Snowboarder Benjamin Karl krönte in Livigno seine Sportler-Karriere mit dem zweiten Olympia-Gold – und feierte dann oben ohne wie Hermann Maier.
Seine Jubelbilder gingen um die Welt. "Es gibt Leute, die sagen, alles cool, aber zieh dich bitte wieder an und so weiter, aber diese Kommentare gibt es immer. Aber ich habe das für keinen einzigen Menschen gemacht, außer für mich", sagt Karl jetzt beim Sky-Talkformat "Riesenrad", wo er tief blicken lässt.
"Dass die zweite Goldmedaille in Livigno so wichtig ist, das habe ich gar nicht so auf dem Schirm gehabt. Dass mich die zur Legende macht und nochmal untermauert, was ich mein ganzes Leben gemacht habe, dass die Leute das irgendwie gebraucht haben, um überzeugt zu sein, dass meine Karriere so ist, wie sie ist, das habe ich nicht auf dem Schirm gehabt."
Noch emotionaler sei die erste Goldmedaille 2022 in Peking gewesen. "Ich habe zwar zwei Kinder, aber das muss ich sagen, das war mein emotionalster Augenblick, den ich in meinem Leben gehabt habe. Mir ist da meine ganze Karriere wie ein Film vor den Augen gelaufen und man hat es gesehen, ich habe zu weinen begonnen und nicht mehr aufgehört, ich habe im Interview fast nicht mehr reden können."
Sein Antrieb begleitet ihn seit Kindertagen. "Die größte Kraft, die der Mensch besitzt, ist die eigene Motivation." Schon als Zehnjähriger schrieb er auf einen Zettel, dass er Olympiasieger und Weltmeister werden wolle. "Es gab 100 gegen 1 Stimmen, dass ich es nicht schaffe." Genau das habe ihn gepusht. "Den größten Gefallen, den mir wer tun kann, ist, mir zu sagen, dass ich etwas nicht kann."
Karl spricht auch über jenen Autounfall 2021, bei dem ein 70-jähriger Mann ums Leben kam. Aufgrund von Aquaplaning durch plötzlichen Hagel geriet Karl in den Gegenverkehr. Im April 2022 wurde er zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
"Es war einfach ein Schicksalstag", sagt der Olympiasieger. "Alle Hater da draußen, die sagen, ich habe es nicht verdient, Fahnenträger zu sein für Österreich, weil ich einen Menschen auf dem Gewissen habe, die sollten mal ganz genau die Geschichte und die Verhältnisse und die Umstände, wie das passiert ist, recherchieren und dann ganz schnell ganz ruhig werden."
Karl schildert den Unfallhergang detailliert. "Ich bin da hereingefahren in diese Lawinenverbauung und vor der Lawinenverbauung war die Straße feucht, keine Anzeichen von Aquaplaning oder sonst etwas. Nach der Lawinenverbauung hat es zehn Zentimeter Hagel auf der Straße gegeben. Das hat man auch nicht gesehen, weil es so gespiegelt hat beim Hinausfahren aus der Lawinenverbauung. Dann war es für mich unmöglich, mein Auto zu steuern."
Besonders wichtig ist ihm eine Klarstellung: "Ich sehe mich, ganz ehrlich, nicht als Mörder. Das muss ich sagen, das hat so sein sollen, es gibt einfach Schicksalstage." Gleichzeitig betont er, wie dankbar er der Familie des Opfers ist: "Ich habe so ein Riesenglück, weil diese Familie vom Opfer die liebste Familie ist, die es gibt. Sie haben es mir verziehen, wir haben Kontakt und da kann ich nur Danke sagen."
Neben diesem schweren Kapitel spricht Karl bei "Sky" auch über seinen ungebrochenen Ehrgeiz. "Es wäre so schön, in meiner letzten Saison Olympiasieger zu sein und dann vielleicht noch Gesamtweltcupsieger. Die große Kugel nach Hause zu bringen, das wäre natürlich ein Traum, auch wenn es noch super schwierig wird."
Auch über seine Persönlichkeit spricht er offen. "Ich will ehrlich sein und ich will Ecken und Kanten haben." Er habe starke Meinungen und stehe dazu. "Immer wenn man gegen den Strom schwimmt, hat man mehr Gegner als Freunde." Schon in der Schule sei er oft Außenseiter gewesen.
Zufriedenheit ist für ihn im Spitzensport fehl am Platz. "Zufriedenheit ist der größte Gegner des Sportlers. Wenn du zufrieden bist, dann wirst du weich." Niederlagen würden ihn schneller machen, Siege dagegen eher bequem.