Jetzt hagelt es Kritik

"Zukunftsdeppat" – Spott für Stockers 500-Euro-Plan

500 Euro Startkapital für jedes Neugeborene: Stocker feiert das Zukunftsdepot. Auf Facebook hagelt es Spott und Kritik – es gibt auch verhaltenes Lob.
19.10.2026, 15:57
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Bundeskanzler Christian Stocker nennt es einen "Meilenstein für die Vorsorge der nächsten Generation". Die Bundesregierung hat sich am Wochenende auf die Umsetzung des sogenannten Zukunftsdepots geeinigt. Die Eckpunkte: 500 Euro Startkapital vom Staat, steuerbegünstigtes Sparen für Kinder und ein finanzielles Polster zum 18. Geburtstag.

Doch auf Facebook kommt die Ankündigung längst nicht bei allen gut an. Unter Stockers Posting machen zahlreiche Nutzer ihrem Ärger Luft. Sie kritisieren die hohen Lebenshaltungskosten, fehlende Entlastungen für Familien und die Frage, wer sich zusätzliche Einzahlungen überhaupt leisten kann. Neben heftiger Kritik gibt es aber auch Stimmen, die das Modell ausdrücklich begrüßen.

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"Das klingt wie ein Satireprojekt!"

Besonders scharf fallen einige der kurzen Reaktionen aus. "Das negative Wirtschaftswunder", schreibt ein Nutzer unter die Ankündigung. Ein anderer kommentiert: "Das klingt wie ein Satireprojekt!" Noch direkter wird ein weiterer Facebook-Kommentar: "ÖVP hat Zukunftsdeppat falsch geschrieben".

Hinter dem Spott steckt bei vielen Nutzern allerdings eine ernst gemeinte Frage: Warum setzt die Regierung auf langfristigen Vermögensaufbau, wenn Familien schon jetzt mit ihren laufenden Ausgaben kämpfen?

"Würd das jetzt nicht als Erfolg verbuchen. Eine dauerhafte Entlastung für die Mittelschicht und nicht zig-Steuern wäre endlich mal wünschenswert", heißt es in einer Reaktion. Auch die politischen Prioritäten werden hinterfragt. Ein Nutzer verweist auf Probleme im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt und fragt, warum sich die Regierung ausgerechnet jetzt auf das Zukunftsdepot konzentriere.

"Wer soll sich das bitte noch leisten können?"

Das Zukunftsdepot soll ab 2027 eingeführt werden. Für jedes ab diesem Jahr geborene Kind mit Wohnsitz in Österreich ist ein einmaliger staatlicher Startbonus von 500 Euro vorgesehen. Zusätzlich können Eltern, Großeltern und andere Personen jährlich insgesamt bis zu 5.000 Euro einzahlen. Das Geld soll am Kapitalmarkt veranlagt werden und bis zum 18. Geburtstag des Kindes gebunden bleiben.

Gerade die Möglichkeit, jährlich 5.000 Euro anzusparen, löst auf Facebook Diskussionen aus: "Und wer soll sich das bitte noch leisten können für die Kinder soviel zu sparen, dass es sich auch tatsächlich rentiert?", fragt ein Nutzer. Er verweist auf die Belastung von Familien mit mehreren Kindern und die gestiegenen Preise für Lebensmittel, Energie und Treibstoff.

Ein anderer schreibt: "Aha...bis zu 5000 Euro können die Eltern für jedes Kind anlegen, pro Jahr...ich kenn viele Eltern die froh sind das sie überhaupt über die Runden kommen, da ist nix mehr mit ansparen oder so...Pfusch auf höchster Ebene!!!"

Wichtig dabei: Die 5.000 Euro sind die geplante jährliche Obergrenze, keine verpflichtende Einzahlung. Familien können dem Konzept zufolge auch deutlich kleinere Beträge sparen oder auf zusätzliche Einzahlungen verzichten.

Steuerersparnis in Aussicht

Die NEOS und ÖVP werben damit, dass durch das Depot langfristig Vermögen für Ausbildung, Wohnen oder den Berufseinstieg entstehen soll. Das Depot gehört dem Kind. Eltern sollen zwischen regulierten Anlageprodukten wählen können. Zum 18. Geburtstag soll der Depotwert von der Kapitalertragsteuer befreit sein.

Bei einer jährlichen Einzahlung von 5.000 Euro und einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 6,7 Prozent einen möglichen Depotwert von rund 175.000 Euro zum 18. Geburtstag – fix ist dieser Zugewinn jedoch nicht, auch Verluste wären möglich. Tatsächliche Erträge hängen von der Marktentwicklung ab.

Auch Kinder, die bereits vor 2027 geboren wurden, sollen ein solches Depot eröffnen können. Den staatlichen Startbonus von 500 Euro erhalten sie nach dem vorgestellten Modell allerdings nicht.

"Reichtum wird in Österreich halt ererbt!"

