Für Wiens Erzbischof Josef Grünwidl steht am Montag (29. Juni) ein besonderer Termin im Vatikan auf dem Programm. Beim Hochfest der Apostel Petrus und Paulus wird Papst Leo XIV. dem Wiener Erzbischof im Petersdom das Pallium verleihen.
Das schmale Band aus weißer Lammwolle zählt zu den ältesten und bedeutendsten Amtszeichen der katholischen Kirche. Es symbolisiert die Verbindung eines Erzbischofs mit dem Papst und verweist gleichzeitig auf seine Verantwortung als Metropolit einer Kirchenprovinz.
Als Metropolit steht Erzbischof Josef Grünwidl der Kirchenprovinz Wien vor. Er ist damit das verbindende Oberhaupt der Erzdiözese Wien sowie der Diözesen St. Pölten, Linz und Eisenstadt.
Die feierliche Messe beginnt am 29. Juni um 9.30 Uhr im Petersdom. Dabei wird Papst Leo XIV. die Pallien segnen und allen neu ernannten Metropolitan-Erzbischöfen der vergangenen zwölf Monate überreichen. Zu den Empfängern zählt neben Grünwidl auch der neue Prager Erzbischof Stanislav Přibyl, der bereits bei Grünwidls Bischofsweihe im Jänner 2026 in Wien anwesend war. Auch Kardinal Christoph Schönborn, Grünwidls Vorgänger als Wiener Erzbischof, wird an der Zeremonie im Petersdom in Rom teilnehmen.
Das Pallium besteht aus weißer Lammwolle und wird über den Schultern getragen. Vorne und hinten hängt jeweils ein kurzer Streifen herab. Sechs schwarze Kreuze sowie kleine Nadeln, sogenannte Spinulae, sind darin eingearbeitet. Diese erinnern an die Wunden Christi und die Dornenkrone.
Das Amtszeichen soll verdeutlichen, welche Aufgabe ein Erzbischof hat: nicht als Herrscher aufzutreten, sondern als Hirte für die ihm anvertrauten Menschen. Gleichzeitig steht das Pallium für die Einheit mit dem Papst und die Verantwortung für die jeweilige Kirchenprovinz. In Österreich tragen nur die Erzbischöfe von Wien und Salzburg das Pallium. Zur Kirchenprovinz Wien gehören neben der Erzdiözese Wien auch die Diözesen Eisenstadt, Linz und St. Pölten.
Die Wolle für die Pallien stammt traditionell von Lämmern, die jedes Jahr am 21. Jänner, dem Gedenktag der heiligen Agnes, in Rom gesegnet werden. Vor der Verleihung werden die Pallien in einem eigenen Behälter in der sogenannten Pallium-Nische beim Petrusgrab im Petersdom aufbewahrt. Die Form des Palliums soll an ein Joch auf den Schultern erinnern. Damit wird auf Christus als guten Hirten verwiesen, der das verlorene Schaf sucht und es auf seine Schultern nimmt.
Die feierliche Ehrung findet am Fest der Apostel Petrus und Paulus statt. Petrus steht traditionell für die Einheit der Kirche, Paulus für Mission und Verkündigung. Beide Aspekte spiegeln sich in der Bedeutung des Palliums wider. Für Josef Grünwidl hat der 29. Juni noch eine persönliche Bedeutung: An diesem Tag wurde er im Jahr 1988 im Wiener Stephansdom von Kardinal Franz König zum Priester geweiht.