Am Wiener Küniglberg stehen wichtige Entscheidungen bevor. Während der ORF gegen die geplanten Kürzungen der Bundesregierung rechtlich vorgeht, wird hinter den Kulissen bereits an einem eigenen Sparprogramm gearbeitet. Dabei könnten auch die Spitzengehälter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf den Prüfstand kommen.
Laut Informationen der "Kronen Zeitung" stehen Einsparungen zwischen 20 und 30 Millionen Euro bis einschließlich 2027 im Raum. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es dafür bisher aber nicht.
Hintergrund ist der Sparkurs der Bundesregierung. Diese will dem ORF jährlich 93 Millionen Euro streichen. Der Sender wehrt sich dagegen auf rechtlichem Weg. Der Verfassungsgerichtshof befasst sich mit der Angelegenheit.
Unabhängig davon werden im ORF bereits mögliche Einsparungen vorbereitet. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer wollte die kolportierte Summe gegenüber der "Krone" weder bestätigen noch dementieren.
"Natürlich wird Einsparungen geben. Ich gehe auch davon aus, dass die Geschäftsführung hier bereits im sozialpartnerschaftlichen Austausch ist", erklärt Lederer gegenüber der Tageszeitung.
Wie umfangreich das Sparprogramm tatsächlich ausfallen wird, ist damit noch offen.
Im ORF-Zentrum finden am Donnerstag gleich zwei wichtige Sitzungen statt. Neben einem Sonderfinanzausschuss kommt auch der Vergütungsausschuss zusammen.
Dabei geht es unter anderem um die Bezahlung der im Sommer neu bestellten Führungskräfte. Im Raum steht die Frage, ob künftig bis zu 30 Prozent der Bezüge des neuen Generaldirektors Clemens Pig und der 13 Direktoren an bestimmte Erfolgsziele gebunden werden sollen.
Die Entscheidung darüber ist laut Bericht noch nicht gefallen.
Die Gehälter an der ORF-Spitze sind besonders hoch. Der frühere Generaldirektor Roland Weißmann bezog zuletzt 427.500 Euro jährlich.
Für seinen Nachfolger Clemens Pig wird ein Jahresgehalt von mehr als 400.000 Euro erwartet. Die Bezüge der Direktoren dürften sich zwischen 240.000 und 300.000 Euro bewegen.
Gleichzeitig wird darüber nachgedacht, die Zuständigkeiten der Landesdirektoren sowie hoch bezahlter Führungskräfte in Wien auszuweiten.
Damit könnten künftig größere Aufgabenbereiche mit den Spitzengehältern verbunden werden.
Auch die Zahl der besonders gut bezahlten Mitarbeiter könnte sinken. Zuletzt verdienten 70 Personen beim ORF mehr als 170.000 Euro im Jahr. Im kommenden Jahr soll diese Zahl laut dem Bericht auf 60 zurückgehen, berichtet die "Krone".
Diskutiert wird demnach auch, ob bestehende Vereinbarungen angepasst und einzelne Pauschalen gestrichen werden könnten. Welche konkreten Verträge davon betroffen wären, ist noch nicht bekannt.
Neben den möglichen Gehaltsänderungen stehen auch längerfristige Finanzpläne und eine Neuverteilung von Aufgaben auf der Tagesordnung. Die Beratungen sollen sich auf den Zeitraum bis einschließlich 2028 erstrecken.
Stiftungsratschef Lederer sieht den ORF vor einer entscheidenden Phase. "Die Schicksalsjahre des ORF beginnen jedenfalls noch heuer", sagt er gegenüber der "Krone".
Ob die kolportierten Einsparungen von bis zu 30 Millionen Euro tatsächlich beschlossen werden und welche Bereiche sie treffen, bleibt vorerst offen.