Es soll das Vorzeigeprojekt des Österreichischen Olympischen Comites werden: das "Austria House" in den Bergen von Cortina. Aus einer Biolandwirtschaft wurde eine großräumige Eventhalle mit mehreren Räumen geschaffen. Die Kühe sind zum Beispiel im Stall direkt neben dem Medienzentrum untergebracht. Im Areal sind Medientermine, Wirtschaftstalks und die Medaillenfeiern der hoffentlich erfolgreichen österreichischen Sportler geplant.
Zudem versteht sich das Haus als Treffpunkt der nationalen Sportprominenz. Auch Jürgen Klopp soll sich für die kommenden Tage angekündigt haben. "Dieses Haus ist ein Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem Nähe entsteht, Gespräche beginnen und Erinnerungen bleiben", erklärte ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer. Und der Sport? Nun ja, er ist auch irgendwie dabei.
Zwar wurde bei der Eröffnung am Freitag in den Reden zahlreicher Sponsoren und Funktionäre immer wieder auf die sportlichen Leistungen der Athleten verwiesen. Gleichzeitig machte man keinen Hehl daraus, dass dieser Ort vor allem fürs Netzwerken gedacht ist. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer brachte es offen auf den Punkt: "Wir sind nicht nur zum Daumen drücken hier, sondern auch, um Geschäfte zu machen." Wahrscheinlich der ehrlichste Satz des Abends.
Und den geladenen Gästen fehlte es an diesem Abend an nichts. Bedient wurden sie von engagierten Tourismusschülern aus Bad Leonfelden. Zwischen Tafelspitz und Kaiserschmarrn lief auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele – zumindest auszugsweise. Es wechselte zwischen der Übertragung im Raum und den Gesprächen auf der Bühne. So richtig erwachte der Raum aber erst, als Team Österreich mit den Fahnenträgern Benjamin Karl und Anna Gasser an den verschiedenen Olympia-Orten einmarschierte.
Zu den Klängen des Radetzky-Marsches wurde die Mannschaft eingeklatscht – was vor allem Georg Hackl gefiel, dreifacher Olympiasieger für Deutschland und nun Trainer der österreichischen Rodler. Anschließend tönte Rainhard Fendrichs "I Am from Austria" aus den Boxen. Dass auf den Bildschirmen zu diesem Zeitpunkt bereits Aserbaidschan einmarschierte, schien kaum jemanden zu interessieren. Stattdessen wurde anschließend rasch von der Feier weggeschaltet, zurück zu weiteren Bühnen-Gesprächen. Dass dabei kleinere Nationen mit teils bemerkenswerten Outfits nicht gezeigt wurden – nennen wir es schade.
Nichtsdestotrotz war das ÖOC sehr bemüht und gut organisiert. Insgesamt war es ein gelungener Abend, bei dem sich viele alte Weggefährten wiedersehen konnten. Damit der Fokus mehr auf den Sportlern liegt, sind ja noch zwei Wochen Zeit. Wie Fußball-Legende Adi Preißler so schön sagte: „Entscheidend is' auf'm Platz”. In diesem Fall wohl eher auf den Pisten, der Eisbahn und den Loipen, denn dort schlägt das Herz von Olympia.