"Macht uns Sorgen"

Jobmarkt: Schumann will Bonus-Malus-System für Ältere

Wer mit 50+ den Job verliert, findet schwer wieder einen. Arbeitsministerin Schumann pocht auf Bonus-Malus-System für Firmen, die Ältere einstellen.
Angela Sellner
01.09.2026, 17:57
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Der Arbeitsmarkt steht vor massiven Herausforderungen – Stichwort demografischer Wandel, aber auch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und der Fachkräftemangel haben enorme Folgen für die Jobwelt.

"Wir wollen diese Veränderungen nicht einfach auf uns zukommen lassen, sondern sie aktiv gestalten", sagt Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Sie hat deshalb neue arbeitsmarktpolitische Zielsetzungen definiert. Frauen, ältere Arbeitnehmer und Migranten sollen künftig noch gezielter unterstützt und vom Arbeitsmarktservice (AMS) begleitet werden.

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Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) präsentiert neue arbeitsmarktpolitische Zielvorhaben – gemeinsam mit AMS-Vorständin Petra Draxl und Wifo-Ökonom Helmut Mahringer.
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Mehr AMS-Förderung für Frauen

Bei Frauen sieht Schumann ein "großes, bisher nicht ausreichend genutztes Beschäftigungspotenzial". Im Vorjahr hätten 81 Prozent der unselbstständig beschäftigten Männer Vollzeit gearbeitet, bei den Frauen nur 46 Prozent – was sich aus der "ungleichen Verteilung der Care-Arbeit" erkläre.

Frauen sollen deshalb stärker von AMS-Fördermitteln profitieren. Konkret soll das AMS weiterhin zumindest vier Prozentpunkte mehr an Fördergeld für Frauen investieren, als es ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit entspricht.

AMS-Vorständin Petra Draxl verwies bei dem gemeinsamen Pressegespräch auf das nach wie vor nicht zur Zufriedenheit gelöste Problem des Kinderbetreuung-Angebots. "Wir haben da schon viel erreicht, sind aber noch nicht dort, wo wir gerne wären."

Mehr Chancen für Ältere

Der zweite Schwerpunkt betrifft ältere Arbeitnehmer. Mehr als 700.000 der rund vier Millionen unselbstständig Beschäftigten in Österreich sind bereits 55 Jahre oder älter.

Mit der Aktion 55+ nimmt die Regierung heuer 50 Millionen Euro in die Hand. Damit sollen bis zu 6.000 neue Arbeitsplätze für Menschen ab 55 entstehen. Ab 2027 sind weitere 100 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen für die Attraktivierung des Arbeitens im Alter vorgesehen.

Allerdings: Die Chancen für Menschen ab 50 am Arbeitsmarkt sind bescheiden. Wer in fortgeschrittenem Alter arbeitslos wird, kommt mit Bewerbungen bei den Firmen oft nicht durch. Für über 60-Jährige ist es noch schwieriger.

"Macht uns Sorgen"

"Das macht uns Sorgen", gibt Schumann zu. Es brauche Anreize für Unternehmen, Ältere zu beschäftigen, fordert auch Wifo-Ökonom Helmut Mahringer.

Schumann plädiert einmal mehr für ein Bonus-Malus-System bei älteren Arbeitskräften. Das heißt, vereinfacht gesagt: Firmen, die Ältere einstellen, werden belohnt.

Mit dieser Forderung setzte sich die SPÖ bei den Koalitionspartnern ÖVP und Neos nicht durch. "Ein solches Bonus-Malus-System ist nicht im Regierungsprogramm, aber ich werde es trotzdem wieder auf den Tisch bringen", sagt die SPÖ-Ministerin: "Wir werden daran nicht vorbei kommen, wir brauchen Chancen für Ältere."

Zuwanderer schneller in den Job

Beim dritten Schwerpunkt geht es um Zuwanderer, insbesondere Geflüchtete. Sie sollen schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. Im Rahmen der anstehenden Sozialhilfereform sollen hier unter anderem die "Schnittstellen" zwischen AMS und Sozialhilfebehörden besser gestaltet werden.

Ebenso sollen im Zuge dessen Integrationspflichten für Zuwanderer kommen – von Deutschkursen bis zur Jobsuche. Wer hier säumig ist, dem drohen Sanktionen in Form von Leistungskürzung.

Schumann bekräftigte erneut das Zieldatum 1. Jänner 2027 für ein Inkrafttreten der Sozialhilfereform. "Wir sind in letzten Abstimmungen in der Koalition", erklärte sie. Aus dem ÖVP-Integrationsministerium hatte es zuletzt Kritik gegeben, dass bei der Sozialhilfereform nichts weitergehe.

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