"Wir machen eine Pause – gezielt, um Ihnen im neuen Jahr mit frischer Energie zur Verfügung zu stehen", schrieb sich das Hotel-Restaurant Liebnitzmühle vor dem Jahreswechsel auf seine Webseite. Ab 13. März wollte man wieder für Gäste da sein, nachdem man am 2. Jänner zusperrte – womöglich für immer.
"Ein weiterer Waldviertler Traditionsbetrieb ist insolvent", schrieben die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) über das plötzliche Ende des Essembles aus Vier-Sterne Hotel und Restaurant. Alle sechs Bediensteten haben ihre Jobs verloren – ihre Arbeitsverträge wurden bereits aufgelöst. Der Betrieb, mit seinen insgesamt 55 Zimmern, hatte am 25. Februar einen Eigenantrag auf Konkurs beim Landesgericht Krems gestellt und bleibt daher bis auf Weiteres geschlossen.
"Hallo, ich bin Florian Matschinegg, leidenschaftlicher Gastgeber und Liebnitzmühle-Liebhaber. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass unsere Gäste zufrieden sind und sich bei uns wohlfühlen" – so stellte sich der Geschäftsführer im Oktober 2024 auf der Facebook-Seite des Vereins "Niederösterreichische Wirtshauskultur" vor. Wenige Tage zuvor hatte das damalige September-Hochwasser das Ausflugsziel im nördlichen Waldviertel empfindlich beschädigt – unter anderem ein Grund für die Pleite. Matschinegg hatte erst 2023 übernommen.
Denn, so sagte Insolvenzverwalter Mario Noé-Nordberg gegenüber der NÖN, habe eine Ansammlung von Altlasten, darunter auch notwendige Sanierungsarbeiten nach dem Hochwasser 2024, zu einem nicht mehr bewältigbaren Berg an Verbindlichkeiten geführt. Deshalb sei eine Fortführung des Betriebs für den aktuellen Besitzer nicht mehr möglich – "Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit" schließen das aus.
Dennoch soll aus dem großzügigen Betriebsobjekt kein Geisterhaus werden, zumindest wenn es nach Insolvenzverwalter Noé-Nordberg geht. Geplant sei der schnellstmögliche Verkauf an einen Nachfolger. Interessenten gäbe es bereits, hieß es gegenüber der NÖN. Der Meistbieter soll rasch den Zuschlag bekommen, damit zur anstehenden Hauptsaison wieder geöffnet werden kann. Das könne, so Noé-Nordberg, auch schon im Mai passieren, wenn sich bald ein Nachfolger findet.
Ein möglicher Investor würde jedenfalls einen geschichtsträchtigen Ort wiederbeleben. Um 1900 tummelten sich Liebnitz wohlhabende Gäste aus Wien, die teils über den Sommer blieben. Einige kauften den Bauern ihre Häuser ab. In der Zwischenkriegszeit war eine kleine Künstlerkolonie entstanden, die Maler Josef Stoitzner und Carl Rothe waren zugegen, nebst Politikern und hohen Staatsbeamten, die zur Sommerfrische gekommen waren.
Ob sich heute, ein Jahrhundert später, an diese Geschichte anschließen lässt, bleibt offen. Laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV), können die Gläubiger noch bis zum 22. April 2026 Forderungen anmelden. Im Mai entscheidet sich, mit welcher Quote sie rechnen können.