Das Smartphone am Morgen, Streaming am Abend und zwischendurch Nachrichten, soziale Netzwerke oder Künstliche Intelligenz: Das Internet begleitet viele Menschen in Österreich inzwischen fast rund um die Uhr. Eine neue Untersuchung zeigt nun, wie viel Zeit tatsächlich online verbracht wird. Demnach werden Menschen in Österreich im Durchschnitt 21 Jahre, 7 Monate und 27 Tage ihres Lebens mit dem Internet verbunden sein. Bei einer angenommenen Lebenserwartung von 82 Jahren entspricht das mehr als einem Viertel des gesamten Lebens.
Die Zahlen stammen aus einer Studie des Cybersicherheitsunternehmens NordVPN. Demnach verbringen Österreicherinnen und Österreicher aktuell durchschnittlich 44 Stunden und 7 Minuten pro Woche online. Der digitale Tag beginnt laut Untersuchung im Schnitt um 7:00 Uhr morgens und endet erst gegen 21:00 Uhr. Das Internet ist damit längst nicht mehr nur ein Werkzeug für einzelne Aufgaben, sondern begleitet viele Menschen durch Arbeit, Freizeit und Kommunikation.
Marijus Briedis, CTO bei NordVPN, beschreibt diese Entwicklung als grundlegenden Wandel: "Zwei Jahrzehnte online zu verbringen, ist weit mehr als eine bloße Statistik. Es ist ein grundlegender Wandel unserer menschlichen Erfahrung." Er warnt gleichzeitig davor, dass die zunehmende Vernetzung auch neue Risiken bringt. "Die Grenze zwischen 'realem Leben' und 'Online-Leben' ist praktisch verschwunden, wodurch wir angreifbarer denn je sind", sagt Briedis. Die meiste Zeit im Internet verbringen Menschen in Österreich weiterhin mit Unterhaltung.
Besonders beliebt ist Streaming: Durchschnittlich 4 Stunden und 28 Minuten pro Woche werden laut Studie für Serien und Filme genutzt. Auch Musik spielt eine große Rolle. Dafür werden rund 3 Stunden und 56 Minuten pro Woche aufgewendet. Soziale Medien folgen mit 3 Stunden und 31 Minuten, während Online-Videos auf 3 Stunden und 29 Minuten kommen. Viele Aktivitäten laufen gleichzeitig ab. 27 Prozent der Befragten geben an, während des Fernsehens oder Streamens zusätzlich soziale Medien zu nutzen.
Neben klassischen Internetdiensten nimmt auch Künstliche Intelligenz immer mehr Raum ein. Laut Studie verbringen Menschen in Österreich inzwischen durchschnittlich 45 Minuten pro Woche damit, mit KI-Chatbots zu interagieren. Noch sieht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung KI als unverzichtbaren Bestandteil des Alltags. 13 Prozent der Befragten bezeichnen die Technologie bereits als besonders wichtig. 16 Prozent sind der Meinung, dass KI ihr Online-Leben verbessert hat.
Gleichzeitig verändert die neue Technologie auch den Umgang mit persönlichen Daten. Während viele Menschen bei beruflichen Informationen vorsichtig bleiben, werden private Angaben häufig deutlich sorgloser geteilt. Die Untersuchung zeigt, wie offen Nutzerinnen und Nutzer mit persönlichen Informationen umgehen. 70 Prozent der Befragten in Österreich haben demnach bereits ihren vollständigen Namen im Internet angegeben. 69 Prozent haben ihr Geburtsdatum online geteilt.
Mehr als die Hälfte, nämlich 54 Prozent, haben laut Studie sogar ihre vollständige Wohnadresse auf verschiedenen Plattformen angegeben. Auch der Beziehungsstatus wird teilweise öffentlich gemacht. 36 Prozent der Befragten haben diese Information online veröffentlicht. Diese Offenheit steht im Gegensatz zu den wachsenden Sicherheitsbedenken im Internet. Gleichzeitig sagen 19 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, dass sie sich keinen einzigen Tag ohne Internet vorstellen können.
Interessant ist der Umgang mit KI-Diensten. Zwar nutzen immer mehr Menschen Chatbots und andere KI-Angebote, sensible berufliche Informationen werden aber vergleichsweise selten geteilt. Nur 3 Prozent der Befragten geben laut Studie an, vertrauliche Dokumente mit KI-Tools geteilt zu haben. Bei persönlichen Daten sind viele Nutzer allerdings deutlich weniger zurückhaltend. "Während viele beim Teilen von arbeitsbezogenen Informationen mit KI-Tools vorsichtig sind, sind sie oft viel eher bereit, persönliche Daten preiszugeben", erklärt Briedis.
Mit der wachsenden Bedeutung von KI müsse sich auch der Schutz persönlicher Informationen verändern. "Es reicht nicht mehr aus, nur sichere Passwörter zu erstellen", sagt der NordVPN-Experte. Nutzer müssten auch verstehen, wie Daten von KI-Systemen erfasst und verarbeitet werden. Je länger Menschen online verbringen, desto größer wird auch die Angriffsfläche für Betrüger. Phishing, Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch gehören zu den größten Gefahren im digitalen Alltag. Sicherheitsexperten empfehlen, nicht nur auf starke Passwörter zu setzen.