Herz, Hirn und jede Menge krimineller Einfallsreichtum: Wer glaubt, dass in einer Seniorenresidenz nur Backgammon gespielt und Erinnerungen ausgetauscht werden, hat die Rechnung ohne Patrick Budgen gemacht.
Der Wiener ORF-Moderator, der sich mit seinen Krimis rund um den Wiener Zentralfriedhof längst einen Namen als Bestsellerautor gemacht hat, schickt seine Leser in seinem neuen Buch "Alte Meister" (edition a) auf eine ziemlich gewagte Mission.
Eine eingeschworene Kartenrunde plant einen raffinierten Kunstraub – und das aus einem guten Grund. Denn als eine Mitbewohnerin in Not gerät, ist für die "vier grauen Panther" klar: Jetzt müssen Taten folgen! Statt die Hände in den Schoß zu legen, schmieden sie einen ausgeklügelten Plan und beweisen, dass Abenteuerlust keine Frage des Alters ist.
"Die Idee war, einmal was anderes zu machen. Nicht aus der Sicht der Ermittler zu schreiben, wie es normalerweise der Fall ist, sondern der 'Täter', dass man mitfiebern kann, weil man hält ja dann schon zu denen und hofft, dass sie es schaffen", so Budgen im "Heute"-Talk.
Für die passende Atmosphäre hat der Autor genau recherchiert. Schauplatz ist die Park Residenz Döbling im 19. Wiener Gemeindebezirk. Mit viel Liebe zum Detail und seinem bewährten Wohlfühlsound lässt Budgen Figuren entstehen, die dem Älterwerden gelassen, optimistisch und mit einer ordentlichen Portion Humor begegnen.
Denn mit dem klassischen Bild vom Alter, das von Gebrechlichkeit und Verlust geprägt ist, kann der Autor wenig anfangen. "Über das Thema Alter wird immer nur negativ behaftet berichtet, da geht’s oft um Vergesslichkeit und Krankheit und darüber, was man alles nicht mehr kann. Aber ich wollte ein Buch über die guten Seiten des Alterns schreiben, denn es gibt ja auch viele Dinge, die mit der Zeit besser werden: Dass man mehr Erfahrung hat, mehr Gelassenheit; dass man weiß, was man (nicht) will."
Genau diese Einstellung macht "Alte Meister" zu einer vergnüglichen Lektüre für Fans von Cosy Crime (auch Kuschel- oder Wohlfühlkrimi genannt). Statt blutiger Abgründe gibt es liebenswerte Charaktere, knifflige Pläne und jede Menge Spannung mit Augenzwinkern.
Langweilig dürfte es Budgens vier Senioren jedenfalls nicht so schnell werden. Der Autor kann sich gut vorstellen, sie schon bald in ein weiteres Abenteuer zu schicken. Doch wie sieht es mit einem radikalen Genrewechsel aus? Würde Budgen auch einmal einen knallharten Thriller schreiben?
"Prinzipiell würde es mir Spaß machen, mal etwas Blutrünstiges zu schreiben, ich lese ja selbst gerne Thriller, bin ein riesiger Freida McFadden-Fan, aber ich glaub, es gibt Leute, die das besser können als ich. Ich glaub, ich bin ein bissl zu sympathisch dafür", schmunzelt der beliebte ORF-Moderator ("Hinter den Schlagzeilen") und Polit-Podcaster ("Rohrer bei Budgen").
Ganz ausschließen will er einen Ausflug in düstere Gefilde also nicht. Dass Budgen selbst zum Kriminellen werden könnte, scheint hingegen wenig wahrscheinlich. Dafür hat er eine ziemlich plausible Erklärung: "Ich glaube nicht, denn ich rede ja so gern und ich würd mich sicherlich urschnell verplappern und wäre wahrscheinlich recht schnell im Häf'n"