Ein Streit um die Suspendierung eines achtjährigen Volksschülers hat in Oberösterreich sogar das Bundesverwaltungsgericht beschäftigt. Der Bub soll im Unterricht eine Lehrerin geschlagen, getreten und versucht haben, sie zu beißen – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Die Schule reagierte mit einem vorübergehenden Ausschluss vom Unterricht. Doch seine Eltern wollten das nicht akzeptieren. Jetzt steht die Entscheidung fest: Das Gericht hat die Suspendierung bestätigt.
Der Vorfall ereignete sich am 2. Juni in einer oberösterreichischen Volksschule. Nach Angaben der Bildungsdirektion weigerte sich der Achtjährige zunächst, am Unterricht mitzuarbeiten, berichtet die "Krone".
Er soll seine Schulhefte auf den Boden geworfen, sich versteckt und immer wieder einen Lichtschalter betätigt haben.
Danach eskalierte die Situation. Laut Bildungsdirektion versuchte der Schüler, eine Lehrerin zu beißen. Außerdem soll er eine Pädagogin mit dem Fuß getreten und ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben.
Schließlich verständigte die Schule die Mutter, die ihren Sohn abholte.
Noch am Tag des Vorfalls wandte sich die Schulleitung an die Bildungsdirektion Oberösterreich. Sie beantragte eine Suspendierung des Achtjährigen für den Zeitraum vom 2. bis 12. Juni, heißt es in der "Krone".
Als Begründung führte die Schule an, dass durch das Verhalten des Buben die körperliche Sicherheit anderer Schüler und des Lehrpersonals gefährdet sei. Aus Sicht der Schulleitung bestand Gefahr im Verzug.
Die Eltern akzeptierten die Maßnahme nicht und erhoben Beschwerde. Sie verwiesen darauf, dass ihr Sohn an ADHS sowie an einer posttraumatischen und einer hyperkinetischen Störung leide.
Sein Verhalten sei laut dem Bericht keine bewusste Attacke gewesen, sondern eine "reflexartige Abwehr- und Befreiungsreaktion aus einer Paniksituation heraus", argumentierten sie.
Der Streit um den Unterrichtsausschluss landete schließlich beim Bundesverwaltungsgericht. Am 29. September bestätigte das Gericht die Entscheidung der Bildungsdirektion.
Dass Schulen in Oberösterreich immer wieder zu solchen Maßnahmen greifen, zeigen die aktuellen Zahlen. Im vergangenen Schuljahr war körperliche Gewalt in mehr als der Hälfte der Fälle der Hauptgrund für eine vorübergehende Suspendierung, berichtet die "Krone".
Auch im laufenden Schuljahr gab es bereits mehrere Vorfälle. Nach rund 20 Schultagen wurden 20 Schüler suspendiert. Sämtliche Betroffenen waren Burschen.
Vier Suspendierungen betrafen Volksschulen, 13 Mittelschulen und drei Sonderschulen.
Seit September gilt außerdem eine zusätzliche Vorgabe: Dauert eine Suspendierung mindestens vier Tage, müssen die betroffenen Kinder und Jugendlichen begleitet werden.
Von dieser Regelung sind beziehungsweise waren im aktuellen Schuljahr bereits 17 Schüler betroffen.
Der Fall des Achtjährigen zeigt, wie weit ein Konflikt um eine Suspendierung gehen kann. In Oberösterreich musste letztlich ein Gericht über die Maßnahme entscheiden.