Spiele-Test

"Pictonico!": Nintendo macht aus deinen Fotos ein Spiel

Eigene Erinnerungen werden zum Smartphone-Spiel: Nintendos "Pictonico!" setzt auf eine ungewöhnliche Idee, die nicht jeden überzeugen wird.
Rene Findenig
08.06.2026, 15:52
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Nintendo hat über die Jahre zahlreiche Smartphone-Projekte ausprobiert. Von "Mario" über "Fire Emblem" bis hin zu "Pokémon" gab es unterschiedlichste Ansätze, bekannte Marken auf Mobilgeräte zu bringen. Mit "Pictonico!" schlägt der Konzern nun einen anderen Weg ein. Statt auf bekannte Figuren oder große Namen setzt das Spiel auf etwas, das praktisch jeder Smartphone-Nutzer ohnehin ständig mit sich herumträgt: die eigene Fotogalerie. Die Grundidee klingt zunächst ungewöhnlich. "Pictonico!" verwendet Fotos vom Smartphone und baut daraus kurze Minispiele. Das Konzept stammt von Nintendo und Intelligent Systems, jenem Studio, das unter anderem für die "WarioWare"-Reihe bekannt ist.

Bereits nach wenigen Minuten wird deutlich, dass diese Verbindung kein Zufall ist. Wer jemals ein "WarioWare"-Spiel gespielt hat, erkennt viele Gemeinsamkeiten. Das beginnt beim Tempo. Die einzelnen Aufgaben dauern oft nur wenige Sekunden. Kaum hat ein Spiel begonnen, ist es bereits wieder vorbei. Der Spieler muss innerhalb kürzester Zeit verstehen, was verlangt wird, und sofort reagieren. Genau dieses Prinzip machte "WarioWare" seit Jahrzehnten erfolgreich und bildet auch das Herzstück von "Pictonico!". Die Spiele selbst sind dabei äußerst simpel – mit ein paar Fingerwischs am Smartphone-Bildschirm sind sie erledigt. Das Mobilspiel selbst gibt es kostenlos für Android und iOS, es gibt aber kaufbare Ingame-Pakete.

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Bekannte Gesichter in völlig absurden Situationen

Statt Wario, Mona oder anderen bekannten Charakteren tauchen plötzlich Gesichter aus der eigenen Fotosammlung auf. Familienmitglieder, Freunde oder man selbst werden Teil der Minispiele. Aus einem gewöhnlichen Schnappschuss entsteht innerhalb von Sekunden eine absurde Situation. Dabei nutzt das Spiel hauptsächlich erkannte Gesichter. Die Software analysiert die ausgewählten Bilder und schneidet Gesichter aus den Fotos heraus. Anschließend werden sie in unterschiedlichste Szenarien eingebaut. Mal erscheinen sie als Blumen, mal als Fallschirmspringer, mal in völlig absurden Situationen. Laut Nintendo bleiben die Bilder dabei auf dem Gerät und werden nicht an Nintendo übertragen.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn die App verlangt Zugriff auf persönliche Fotos. Nintendo hat deshalb verschiedene Möglichkeiten eingebaut, um einzelne Bilder auszuwählen, Fotos auszuschließen oder den Verlauf wieder zu löschen. Schon die ersten Minuten zeigen, dass die eigentliche Attraktion nicht die Minispiele selbst sind. Viele Aufgaben sind bewusst simpel gehalten. Bananen schälen, Gegenstände verschieben oder Gesichter durch einfache Berührungen manipulieren – mechanisch gesehen steckt dahinter kein besonders komplexes Gameplay. Der Reiz entsteht vielmehr dadurch, wer auf dem Bildschirm auftaucht. Plötzlich wird ein Familienfoto Teil einer völlig verrückten Szene.

Kostenlose "Testversion", kostenpflichtige Game-Inhalte

Ein Freund landet mitten in einer Zombie-Situation oder wird zum Mittelpunkt eines kleinen Gags. Das sorgt immer wieder für Überraschungen. Technisch macht die App einen sehr aufgeräumten Eindruck. Die Menüs reagieren schnell, Ladezeiten fallen kaum auf und die Bedienung ist auf Touchscreens ausgelegt. Das wirkt nicht wie ein hastig entwickeltes Smartphone-Spiel, sondern wie ein Produkt, das speziell für Mobilgeräte konzipiert wurde. Allerdings stößt man auch recht schnell auf die Grenzen des Konzepts. Nach dem Download steht zunächst lediglich eine sehr kleine kostenlose Demo zur Verfügung. Diese fällt äußerst knapp aus. Wer mehr sehen möchte, muss zusätzliche Inhalte kaufen.

