Eine uralte Bauernregel sorgt rund um den 11. Juni jedes Jahr für Stirnrunzeln:
„Nach Barnabas die Sonne weicht, auf Luzia sie wieder zu uns schleicht.“
Klingt düster – fast so, als würde uns nach Mitte Juni die Sonne verlassen und ein verregneter Sommer bevorstehen. Doch wer jetzt schon die Sonnenbrille einmotten will, kann aufatmen: Die Regel hat mit dem Wetter überraschend wenig zu tun.
Der 11. Juni ist dem Heiligen Barnabas gewidmet – einem wichtigen Weggefährten des Apostels Paulus. Rund um seinen Gedenktag entstanden zahlreiche Bauernweisheiten - allerdings kein derart gravierender Wetterumschwung.
Denn mit dem "Weichen der Sonne" wird vielmehr ein astronomisches Phänomen beschrieben: Früher galt der Barnabas-Tag als längster Tag des Jahres. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Tage wieder kürzer – die Sonne "wich" also symbolisch.
Der Haken: Heute stimmt das Datum gar nicht mehr. Durch die Kalenderreform von 1582 verschob sich die Sommersonnenwende auf den 21. Juni. Der längste Tag des Jahres kommt also erst später.
Das bedeutet: Die Bauernregel war einst korrekt – nur der Kalender hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Auch der zweite Teil der Weisheit wirft Fragen auf. Denn laut Spruch soll die Sonne erst am Luzia-Tag, dem 13. Dezember, zurückkommen.
Doch auch hier steckt kein Wetterversprechen dahinter. Gemeint ist die Zeit, in der die Tage nach der Wintersonnenwende mit dem kürzesten Tag im Jahr langsam wieder heller werden. Historisch passte Luzia mit ihrer perfekt ins Bild. Die Märtyrerin soll nachts im Kerzenschein ihre verfolgten Glaubensbrüder und -schwestern besucht haben.