Anfang März sorgte ein ukrainischer Geldtransporter aus Österreich für Wirbel. Dieser wurde in Ungarn beschlagnahmt. Offenbar wollte der jüngste Bruder des damaligen Premierministers Viktor Orbán im Frühjahr, dass ein weiterer Transporter gestoppt wird – diesmal in Österreich.
Wie das Onlinemedium 444.hu berichtet, wandte sich Áron Orbán dafür an einen Grazer Unternehmer im Finanzsektor mit ungarischen Wurzeln. Laut Bericht soll der Orbán-Bruder den Grazer per Messenger kontaktiert haben. Gegenüber der APA bestätigte der Unternehmer den Kontakt. "Er hat einfach gefragt, ob ich irgendwie Einfluss habe und einen solchen Anschlag organisieren könne."
Darauf wollte sich der Grazer aber nicht einlassen und meldete Áron, den er als naiv bezeichnet, kurzerhand bei der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Er glaube jedoch nicht, dass der jüngere Orbán im staatlichen Auftrag gehandelt hatte. Überzeugt sei der Unternehmer aber von dem Umstand, dass Áron davon ausgegangen sein muss, dass so eine Beschlagnahmung auch in Österreich einfach umsetzbar sei.
In dem WhatsApp-Chat soll er jedenfalls geschrieben haben, dass er neben jemandem sitzen würde, der über Orte und Zeitpunkte für eine nächste Geldlieferung aus Österreich an die Ukraine genau Bescheid wüsste. Bei Bedarf würde der Orbán-Bruder die Daten an den Grazer weiterleiten.
Dies ist brisant da Daten zu solchen Lieferungen nie öffentlich gemacht wurden. Seitens der ukrainische Oschtschadbank wurde lediglich kommuniziert, dass man nicht mehr über Ungarn fahren werde. Weitere Angaben zu Transportrouten aus Österreich wurden nicht gemacht.
Auf seine Meldung beim DSN habe der Unternehmer bisher jedenfalls keine Antwort erhalten. Nur eine automatische Eingangsbestätigung sei bei ihm eingegangen. Ob der Orbán-Bruder damals Zugang zu nachrichtendienstlichen Quellen hatte oder sein Angebot zu den Daten nur ein Bluff war, bleibt unklar.