Der Pharmakonzern Takeda baut in Österreich massiv Stellen ab. Nach Informationen der "Presse" laufen bereits Verhandlungen über einen Sozialplan. Betroffen sind vor allem Forschungs- und Entwicklungsfunktionen im Bereich Biologika in Wien.
Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht, da der Prozess noch laufe. Laut "meinbezirk.at" sollen knapp 200 Arbeitsplätze wegfallen. Takeda betont gleichzeitig, dass weiterhin rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich beschäftigt bleiben.
Besonders brisant: Ein neues Forschungs- und Entwicklungslabor in der Wiener Seestadt (Donaustadt) wird nicht in Betrieb genommen. Der Bau – Takeda investierte nach eigenen Angaben 120 Millionen Euro in das "Labor der Zukunft" – war erst im Mai fertiggestellt worden. Eigentlich hätten dort rund 250 Forscherinnen und Forscher an innovativen Therapien arbeiten sollen.
Der Spatenstich war im September 2023 erfolgt – mit viel politischer Unterstützung. Das Labor galt als wichtiger Baustein für den Ausbau der Seestadt zum Life-Sciences-Standort. Nun kommt alles anders. Takeda habe entschieden, "bestimmte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Biologika in Österreich einzustellen sowie den Forschungs- und Entwicklungsstandort in der Seestadt in Wien künftig nicht zu nutzen, um den Fokus auf veränderte wissenschaftliche, operative und strategische Prioritäten anzupassen", heißt es vom Unternehmen.
Das neue Labor soll künftig untervermietet werden. "Es ist geplant, das Gebäude künftig unterzuvermieten. Takeda arbeitet derzeit mit Partnern daran, geeignete Mieter zu identifizieren." Ziel sei es, die Räumlichkeiten an eine Organisation zu übergeben, "die die vorhandene Laborinfrastruktur sinnvoll nutzen kann und idealerweise weiterhin Innovation im Bereich der Life Sciences vorantreibt."
Hintergrund der Einschnitte ist eine Neuaufstellung des japanischen Konzerns. Julie Kim hat im Juni 2026 den Vorstandsvorsitz übernommen und Christophe Weber abgelöst, der Takeda elf Jahre lang geführt hatte. Daher finde "eine globale Transformation statt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, das langfristige Wachstumsprofil zu verbessern und weiterhin einen verlässlichen Zugang zu lebenswichtigen Therapien" zu gewährleisten, erklärte eine Unternehmenssprecherin.
Die übrigen Standorte in Wien und Linz seien laut Takeda von den Maßnahmen an den Forschungsaktivitäten nicht betroffen. Takeda ist seit rund 70 Jahren in Österreich aktiv. Die Zentrale befindet sich in Wien-Meidling, weitere Standorte gibt es unter anderem in Linz und Orth an der Donau.
Österreich bleibe mit mehr als 4.000 Beschäftigten ein zentraler Standort, betont das Unternehmen. Besonders wichtig sei Wien weiterhin für plasmabasierte Therapien. Takeda spricht hier vom größten Plasma-Standort des Konzerns weltweit.
Aus dem Büro von Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) heißt es gegenüber "meinbezirk.at", dass Takeda trotz der angekündigten Anpassungen ein wichtiger Teil des Wiener Life-Sciences-Ökosystems bleibe. Takeda sei ein "bedeutendes Life-Sciences-Unternehmen" in Wien, weil dort mehr als 3.000 Menschen an mehreren Standorten beschäftigt seien.
"Wien wird die Zukunftsbranche weiterhin aktiv unterstützen und mit Initiativen wie dem Life Science Center Vienna gezielt Forschung, Entwicklung und Unternehmenswachstum stärken, um den internationalen Life-Sciences-Standort weiter auszubauen", heißt es abschließend aus dem Novak-Büro.