ORF-Kriegsreporter Christian Wehrschütz hat am Samstag in der Ukraine nur knapp einen Drohnenangriff überlebt. Am Sonntagmorgen spricht der 64-Jährige in Ö3-"Frühstück bei mir" über diesen Moment und darüber, was ihm jetzt wirklich Kraft gibt.
"Die Anteilnahme im ganzen Land bewegt mich zutiefst", erzählt er im Gespräch mit Claudia Stöckl. Tausende Nachrichten hätten ihn erreicht. Sogar ORF-Generaldirektor Roland Weißmann meldete sich sofort: "Er hat mir gleich nach der Veröffentlichung des Videos vom Drohnenangriff eine SMS geschrieben und gefragt, ob er etwas für mich tun kann." Die Antwort des Reporters: "Eine Kerze für mich anzünden." Und genau das tat Weißmann auch.
Wehrschütz selbst zündete ebenfalls eine Kerze an. Aus Dankbarkeit: "Ich habe Gott gedankt. Ich bin katholisch aufgewachsen und glaube, dass Gott noch etwas mit mir vorhat."
Zum Ö3-Frühstück wünschte sich der Korrespondent übrigens drei Eier im Glas: "Bitte ja kein Brot", wie er betonte. Denn sein großes Ziel lautet: 10 Kilo abnehmen. Der Auslöser dafür ist rührend: Seine neunjährige Enkelin Emilia. "Sie sagte: 'Opa, du musst aufpassen, dass du gesund bleibst.'" Seitdem verzichtet Wehrschütz auf Kohlenhydrate und isst ab 16 Uhr nichts mehr.
Sein Morgenprogramm in Kiew ist ebenfalls ungewöhnlich: Er fährt mit dem Lift in den Keller und geht dann eine halbe Stunde lang die Stufen bis zum 8. Stock hinauf. Danach folgen Liegestütze und Kniebeugen. "Das ist mein täglicher Sport."
In seinem neuen Buch "Frontlinien" blickt Wehrschütz auf 25 Jahre im Krisenjournalismus zurück. "Ich habe sicher 5 bis 6 lebensgefährliche Situationen erlebt. Ich glaube, wir haben eine Lebensuhr, und der Tod ist vorbestimmt."
Ende 2026 möchte der Grazer in Pension gehen. Ob der Ukraine-Krieg bis dahin vorbei ist? "Es müssten in den nächsten Monaten gravierende Dinge passieren. Ich sehe derzeit keine Anzeichen für eine Einigung", sagt er nüchtern. Seine Frau scherzt dennoch immer wieder: "Rede mit Selenskyj und Putin. Wir wollen deinen Abschied in die Pension in Kiew feiern."
Eine Vertragsverlängerung beim ORF wird es nicht geben. "Der Friedhof ist voll von Unersetzlichen. So einer will ich nicht sein", zitiert er seinen früheren Generaldirektor Gerhard Weis. Stattdessen freut er sich auf das Leben danach: eine Weltreise mit seiner Frau, viel Zeit für sich und das Sortieren seiner Bibliothek.
"Ich sehe meiner Pension positiv entgegen", sagt Wehrschütz. Ein Satz, der nach dem knapp überstandenen Angriff eine besondere Bedeutung bekommt.