Der 8. Juni ist der Welttag des Meeres – Anlässlich dieses Tages veröffentlichte MSC (Marine Stewardship Council, sie setzen sich für den Schutz der Meere ein) eine Umfrage zu den Wissenslücken rund ums Thema "Meere". Fast jede fünfte Person weiß nicht, dass das Meer mehr Fläche bedeckt als das Land. Rund ein Drittel der Befragten ist sich nicht bewusst, dass die Ozeane tiefer sein können als der höchste Berg der Erde hoch ist.
Gleichzeitig sorgen sich neun von zehn Menschen um den Zustand der Meere. Als größte Probleme werden Verschmutzung, Überfischung und illegale Fischerei genannt.
Dabei sind die Befragten nicht die Einzigen, mit Wissenslücken über unsere Meere. Auch Wissenschaftler kommen regelmäßig zu neuen Erkenntnissen.
Bei einer aktuellen Expedition im Südatlantik untersucht ein internationales Team von Wissenschaftlern die sogenannte Mittelschicht des Ozeans – jenen Bereich zwischen der sonnenbeschienenen Oberfläche und dem Meeresboden. Dieses riesige Ökosystem gilt als das größte, aber zugleich am wenigsten erforschte bewohnbare Gebiet der Erde.
Mithilfe moderner Technologien gelang es den Forschern, innerhalb weniger Tage, zahlreiche bislang unbekannte Arten zu identifizieren – darunter verschiedenste Quallen- und Wurmarten. Auch Glaskalmare und ein pelagischer Oktopus wurden beobachtet.
Dabei ist die Erforschung der Mittelschicht besonders schwierig. Viele der dort lebenden Tiere sind extrem empfindlich und werden durch herkömmliche Probenahmen leicht beschädigt. Spezielle Technologien ermöglichen nun erstmals schonende Beobachtungen in einer Umgebung, die ihrem natürlichen Lebensraum nahekommt.
Die Sorgen um den Zustand der Meere kommen nicht von ungefähr. Die Ozeane stehen unter enormem Druck. Überfischung, die Förderung von Öl, Gas und Rohstoffen, Schadstoffe, die Erwärmung und Versauerung der Meere sowie die zunehmende Vermüllung hinterlassen bereits heute deutliche Spuren. Bedrohte Korallenriffe und zusammenbrechende Fischbestände zeigen, wie empfindlich das Gleichgewicht der Meere geworden ist.
Besonders dramatisch ist die Plastikverschmutzung. Schätzungsweise 80 bis 150 Millionen Tonnen Plastik treiben derzeit in den Weltmeeren. Jedes Jahr gelangen zusätzlich mehr als 19 Millionen Tonnen Plastikmüll in Gewässer und Ozeane. Einwegplastik verursacht dabei den Großteil der Verschmutzung.
Plastik verschwindet nicht einfach. Es zerfällt über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende hinweg lediglich in immer kleinere Partikel. Mikroplastik findet sich inzwischen an Stränden, im Meereis der Arktis und sogar im Marianengraben, dem tiefsten Punkt der Weltmeere. Kaum ein Bereich des Ozeans bleibt davon unberührt.
Für Meerestiere hat das oft tödliche Folgen. Wale, Delfine, Schildkröten und Seevögel verwechseln Plastik mit Nahrung oder verfangen sich in Abfällen und herrenlosen Fischernetzen. In den Mägen von mehr als 240 Tierarten wurde bereits Plastikmüll nachgewiesen.
Meeresschutz kann wirken. Dort, wo Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden, zeigen sich erste Erfolge. Walpopulationen wachsen, einzelne Fischbestände erholen sich langsam und selbst künstlich angelegte Riffe bieten neuem Leben eine Chance.