Sieben Wochen Wartezeit auf eine Operation, obwohl angeblich kein einziger Patient auf der Liste steht: Ein solcher Widerspruch findet sich in Salzburg. Das Beispiel zeigt, wie unübersichtlich die veröffentlichten OP-Wartelisten in Österreich teilweise sind.
Eigentlich müssen die Bundesländer offenlegen, wie lange Patienten auf bestimmte geplante Eingriffe warten. Doch die veröffentlichten Daten unterscheiden sich erheblich. Während manche Länder laut "Kronen Zeitung" auch die Zahl der vorgemerkten Patienten angeben, fehlen diese Informationen andernorts völlig.
Zusätzliche Brisanz bekommt die Debatte durch eine Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS), die im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich durchgeführt wurde.
Dabei berichteten 13,1 Prozent der Befragten, dass ihnen ein schnellerer Operationstermin über einen Besuch in einer Privatordination in Aussicht gestellt worden sei.
Die Arbeiterkammer übt daran scharfe Kritik. Sie spricht davon, dass sich Patienten auf diese Weise "vorschummeln" könnten, und verwendet sogar den Begriff "Korruption", berichtet die Tageszeitung.
Für bestimmte planbare Operationen müssen die Bundesländer Wartelisten führen, sobald die Wartezeit mehr als vier Wochen beträgt.
Die Angaben sollen pseudonymisiert veröffentlicht werden. Vorgesehen ist unter anderem, dass die Gesamtzahl der wartenden Patienten pro Abteilung und Eingriff ersichtlich ist. Auch wie viele davon der Sonderklasse angehören, muss laut gesetzlicher Vorgabe erkennbar sein.
Konkret verlangt das Gesetz, dass "die Gesamtanzahl der pro Abteilung für den Eingriff vorgemerkten Personen und von diesen die der Sonderklasse angehörigen vorgemerkten Personen erkennbar" gemacht werden.
Bei der tatsächlichen Veröffentlichung gibt es allerdings große Unterschiede.
Vergleichsweise ausführliche Informationen bieten Salzburg, Niederösterreich und die Steiermark. Dort werden sowohl die Gesamtzahl der wartenden Patienten als auch die vorgemerkten Sonderklassepatienten ausgewiesen.
Auch im Burgenland und in Vorarlberg finden sich Angaben zur Sonderklasse. In Tirol sind entsprechende Zahlen teilweise direkt auf den Internetseiten einzelner Spitäler abrufbar, beispielsweise in Kufstein.
Doch selbst bei den ausführlicheren Übersichten gibt es Schwächen. So werden in Salzburg und Niederösterreich Hüft- und Knieprothesen gemeinsam erfasst, obwohl es sich um unterschiedliche Eingriffe handelt.
Besonders auffällig ist ein Eintrag aus Salzburg: Für eine Operation werden null wartende Patienten angegeben, gleichzeitig beträgt die ausgewiesene Wartezeit sieben Wochen, heißt es in dem Bericht.
Deutlich weniger Informationen bieten die landesweiten Übersichten in Oberösterreich und Kärnten. Dort werden zwar Wartezeiten veröffentlicht, die Anzahl der wartenden Patienten fehlt jedoch. In Kärnten kommt ein weiteres Problem dazu: Die verfügbaren Angaben stammen noch aus November 2025.
Auch die Wiener Übersicht bildet nicht die gesamte Spitalslandschaft ab. Sie umfasst lediglich die Einrichtungen des Wiener Gesundheitsverbunds. Andere Spitäler in der Stadt sind darin nicht enthalten.
Eine einheitliche Darstellung fehlt zudem in weiteren Bundesländern. So veröffentlicht das Krankenhaus Dornbirn eine eigene Warteliste, während Tirol auf die Angaben einzelner Krankenhäuser verweist, berichtet die "Krone".
Für Patienten bedeutet das: Wer Wartezeiten zwischen Spitälern oder Bundesländern vergleichen möchte, muss sich die Informationen oft mühsam zusammensuchen.
Kritik an den unterschiedlichen Veröffentlichungen kommt auch vom grünen Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner.
Er fordert von Gesundheitsministerin Korinna Schumann eine Erklärung, warum die vorgeschriebene Transparenz bisher nicht überall gewährleistet sei.
"Sie muss offenlegen, warum die Bundesländer die gesetzlich vorgeschriebenen transparenten Wartelisten bis heute nicht umsetzen und warum der Bund nicht längst eingeschritten ist", heißt es in dem Bericht.
Damit steht neben der Frage nach den Wartezeiten auch die Kontrolle der gesetzlichen Vorgaben im Mittelpunkt.
Denn solange die Bundesländer unterschiedliche, teilweise unvollständige oder veraltete Daten veröffentlichen, bleibt für viele Patienten unklar, wie lange sie tatsächlich auf ihre Operation warten müssen.