Die Jobsuche ist für Bettina eine extreme Herausforderung. Die 48-Jährige war immer wieder in Teilzeit beschäftigt, arbeitete als Leiharbeiterin und sprang auch als Urlaubsvertretung ein. "Wegen unserer familiären Umstände musste ich meinen Bruder großziehen", sagt sie zu "Heute".
Seit rund drei Wochen ist Bettina erneut arbeitslos gemeldet und bezieht Notstandshilfe. Diesmal leide sie ganz besonders unter den Vorgaben des AMS, sagt sie: "Man kann doch nicht machen, was man will mit mir", sagt Bettina. Ihr größtes Problem: "Ich muss mich auf Stellen in ganz Österreich bewerben, bis nach Vorarlberg, aber ich habe kein Auto und will meine Wohnung und meine Tiere nicht aufgeben."
"Das AMS gibt vor, wo ich mich bewerben soll – vor wenigen Tagen Vorarlberg, aber auch Tirol oder die Steiermark", erzählt Bettina.
Dazu kommen ihre Tiere zu Hause. Für einen Saisonjob in einem anderen Bundesland umzuziehen, kommt für die Niederösterreicherin nicht infrage: "Aber meine Tiere sind dem AMS völlig egal!"
Die Situation belaste sie massiv: "Ich bin völlig fertig. Ich werde in der Früh wach und mein Kopf ist sofort voll mit diesen Problemen."
Dabei betont Bettina, dass sie keineswegs Jobs ablehnt, "mir kann niemand sagen, ich liege auf der faulen Haut, ich will ja arbeiten." Erst vergangene Woche sei ihr eine Stelle als Reinigungskraft in Tulln vorgeschlagen worden: "Ich sollte mich als Reinigungskraft bewerben. Kein Problem. Aber mit dem Zug wären das mehr als 2,5 Stunden Fahrt alleine."
Ein anderer Vorschlag führte sie in den Seewinkel: "Die Arbeit sollte um sechs Uhr früh beginnen. Da müsste ich um drei Uhr wegfahren, aber da gibt es ja noch lange keinen Zug."
Bettina sucht nach eigenen Angaben parallel selbstständig nach Arbeitsplätzen in ihrer Nähe. Die vom AMS vorgeschlagenen Bewerbungen in ganz Österreich behindern sie dabei, sagt sie: "Ich habe keine Zeit, mich produktiv zu bewerben, muss mich ja zuerst bei den entfernten Jobs melden."
Bettina fürchtet Konsequenzen, wenn sie den Vorgaben nicht nachkommt. "Mache ich nicht, was die mir sagen, sperren sie mir das Geld", sagt sie.
Ihre Wohnung aufzugeben und wegen einer Stelle in ein anderes Bundesland zu ziehen, sei für sie keine Lösung. "Das belastet mich, ich will meine Wohnung nicht aufgeben, und dann gibt es noch meine Tiere."
"Heute" fragte nach beim AMS. Dort verweist man auf die gesetzlichen Bestimmungen: "Laut diesen ist es zumutbar, dass eine Beschäftigung überregional beziehungsweise in einem anderen Bundesland angeboten wird, wenn im Rahmen des Stellenangebotes ein Quartier durch den Dienstgeber bereitgestellt wird."
Ein anderes Problem kann aber so nicht gelöst werden: "Die Betreuung von Haustieren ist leider kein Ausschließungsgrund für eine Vermittlung."
Bettina hofft unterdessen, möglichst rasch wieder einen Job zu finden. Einige Betriebe in ihrer Umgebung hat sie bereits selbst ausfindig gemacht. Nun wartet sie auf eine Antwort.