Am Mittwoch, den 17. Juni, startet die europäische Trägerrakete Ariane 6 erstmals mit neuen, leistungsfähigeren Motoren, was sie zur stärksten Weltraumrakete Europas macht. Mit den neuen P160C-Motoren für die vier Booster kann die Rakete insgesamt 36 Internetsatelliten des Technologiekonzerns Amazon ins All befördern, anstelle von 32 Satelliten wie beim letzten Start.
Die Ober- und Unterstufe der Ariane-6-Rakete verwenden eine Hochtemperaturisolation von Beyond Gravity, Österreichs größtem Weltraumzulieferer mit Sitz in Wien-Meidling. "Aus Österreich kommen missionskritische Bauteile für die stärkste Rakete Europas. Mit heimischer Raumfahrttechnologie tragen wir maßgeblich dazu bei, dass Europa einen unabhängigen Zugang zum Weltraum hat und ermöglichen den Aufbau dieser Internetsatellitenflotte zur weltweiten Kommunikation," erklären Kurt Kober und Wolfgang Pawlinetz, die beiden Geschäftsführer.
Der Start erfolgt vom europäischen Weltraumbahnhof in Südamerika (Französisch‑Guayana). Der P160C-Boostermotor ist die Weiterentwicklung des bislang verwendeten P120C-Motors, einem Feststoff-Monoblock-Triebwerk aus Kohlefaser. Die vier Booster liefern der Rakete beim Start den notwendigen Zusatzschub. Das Ariane-6-Haupttriebwerk (der Unterstufenantrieb namens „Vulcain 2.1“) und der Antrieb der Oberstufe („Vinci“) bleiben unverändert.
"Unsere Hochtemperaturisolation schützt den Hauptraketenantrieb vor Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius. Das sind Temperaturen, wo Eisen zu schmelzen beginnt", sagt Geschäftsführer Wolfgang Pawlinetz und Leiter des Geschäftsbereichs Thermal und Mechanismen.
"Beim Raketenstart befindet sich unsere Isolation mitten im Flammeninferno." Für das wiederzündbare Vinci-Triebwerk der Ariane-6-Raketenoberstufe lieferte Beyond Gravity Austria ebenfalls Thermalschutz sowie einen Spezialmechanismus. Der Kardan-Mechanismus sorgt für die genaue Ausrichtung des Vinci-Triebwerks.
Die Ariane 6 startet mit diesem Flug zum achten Mal, fünfmal in der Konfiguration mit zwei Boostern und nun das dritte Mal mit vier Boostern. Diese vier Booster verwenden erstmals neue Motoren. (Für die Boostermotoren lieferte Beyond Gravity keine Isolation.)
Das Internetsatellitenprojekt des US-Technologiekonzerns Amazon war früher unter den Namen "Projekt Kuiper" bekannt. Der jetzige Flug ist der dritte in einer Reihe von 18 geplanten Starts der Ariane 6 für die Amazon-Internetsatellitenflotte. In einer ersten Ausbaustufe sind mehr als 3.000 Amazon-Satelliten geplant.