Mehrere Facebook-Nutzer sehen genau darin ein Problem: Wer viel Geld einzahlen kann, profitiert potenziell stärker von der Steuerbegünstigung. "War ja so gedacht dass die Eltern/Verwandten etwas einzahlen. Die Starteinlage von 500 Euro ist nur der erste Anreiz", schreibt ein Kommentator. Sein Fazit fällt kritisch aus: "Reichtum wird in Österreich halt ererbt!"

Eine andere Reaktion bringt den Vorwurf auf den Punkt: "Ein Meilenstein? Eher ein weiterer Schritt zur Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich." Der Verfasser argumentiert, dass wohlhabende Eltern jährlich hohe Beträge investieren könnten, während einkommensschwache Familien oft nicht einmal 50 Euro monatlich zurücklegen könnten.

Die Diskussion dreht sich damit nicht nur um die 500 Euro vom Staat, sondern vor allem darum, wie unterschiedlich Familien die anschließenden Sparmöglichkeiten nutzen können.

Volkshilfe warnt vor sozialer Ungleichheit

Diese Bedenken teilt auch die Volkshilfe Österreich: In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme bezeichnet die Organisation das Zukunftsdepot als "staatlich befeuerte Ungleichheit".

Besonders kritisch sieht die Volkshilfe, dass Familien mit hohen Einkommen durch die geplante Steuerbegünstigung stärker profitieren könnten, während gleichzeitig Kürzungen bei den Sozialhilfeleistungen für Kinder diskutiert werden.

"Wer Familien mit hohen Einkommen ein großzügiges Steuergeschenk macht und gleichzeitig die Richtsätze für Kinder in der Sozialhilfe drastisch kürzen will, befeuert soziale Ungleichheit bei Kindern", kritisiert die Organisation.

Die Kernfrage lautet damit: Wie viel Chancengleichheit schafft ein Modell, dessen Vorteile teilweise davon abhängen, wie viel Geld die Eltern zusätzlich einzahlen können?

ÖVP verteidigt das Zukunftsdepot

Die ÖVP sieht das naturgemäß anders. ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger bezeichnet die geplante Einführung als wichtigen Beitrag zur finanziellen Absicherung junger Menschen. Das Zukunftsdepot soll es Familien ermöglichen, bereits mit kleinen regelmäßigen Beträgen langfristig Vermögen für ihre Kinder aufzubauen.

Zudem soll es die Finanzbildung stärken und mehr Menschen den Zugang zum Kapitalmarkt eröffnen. Auch die NEOS betonen, dass Kinder frühzeitig lernen sollen, wie Geldanlage, Risiko und Zinseszins funktionieren. Das Konzept soll somit nicht nur Kapital aufbauen, sondern auch den bewussten Umgang mit Geld fördern.

"Gute Idee, aber ..."

Unter Stockers Posting gibt es durchaus Zustimmung. "Gute Idee, aber wie man an den ganzen unterirdischen Kommentaren hier rauslesen kann, sollte man das Geld wohl vorher eher in die Finanzbildung der eigenen Bevölkerung stecken", schreibt ein Nutzer.

Er sieht in der steuerbegünstigten Veranlagung eine echte Chance für Kinder. Allerdings äußert er ebenfalls einen Vorbehalt: Warum sollen junge Menschen bereits mit 18 Jahren uneingeschränkt Zugriff auf womöglich größere Beträge bekommen?

Ein anderer Kommentar zeigt die gemischten Gefühle vieler Nutzer: "Die Idee ist nicht schlecht........ jedoch müssten die Eltern das Geld dafür haben."

Damit trifft er den Punkt, der sich durch zahlreiche Reaktionen zieht: Das Zukunftsdepot könnte für Familien, die regelmäßig sparen können, eine zusätzliche Möglichkeit sein. Familien ohne finanziellen Spielraum hätten hingegen vor allem den staatlichen Startbetrag.

Eltern fordern Entlastung schon jetzt

Ein weiterer Kritikpunkt ist der lange Zeithorizont. "Das Geld würden die Eltern jetzt brauchen? In 18 Jahren steht Die Welt wahrscheinlich schon Kopf!", schreibt ein Nutzer. Andere kritisieren, dass Familienleistungen nicht ausreichend mit der Teuerung Schritt hielten und der Staat Eltern zunächst finanziell stärker entlasten müsse.

Das Zukunftsdepot soll zwar erst den Kindern beim Eintritt ins Erwachsenenleben zugutekommen. Viele Kommentare zeigen aber, dass sich Eltern aktuell eher Unterstützung bei ihren laufenden Kosten wünschen. Bis zur geplanten Einführung 2027 müssen zudem noch die rechtlichen und praktischen Details umgesetzt werden.

Der politische Streit über das Zukunftsdepot hat jedenfalls bereits begonnen – und unter dem Facebook-Posting des Kanzlers prallen zwei unterschiedliche Erwartungen aufeinander: langfristig Vermögen für Kinder aufbauen oder Familien möglichst rasch im Alltag entlasten.

red, 19.10.2026, 15:57