"Sie war ein bescheidenes Mädchen mit einer schwierigen Vergangenheit, aber trotz allem hatte sie immer ein Lächeln im Gesicht": Mit diesen Worten beschreibt eine Nachbarin die 22-jährige M., die bei dem Rave in Aarau ums Leben gekommen ist. Wie "20 Minuten" berichtet, ist die Trauer in ihrem Heimatort groß.
Die Tragödie ereignete sich in der Nacht auf Sonntag auf der Pferderennbahn Schachen in Aarau. M. wurde durch Schüsse getötet, vier Männer und eine Frau zwischen 24 und 27 Jahren wurden zum Teil schwer verletzt. Nach und nach werden mehr Details über das Opfer bekannt.
In wenigen Wochen hätte die junge Italienerin ihren 23. Geburtstag gefeiert, heißt es beim italienischen Sender Sky TG24. Sie hatte vor kurzem die Hotelfachschule Zolli im nahen Silvi abgeschlossen. Vor etwa einem Monat entschied sie sich, von Città Sant’Angelo in die Schweiz zu übersiedeln, um Arbeitserfahrung zu sammeln. Schon bald fand sie einen Job als Kellnerin.
Die junge Frau, die Roma-Wurzeln hatte, war mit einem klaren Ziel in die Schweiz gekommen: Sie wollte ihre schweren Erfahrungen hinter sich lassen und einen Neuanfang wagen. Eine Nachbarin, die gegenüber dem "Corriere della Sera" anonym bleiben möchte, erzählt, dass sie und M. weniger als ein Jahr im selben Haus wohnten. Aus der Bekanntschaft sei eine Freundschaft geworden.
"Sie war ruhig, liebenswürdig und herzlich. Sie hatte eine große Lebensfreude", so die Nachbarin.
M. hat in ihrer Kindheit Armut und Entbehrungen erlebt. "Sie schämte sich ihrer Vergangenheit nicht. Sie wusste, was sie durchgemacht hatte, und wollte einfach eine Chance auf Veränderung." Ihr Ziel war es, in der Schweiz Fuß zu fassen und ein neues Leben zu beginnen.
Oft hat M. im Imbisswagen der Nachbarin mitgeholfen. "Sie war eine ausgezeichnete Köchin", erinnert sich diese. "Sie war bescheiden, scheute keine Arbeit und hat immer hart gearbeitet, um über die Runden zu kommen." Wenn es M. schlecht ging, versuchte die Nachbarin, ihr zu helfen: "Manchmal kauften wir für sie ein, manchmal verbrachten wir einfach Zeit miteinander. Wir unterhielten uns, gingen aus und teilten die alltäglichen Dinge des Lebens. Mit der Zeit wurde sie ein Teil unserer Familie."
Auch mit den Kindern der Nachbarin hat M. viel Zeit verbracht. "Sie liebte Kinder sehr. Wenn sie konnte, kaufte sie ihnen eine Kleinigkeit – selbst wenn sie wenig Geld hatte. Sie dachte immer an andere, auch wenn sie selbst in Not war. So war sie einfach."
Musik war eine große Leidenschaft von M. "Wenn Musik lief, war sie dabei. Sie verpasste keine Party und ging oft mit Freunden aus. Sie genoss es, in Gesellschaft zu sein, Spaß zu haben und unbeschwerte Momente zu erleben."
Trotzdem war M. für ihr Alter sehr reif, sagt die Nachbarin. Die junge Frau sehnte sich nach einem ruhigen Leben, einer eigenen Familie, einem Zuhause und Geborgenheit. Sie schaute immer nach vorne: "Sie war in die Schweiz gekommen, um sich ein anderes Leben aufzubauen, und kämpfte mit all ihrer Kraft dafür."