"Mit dem Jausen-Verteilen für unsere Beisitzerinnen und Beisitzer in den Wahlkommissionen" hat für den diesjährigen Spitzenkandidaten der ÖVP St. Pölten, Florian Krumböck, der heutige Wahltag angefangen. Zwei Jahre vor der Landtagswahl gilt die Wahl des Gemeinderats in St. Pölten manchen Beobachtern als Stimmungsbarometer.
Im Rathaus herrscht Hochspannung, als ÖVP-Spitzenkandidat Krumböck einen "historischen Wahlabend" prophezeit und "für die Umstände solide Ergebnisse" erwartet: "Wir werden sehen, wie sich die Stadt in Zukunft verändern wird." Vor fünf Jahren, am 24. Jänner 2021, hatte die SPÖ unter Bürgermeister Matthias Stadler 56 Prozent der Stimmen erringen können. Seit 1965 regierte die SPÖ mit absoluter Mehrheit – der heutige Wahltag änderte das. Die SPÖ erreichte nur 42,53 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,1 Prozent.
Nachdem ein größerer Teil der Stimmen ausgezählt war und nur noch sieben Sprengel übrig waren, räumte Stadler ein, die "Absolute" wohl verloren zu haben. Ungeschlagen, an erster Stelle bleibt die SPÖ dennoch, wenn auch mit herben Verlusten. Das Rennen um den zweiten Platz war knapp. Wie Krumböck bekundete war es der "kälteste Wahlkampf, den wir je in St. Pölten erlebt haben." Und damit dürfte er nicht nur das derzeit eisige Wetter gemeint haben.
Im Kampf um Platz zwei hat die St. Pöltens ÖVP Stimmen verloren, während die FPÖ stark dazugewonnen hat. Nach der ersten Auszählung zeigt man sich aber zufrieden. Der 34-Jährige hatte für seine Partei 21,38 Prozent der Stimmen holen können (Minus 1,36 Prozent). Seine Partei liegt damit knapp vor der FPÖ auf Platz zwei. Diese hat sich 8,92 Prozent auf 19,75 Prozent verdoppelt.
Wenige Tage vor der Wahl hatte Krumböck noch Schützenhilfe von Niederösterreichs Landes-Chefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bekommen. Diese hatte die Ehrenbürgerschaft der Statutarstadt erhalten und im Handumdrehen ihren Status als "neue St. Pöltnerin" für eine Wahlempfehlung genutzt: "Es geht um die Zukunft unserer Landeshauptstadt, um Lebensqualität und eine starke Innenstadt. Meine klare Wahlempfehlung lautet daher: Florian Krumböck und sein Team wählen. Er hat einen genauen Plan für die Stadt, bringt frischen Wind, den St. Pölten jetzt braucht."
Krumböck sagte am Freitag, die Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch den amtierenden SPÖ-Bürgermeister sei "der beste Beweis, dass die Politik der Volkspartei gut für unsere Stadt ist." Eine klarere Wahlempfehlung für die Volkspartei sei von einem amtierenden Stadtchef ja kaum zu bekommen.
Der ORF schrieb zu Mittag: "Mit einem Plus als ergebnistechnischer Hoffnung für den Abend im Gepäck schritt ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck im Kindergarten Kupferbrunn zur Wahlurne." Sein Team habe alles getan und gegeben, sagte der Politiker dem ORF. Die "großartige Stimmung", die Krumböck rund um die Wahl in seinem Team wahrgenommen haben will, dürfte nach den geringen Verlusten, die man einfuhr ungetrübt sein.
Inhaltlich setzte die ÖVP bei dieser Wahl auf drei Themenfelder: So will man den "Zuzug bremsen", "das Wachstum (der Stadt, nicht der Wirtschaft, Anm.) lenken" und die "Innenstadt stärken". Der Zuzug von mehr als 7.000 Personen innerhalb von zehn Jahren habe die Stadt belastet, fasst Krumböck dieses Programm zusammen. Doch mit diesem Wahlprogramm hatte die ÖVP nur bedingt Erfolg.
"Die St. Pöltnerinnen und St. Pöltner haben Veränderung gewählt", sagte Krumböck kurz bevor das erste Wahlergebnis feststand. Zeitgleich begab sich die FPÖ gesammelt zu ihrer Wahlparty. Für den 34-jährigen ÖVP-Politiker wird es nach dem heutigen Wahlsonntag wieder mit konkreter Stadtpolitik weitergehen: "Wir haben eine neue Politik in St. Pölten möglich gemacht."