind eine schallende Ohrfeige für die SPÖ-Neos-Stadtregierung, die behauptet, sozial zu regieren. Wer selbst die eigene Wählerschaft derart gegen sich aufbringt, hat das Gespür für die Lebensrealität der Menschen in dieser Stadt vollständig verloren", meint Gemeinderätin Ingrid Korosec, Seniorensprecherin der Wiener Volkspartei.
Besonders ältere Menschen würden durch die aktuelle Tarifpolitik benachteiligt, kritisiert Korosec. Wer keine Smartphone-App nutzen könne oder wolle, werde zunehmend ausgeschlossen. Für viele Senioren gehe es dabei um wichtige Alltagswege – etwa zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Besuch der Familie.
"Mobilität ist Würde – und nicht verhandelbar", so Korosec. Dass selbst bei den Unter-30-Jährigen laut Umfrage 88 Prozent Verständnis für klassische Seniorenfahrscheine hätten, zeige vor allem eines: "woran es der SPÖ-Neos-Stadtregierung fehlt: an Problembewusstsein und sozialer Intelligenz".
Für zusätzlichen Ärger sorge laut VP Wien auch die fehlende Transparenz. Die Wiener Linien seien mehrfach aufgefordert worden, offenzulegen, wie viele Senioren-Einzelfahrscheine früher genutzt wurden – bisher habe man darauf keine Antwort erhalten.
Der Wiener Seniorenbeirat habe einstimmig die Wiedereinführung gefordert. Gewünscht werde ein normales Ticket am Automaten – "ohne App, ohne Aufschlag". "Wer die Datenlage nicht offenlegt, will offenbar nicht wissen – oder nicht zeigen – wen diese Entscheidung wirklich trifft", so Korosec.
Die Wiener Volkspartei fordert nun die sofortige Rückkehr des vergünstigten Senioren-Einzelfahrscheins. "Leistbare Mobilität ist keine Sozialleistung, die man einfach so wegkürzt. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können - mit Würde und ohne auf andere angewiesen zu sein", so Korosec. Für sie ist klar: Das Seniorenticket soll so rasch wie möglich zurückkommen.