Handwerk neu gedacht

Petit Point – Wienerin lässt alte Stick-Kunst erblühen

Caroline Macholda-Zingel führt das "Vienna Petit Point" in 4. Generation. Die Wienerin versucht, das alte Handwerk in die Moderne zu transferieren.
Christine Ziechert
20.01.2026, 06:45
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"Bei mir zahlt man pro Stich", lacht Caroline Macholda-Zingel (38) schelmisch in ihrem kleinen Atelier in der Felberstraße (Rudolfsheim-Fünfhaus) beim "Heute"-Besuch. Die Inhaberin von "Vienna Petit Point" betreibt die alte (und fast vergessene) Handwerkskunst der Petit-Point-Stickerei – 361 Stiche kommen auf einen Quadratzentimeter.

Schon Kaiserin Maria Theresia liebte das Handwerk. Im 18. Jahrhundert (1720 bis 1775) war Petit Point eine der exklusiven Lieblingsbeschäftigungen des Adels. Nach handbemalten Vorlagen wurde von rechts nach links um die Wette gestickt.

Jedes Stück ist eine Einzelanfertigung

Heute ist die Stick-Kunst beinahe in Vergessen geraten. Macholda-Zingel führt das Unternehmen bereits in 4. Generation: "Meine Urgroßmutter hat das Unternehmen 1932 gegründet, einige Vorlagen wurden sogar von den Nazis beschlagnahmt. 2016 wurde mir der Betrieb von meiner Mutter und meiner Oma übergeben. Ich versuche, die alte Tradition in die Moderne zu transferieren", erklärt die 38-Jährige, die hauptberuflich als Elektroingenieurin arbeitet.

Jedes Produkt ist eine Einzelanfertigung: Am Millimeterpapier wird vorgezeichnet, dann wird schon gestickt: "Es ist ein Kreuzstich, der um 45 Grad gedreht ist. Man stickt immer eine Farbe fertig, beginnt dann mit der nächsten. Eine Rose kann bis zu 16 Schattierungen haben", meint Macholda-Zingel, die mit dem alten Handwerk aufgewachsen ist und dieses auch erlernt hat.

Trachtenlinie ist der Renner

Die Glanzzeit von Petit Point war in den 1980er-Jahren: "Bei uns war früher alles auf Tourismus aufgebaut, wir haben zum Beispiel viel nach Japan geliefert. Das japanische Kaiserpaar hat den Betrieb in Wien sogar besucht. Aber nach der Pandemie ist alles weggebrochen", berichtet die Wienerin.

Besonders beliebt sind beim Petit Point Blumenmuster – Macholda-Zingel fertigt etwa Broschen, Anhänger, Ohrringe, Taschen, Börsen, Brillenetuis und Kropfbänder an: "Es sind noch zahlreiche Stickereien von meinem Großvater auf Lager, die versuche ich, aufzubrauchen. Die Kropfbänder und eine eigene Trachtenlinie sind vor allem in Deutschland der Renner."

50.000 Stiche für eine Börse

Die Materialien-Auswahl versucht die 38-Jährige nachhaltig und regional zu halten: "Das vergoldete oder versilberte Messing für die Börsen kommt aus Enns (OÖ), bei den Taschen verwende ich zum Beispiel alte Jeanssachen von mir", führt die Wienerin aus.

Der Arbeitsaufwand ist unterschiedlich: "Man darf maximal zwei Stunden pro Tag sticken, mehr geht nicht. Eine Börse benötigt etwa 50.000 Stiche, dafür brauche ich etwa einen Monat, und für eine Tasche bis zu sechs Monate."

Sonderanfertigung auf Anfrage

Die Preise beginnen bei 28,80 Euro (für Ohrstecker). Ohrclips kosten ab 32 Euro, flache Börsen ab 79,50 Euro, Kosmetiktasche ab 59 Euro, Kropfbänder ab 43,20 Euro, Broschen ab 26,40 Euro, Anhänger ab 25,20 Euro und Schirmbroschen ab 62,50 Euro. Auch Sonderanfertigungen sind auf Anfrage möglich.

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