Neues Lokal "Red & Green"

Bäckerei zerbombt! Jetzt kocht Ukrainerin in Wien auf

Er kehrte der IT-Branche den Rücken, ihre Bäckerei fiel Bomben zum Opfer. Jetzt starten die Ukrainerin und der Wiener im "Red & Green" zusammen durch.
Yvonne Mresch
23.06.2026, 15:09
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"Ich hatte die Eröffnung im März bereits geplant. Doch sechs Tage davor begann der Krieg", erinnert sich Yuliia Ronschyna. "Wir haben uns versteckt, haben die Panzer gehört – und gleichzeitig haben wir noch Kuchen gebacken. Die Leute wollten ja trotzdem etwas essen." Die Luftballone wurden nicht aufgeblasen, zur Eröffnungsfeier kam es nie. Die Bäckerei der 34-jährigen Ukrainerin fiel russischen Bomben zum Opfer – ebenso wie ihre Wohnung.

In Wien arbeitete der junge IT-Experte Lucas Schmutzer indes an einem vollautomatisierten Indoor-Garten, meldete ein Patent an und investierte eine Viertelmillion Euro in das Projekt. Doch verkaufen konnte er es nie: "Die Produktionskosten von 15-20.000 Euro waren einfach für Normalsterbliche nicht leistbar. Ich musste alles aufgeben, obwohl ich all mein Geld in das Projekt gesteckt habe. Ich bin gescheitert."

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Ukrainisch-österreichische Fusion

Zwei gänzlich unterschiedliche Geschichten, deren Protagonisten sich schließlich in Wien trafen und schnell merkten, dass sie eine Leidenschaft teilten: Gutes Essen. "Wir haben so viel Leidenschaft für Essen, sind richtige 'Foodies'", lacht Schmutzer im Gespräch mit "Heute". "Wir haben uns dann gegenseitig herausgefordert, ob wir bestimmte Gerichte besser kochen können als die Lokale, in denen wir waren."

Aus zahlreichen Gesprächen und Versuchen entstand schließlich eine kulinarische Fusion. Im neu eröffneten "Red & Green" in Margareten tischen die Schmutzer und Ronschyna ukrainische, aber auch selbst kreierte Gerichte auf. "Wir möchten unsere Leidenschaft und Yuliias Können teilen und glauben auch, das Grätzel ist reif für ein neues Lokal. Hier wollen wir ukrainisches Essen an den österreichischen Geschmack anpassen", so der Inhaber.

Cocktails in Dosen geliefert

Der Name spiegelt sich in den Speisekarten wider – es gibt hier nämlich eine grüne Karte für fleischlose Speisen und eine rote Karte für Gerichte mit Fleisch. Auf dem Logo sind der österreichische Adler und der ukrainische Löwe zu finden. Zur Auswahl stehen unter anderem die klassisch-ukrainische Suppe "Borschtsch" (6,50 Euro), diverse Salatekreationen, der "Blätterteig Sweet Pear" (Brot mit Birne, Brie, Nüssen und Honig, 11 Euro), Lasagne (13,50 Euro), ukrainische Fleischklößchen (15,50 Euro) oder das Hühnchen Kiev (17 Euro).

Zu trinken soll es neben den Standardgetränken auch bald Cocktails in Dosen geben: "Wir haben eine eigene Maschine, die unsere Cocktails in Dosen abfüllt, die wir dann auch liefern. So kann man den Cocktail direkt abends zuhause genießen", so der Chef. Bei den Zutaten für alle Gerichte achte man auf Regionalität und Saisonalität, betont er.

"Man gewöhnt sich an den Krieg"

Die Gerichte stammen alle aus der Hand von Ronschyna, die schon in ihrer Kindheit die Leidenschaft fürs Kochen entdeckt hat. 2022 wollte sie sich den lang gehegten Traum einer eigenen Bäckerei erfüllen, der schließlich von einem russischen Angriff zerstört wurde. "Ich war gerade nicht zuhause, habe in den Nachrichten davon gehört. Natürlich war es ein Schock, aber das wichtigste ist, dass alle überlebt haben", sagt sie heute. "Ich habe 28 Menschen im Umfeld verloren und auch eine weitere Wohnung. Absurderweise gewöhnt man sich irgendwie an den Krieg", so die junge Köchin traurig.

"Bin nur mit einem Rucksack gekommen"

Die damals 30-jährige entschloss sich schließlich, das Land zu verlassen, kam zuerst nach Bratislava, dann nach Wien, so wie Lucas Schmutzer kennenlernte. "Der Traum, noch einmal etwas zu eröffnen, war zwar da, aber er war vergraben", erinnert sie sich. "Ich bin mit meinen Katzen und einem Rucksack gekommen. Wie kann man etwas öffnen, wenn man nichts besitzt?" Gemeinsam mit Schmutzer schmiedeten sie schließlich einen Plan. "Wir haben gedacht, jetzt oder nie. Ich kann es noch immer nicht fasst, dass es gerade passiert. Wir haben hart gearbeitet und machen Schritt für Schritt weiter."

Mit dem "Red & Green" wollen Schmutzer und Ronschyna Menschen verbinden und neue kulinarische Welten eröffnen. "Uns wäre so viel entgangen, wenn wir nicht offen gewesen wären, die Ukrainer aufzunehmen", ist der Wiener sicher. Auch wenn beide hoffen, dass ihr Restaurant Erfolg hat, der größte Traum bleibt: "Dass der Krieg endlich endet!"

{title && {title} } ym, {title && {title} } Akt. 23.06.2026, 16:17, 23.06.2026, 15:09
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