Bis vor einem Jahr hatte Heinz G. einen guten Job. Der 56-Jährige arbeitete in der Steiermark bei einem Zulieferbetrieb der Autobranche, unter anderem für Mercedes und BMW. Dann kam der Schock.
"Ich wurde wegrationalisiert. Man hat uns gesagt, dass der Konzern mit 13 Milliarden Euro überschuldet ist", erzählt Heinz. Weltweit werde sich an den Standorten viel verändern. Was damit gemeint war, war den Mitarbeitern schnell klar gewesen. "Wir wussten: Gemeint ist natürlich das Personal."
Die Krise in der heimischen Autobranche ist massiv. Die Katastrophenmeldungen von Insolvenzen und Werksschließungen finden kein Ende. Im Vorjahr haben 5.000 Personen ihren Job verloren. In der Steiermark gibt es aktuell noch 40.000 Arbeitsplätze in diesem Wirtschaftszweig.
Bei Heinz kam ein persönliches Drama dazu. Kurz vor seinem Jobverlust stand er vor einer Operation. Am rechten Arm hatte er sich zwei Sehnen gerissen, sechs Wochen Krankenstand wären notwendig gewesen. Er informierte seinen Chef darüber: "Dann hörte ich, ich kann gleich daheimbleiben."
Bald kam die Kündigung: "Es ging alles sehr schnell, noch am selben Tag musste ich im Büro meine Sachen packen. So wird mittlerweile mit Mitarbeitern umgegangen."
Danach setzte sich Heinz allein auf einen Kaffee und versuchte zu verstehen, was gerade geschehen war: "Ich wurde das Gefühl nicht los: Eigentlich bist du kein Mensch mehr, nur mehr eine Nummer für die."
Finanziell ist Heinz zumindest ein wenig abgesichert. Das Geld vom AMS hilft und sein Sohn steht bereits auf eigenen Beinen: "Dennoch ist es eine Katastrophe, das Mentale ist dabei das größte Problem."
Heinz will zurück ins Arbeitsleben. Seit einem Jahr bewirbt er sich, bisher hat er 65 Bewerbungen verschickt. Das Ergebnis: ein einziges Vorstellungsgespräch. "Alle anderen sagten ab, meist bekam ich überhaupt keine Antwort."
Dabei sucht der 56-Jährige längst weit über seine bisherige Branche hinaus. Er schrieb große Unternehmen im Handel und Transportwesen an, bewarb sich sogar auf Stellen, bei denen keine Vorkenntnisse verlangt wurden.
Bevor er Bewerbungen abschickt, ruft Heinz extra bei den Unternehmen an und fragt, ob er mit 56 überhaupt eine Chance habe. Die Antwort ist immer gleich: Sein Alter sei kein Problem: "Als Antwort kam später meist: Andere sind besser für den Job geeignet. Ich fühle mich nur mehr verarscht."
Auch mit einem AMS-Berater sprach Heinz über seine Erfahrungen. "Der kennt das Problem: Wer über 50 ist, ist nicht erwünscht, hat er gesagt."
Umso mehr ärgert ihn die öffentliche Debatte über ein längeres Arbeitsleben. "Es ist wirklich zum Kotzen: Im Fernsehen höre ich einen Experten, der meint, wir sollten noch länger als bis 65 Jahre arbeiten."
Heinz versteht das nicht: "Ich habe Erfahrung ohne Ende, aber ich bekomme nicht einmal die Chance, ein Bewerbungsgespräch zu führen. Das ist die Realität! Und nicht, was so manche Politiker fordern – ich kann einfach nicht länger arbeiten."
Doch nach einem Jahr voller Absagen ist die Zuversicht fast verschwunden. „Ehrlich: Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werde."