Die Tiroler Volkspartei will künftig unabhängiger von der Bundes-ÖVP auftreten. Bei einem Parteitag am Samstag in Innsbruck beschlossen rund 350 Delegierte erstmals ein eigenes Grundsatzprogramm. Zudem soll eine Mitgliedschaft künftig auch ohne Zugehörigkeit zur Bundespartei möglich sein, wie die "Krone" berichtet.
Ein Jahr vor der Landtagswahl 2027 setzt die Partei unter dem Motto "Aus eigener Kraft" auf mehr Eigenständigkeit. Im Mittelpunkt stehen Werte wie "Eigentum, Leistung und Familie".
Landeshauptmann Anton Mattle sprach von einer langfristigen Neuausrichtung: "Tirol steht für uns an erster Stelle. Wer bei uns Politik macht, der muss Tirol verstehen. Deshalb beschließen wir erstmals ein eigenes Grundsatzprogramm, das für die nächsten Jahre und Jahrzehnte unsere Leitlinie sein wird."
Rund 60 Redner beteiligten sich an den Beratungen, größere Diskussionen blieben aus. Am frühen Abend wurde der neue Kurs einstimmig beschlossen.
Einen Bruch mit der Bundes-ÖVP soll es dennoch nicht geben. Mattle lobte Bundeskanzler Christian Stocker für seinen "guten Job" und bezeichnete das Verhältnis als "intakt".
Am Abend rückte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in den Mittelpunkt. Bei der Veranstaltung "Aufbruch für Tirol" wurden mehr als 1.000 Gäste erwartet. Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher und Vorarlbergs Landeschef Markus Wallner waren dabei.
Söder sprach von einem "Besuch bei Freunden" und betonte die "große bürgerliche Wertegemeinschaft" zwischen den Parteien.
Beim Brenner-Nordzulauf rechnet Söder mit einer baldigen Entscheidung. Den Vorwurf, Bayern würde den Bahnausbau bewusst verzögern, wies er zurück. Grund seien die "sehr langwierigen Verfahren in Deutschland".