Die achtjährige Lilly aus Krems musste richtig handeln in einer Situation, in der es um Leben und Tod ging: Ihr Papa Josef Brunner (44) wurde von einer Hornisse gestochen und brach kurz darauf bewusstlos zusammen.
Dabei deutete zunächst nichts auf einen dramatischen Notfall hin. Brunner, selbst Bezirksstellenkommandant beim Roten Kreuz Krems, arbeitete vergangene Woche daheim im Garten. "Ich habe die Hornisse sogar noch auf mich zufliegen gesehen", erinnert er sich im "Heute"-Gespräch.
Einen Hornissen-Stich hatte der 44-Jährige schon einmal erlebt. Vor rund zehn Jahren sei die Stelle lediglich ähnlich wie nach einem Wespenstich angeschwollen. Diesmal war aber alles anders.
"Nach zwei, drei Minuten habe ich Herzklopfen bekommen. Da wusste ich: Jetzt muss ich 1-4-4 wählen", schildert Brunner. Dass er allergisch auf das Gift reagiert, wusste er bis dahin nicht. Brunner konnte den Notruf noch selbst wählen, dann verschlechterte sich sein Zustand rasant. Er gab das Handy seiner achtjährigen Tochter – und verlor kurz darauf das Bewusstsein. Von diesem Moment an übernahm Lilly.
Während sie mit der Rettungsleitstelle telefonierte, kontaktierte sie gleichzeitig über ihre Smartwatch ihre Mutter. Die Allgemeinmedizinerin ist selbst Notärztin und erkannte sofort, wie ernst die Lage war.
Doch Lilly dachte noch einen Schritt weiter. Sie holte die Fernbedienung für das Einfahrtstor, damit die Einsatzkräfte ohne Verzögerung zum bewusstlosen Vater gelangen konnten.
Lillys Mutter machte sich unmittelbar nach dem Anruf ihrer Tochter auf den Weg. Sie kam sogar noch vor der Rettung beim Haus an und verabreichte ihrem Mann die lebensnotwendigen Injektionen.
Danach wurde Brunner von seinen Rettungskollegen ins Klinikum Krems gebracht. Sein Kreislauf war zu diesem Zeitpunkt bereits massiv eingebrochen. "Ich hatte einen Blutdruck von 50 zu 30. Es hat nicht gut ausgesehen", sagt der 44-Jährige. An viele Details kann er sich heute nicht mehr erinnern.
Umso mehr bedankt er sich bei seiner Tochter für seine Lebensrettung. Josef Brunner gegenüber "Heute": "Ich bin der stolzeste Papa auf der ganzen Welt. Lilly hat das wirklich toll gemeistert und die Nerven in einer Situation behalten, wo Erwachsene sie verloren hätten."
Ganz unvorbereitet war die Achtjährige allerdings nicht. Schon als Dreijährige war sie gelegentlich dabei, wenn ihre Mutter Notfallkurse abhielt. Im vergangenen Jahr lernte Lilly außerdem noch einmal genau, wie man einen Notruf absetzt und welche Informationen schnell übermittelt werden müssen. Was davon im Ernstfall hängen geblieben ist, zeigte sich nun eindrucksvoll.
Ob der Familienvater und Rotkreuz-Kommandant gegen die Hornisse gewonnen hat? "Naja, es wäre fast unentschieden gestanden", so Brunner.