In seiner ersten Enzyklika "Magnifica humanitas" spricht sich Papst Leo XIV. dafür aus, Künstliche Intelligenz (KI) und die damit verbundenen Technologien stärker unter staatliche Aufsicht zu stellen. Er warnt vor den Risiken, die entstehen, wenn private Akteure zu viel Kontrolle über zentrale digitale Infrastrukturen wie Algorithmen, Daten oder Plattformen erhalten.
Der Papst begründet seine Forderung mit dem Schutz der Menschenwürde und sieht im Staat den Garanten für eine gerechte Nutzung neuer Technologien. Dabei verweist Leo XIV. auf die katholische Soziallehre, die die Verwaltung von Patenten, Daten und digitalen Plattformen als kollektives Gut einordnet. Wie nzz.ch berichtet, warnt der Autor Martin Rhonheimer aber davor, dass eine solche Regulierung am Ende die politische Einflussnahme großer KI-Konzerne sogar erleichtern könnte.
Rhonheimer erinnert daran, dass in der Geschichte der Kirche das Privateigentum stets als Motor für gesellschaftlichen Fortschritt gesehen wurde. Erst mit Papst Franziskus habe sich die kirchliche Haltung geändert, indem das Gemeinwohl über das Eigentumsrecht gestellt wurde. Papst Leo XIV. folgt nun dieser Linie und fordert, dass der Staat die Weiterentwicklung von KI kontrolliert.
Kritiker wie Rhonheimer sehen darin eine gefährliche Konzentration der Macht beim Staat. Anders als private Unternehmen verfüge der Staat über das Gewaltmonopol und könne – auch in demokratischen Systemen – technische Entwicklungen nach politischem Gutdünken steuern. Dadurch bestehe das Risiko, dass KI-Regulierung zum Instrument für Überwachung und Einschränkung von Freiheit werde.
Zudem könnte eine starke staatliche Kontrolle dazu führen, dass große KI-Konzerne durch Lobbying versuchen, neue Regeln zu ihren Gunsten zu gestalten. So entstünde ein System, in dem Markteintrittsbarrieren erhöht und Wettbewerber benachteiligt würden – ganz im Gegensatz zu den eigentlichen Absichten der Enzyklika.