Selbst in Ermittlerkreisen sorgt der Fall für Gesprächsstoff, auch langjährigen Kripo-Beamten ist ein Fall dieser Art neu.
Ein erst 18-Jähriger ungarischer Staatsbürger, der mit 5 Jahren mit seiner Familie nach Österreich gekommen war, hatte sein 29-jähriges Opfer über die Social-Media-Plattform Snapchat kennengelernt.
In der Nacht auf Donnerstag, 6. August 2026, soll er den Wiener ins Nachbarhaus in Langenzersdorf (NÖ), auf das er und seine Familie aufpassen sollten, während die Eigentümer auf Urlaub waren, gelockt haben. Dort soll er mit roher Gewalt auf den Wiener losgegangen sein, sodass dieser tödliche Verletzungen im Kopf- und Halsbereich erlitt. Offenbar einziger Grund: Weil sein Opfer schwul war.
"Heute" hat nun weitere Details der Einvernahme, in der er die Tat eiskalt gestand. Der junge Mann erklärte, dass er am Tag vor der Tat zunächst gearbeitet habe. Bereits am Nachmittag und Abend habe er Alkohol konsumiert. Zudem gab er an, gegen 21 Uhr Ecstasy genommen zu haben. Nach der Tat habe er nach eigenen Angaben weitere Biere getrunken. Ein später durchgeführter Alkomattest ergab eine Alkoholisierung.
Am Tatabend hielt sich der 18-Jährige laut seiner Aussage zunächst im Garten auf. Später kümmerte er sich im unmittelbar benachbarten Haus um die Pflanzen, weil die Bewohner auf Urlaub waren. Den Schlüssel hatte ihm die Familie überlassen.
Danach soll der 18-Jährige über Snapchat Kontakt mit dem späteren Opfer aufgenommen haben. Im Verhör gab er zu: Er habe bereits zuvor Männer über ein Fakeprofil angeschrieben und sich vorgenommen, jemanden unter einem Vorwand zu einem Treffen zu locken und zu schlagen. Zu einem tatsächlichen Treffen sei es zuvor allerdings nie gekommen.
Dem 29-Jährigen habe er in Chats vorgetäuscht, selbst homosexuell zu sein und Interesse an Sex zu haben. Als Treffpunkt nannte er das leer stehende Nachbarhaus. Der Mann kam schließlich mit einem Taxi nach Langenzersdorf. Der Verdächtige holte ihn beim Haus ab und ging mit ihm ins Gebäude hinein.
Dort unterhielten sich die beiden zunächst, bevor der 18-Jährige Gewalt anwandte. Der Verdächtige räumte ein, während der Auseinandersetzung seine körperliche Überlegenheit erkannt zu haben. Er hatte nach eigenen Angaben jahrelang Taekwondo und Boxen trainiert und Erfahrung mit Sparring-Kämpfen.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
Als der 29-Jährige regungslos war, habe der Beschuldigte nach einem Puls gesucht und keinen mehr feststellen können. Danach habe er zu weinen begonnen und einen Freund angerufen. Diesem sagte er zunächst nur, dass er etwas Schreckliches getan habe. In der Einvernahme sagte der 18-Jährige: "Ich habe mir währenddessen mal gedacht, was zum fick mach ich jetzt eigentlich, was bin ich für ein Mensch."
Als der Freund wenige Minuten später eintraf, soll er ihm gestanden haben, jemanden getötet zu haben. Der Freund soll ihm dringend geraten haben, die Polizei zu verständigen.
Danach ging der 18-Jährige zu seinen Eltern, diese verständigten schließlich die Einsatzkräfte.
Noch bevor die Polizei eintraf, versuchte der Verdächtige das Mobiltelefon des Opfers sowie ein eigenes Zweithandy zu zerstören, indem er die Geräte auf den Boden warf und anschließend mit einer Schaufel darauf einschlug. Danach vergrub er beide Telefone beim Hochbeet im Garten.
Bei der abschließenden Befragung erklärte der 18-Jährige, die Auswahl des Opfers sei zufällig gewesen – der 29-Jährige habe auf seine Nachricht reagiert und sich zu dem Treffen locken lassen. Gleichzeitig bestätigte er, dass dessen sexuelle Orientierung für den geplanten Angriff ausschlaggebend gewesen sei.
Er habe bereits zuvor gegenüber Freunden davon gesprochen, einmal einen homosexuellen Mann anzulocken und zusammenzuschlagen. Warum die Attacke schließlich tödlich eskalierte, konnte er nach eigenen Worten nicht erklären: Es sei gewesen, "wie ein Schalter", der bei ihm umgelegt worden sei. Und: "Ich wollte schon immer mal einen Schwulen zusammenschlagen."
Laut seiner Verteidigerin, Anwältin Astrid Wagner, werde dem 18-Jährigen erst jetzt allmählich alles bewusst: "Er denkt Tag und Nacht daran und bereut, was er getan hat." Ihr Mandant sitze in Einzelhaft, wird rund um die Uhr bewacht, soll stark suizidgefährdet sein.
Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hat ein chemisches Gutachten zur Analyse von Blut- und Harnproben und ein psychiatrisches Gutachten über den 18-Jährigen in Auftrag gegeben, die Zurechnungsfähigkeit soll geprüft werden. Wagner spricht von einer Ausnahmetat infolge von Drogenkonsum, damit "war die Zurechnungsfähigkeit möglicherweise aufgehoben". Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.