Nintendo setzt auf verschiedene Ingame-Packs. Zum Start sind zwei Pakete verfügbar. Volume 1 enthält 50 Minispiele und 20 Stages für 7,99 Euro. Volume 2 erweitert das Angebot um weitere 30 Minispiele und 12 Stages für 5,99 Euro. Insgesamt wächst der Umfang dadurch auf 80 Minispiele. Genau hier beginnt einer der größten Kritikpunkte. Die eigentliche Gratis-Version vermittelt nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vom Spiel. Wer sich ein umfassendes Bild machen möchte, kommt um zusätzliche Käufe praktisch nicht herum. Hinzu kommt, dass die Grundidee zwar originell ist, sich aber nicht beliebig oft neu erfindet. Die Überraschung ist am stärksten in den ersten Stunden. Mit zunehmender Spielzeit nimmt der Aha-Effekt aber ab.raft.

Szenen überraschen und bringen zum Schmunzeln

Das bedeutet nicht, dass "Pictonico!" langweilig wird. Es bedeutet lediglich, dass die Idee stärker ist als die spielerische Tiefe. Die Minispiele sind kurz und leicht verständlich. Sie sollen überraschen und zum Schmunzeln bringen. Wer ein umfangreiches Strategiespiel oder eine langfristige Herausforderung sucht, wird hier nicht fündig. Interessant ist außerdem, wie stark die Qualität des Erlebnisses von den eigenen Fotos abhängt. Jeder Nutzer erlebt "Pictonico!" etwas anders. Wer viele Bilder von Freunden, Familie oder besonderen Momenten gespeichert hat, dürfte häufiger über die unerwarteten Kombinationen lachen. Wer dagegen nur wenige geeignete Fotos besitzt oder seine Galerie streng organisiert, wird nicht so überrascht sein.

Gerade dieser persönliche Faktor macht eine klassische Bewertung schwierig. Normalerweise lassen sich Grafik, Umfang, Steuerung und Spielmechaniken relativ klar einordnen. Bei "Pictonico!" spielt zusätzlich die emotionale Verbindung zu den verwendeten Fotos eine große Rolle. Das Spiel funktioniert nicht nur als Unterhaltung, sondern teilweise auch als digitale Erinnerungskiste. Wer Bilder von Urlauben, Familienfeiern oder besonderen Ereignissen verwendet, erlebt die Fotos plötzlich in einem völlig neuen Zusammenhang. Dadurch entsteht ein Effekt, den viele andere Mobile Games nicht bieten können. Das Spiel lebt von Bekanntem und verwandelt es in etwas Unerwartetes. Dieser Ansatz wirkt frisch und macht Spaß.

Mit zunehmender Spielzeit lässt der anfängliche Überraschungseffekt etwas nach, da die spielerische Tiefe begrenzt bleibt.
Nintendo

Schnelle Minispiele ohne komplizierte Regeln

Allerdings zeigt sich auch, dass die Technik nicht immer perfekt arbeitet. Die Gesichtserkennung funktioniert zwar grundsätzlich zuverlässig, doch das Ergebnis hängt stark von den Ausgangsbildern ab. Unscharfe Fotos, ungewöhnliche Blickwinkel oder schlecht erkennbare Gesichter können dazu führen, dass die Auswahl weniger überzeugend ausfällt. Die Minispiele selbst wirken bunt, schnell und teils bewusst chaotisch. Das erinnert nicht nur an "WarioWare", sondern auch an klassische Partyspiele. Die Entwickler verzichten weitgehend auf komplizierte Regeln. Stattdessen wird der Spieler direkt ins Geschehen geworfen. Innerhalb weniger Sekunden muss erkannt werden, was zu tun ist. Das klappt fast immer problemlos.

Einerseits eignet sich "Pictonico!" hervorragend für kurze Spielsessions. Einige Minuten in der U-Bahn, während einer Pause oder zwischendurch auf der Couch reichen aus, um mehrere Runden zu absolvieren. Andererseits entsteht dadurch kaum das Gefühl, an etwas Größerem zu arbeiten. Es gibt keine umfangreiche Geschichte, keine tiefgehende Entwicklung und keine komplexen Systeme, die über viele Stunden motivieren. Besonders deutlich wird das beim Langzeitspielspaß. Während die ersten Begegnungen mit den eigenen Fotos häufig für Überraschungen sorgen, verlagert sich der Fokus später stärker auf die Minispiele selbst. Und genau dort zeigt sich, dass viele Aufgaben sehr einfach gehalten wurden.

"Pictonico!": Nintendo macht aus deinen Fotos ein Spiel

Unter dem Strich ist "Pictonico!" eines der ungewöhnlichsten Nintendo-Projekte der vergangenen Jahre. Das Spiel zeigt, dass Nintendo auch auf Smartphones noch bereit ist, neue Konzepte auszuprobieren. Nicht alles funktioniert perfekt, nicht jede Idee trägt über viele Stunden. Dennoch gelingt etwas, das im Mobile-Bereich selten geworden ist: Das Spiel fühlt sich anders an als die meisten Konkurrenten. Dabei hilft auch die insgesamt unkomplizierte Struktur. Fotos auswählen, Inhalte laden und losspielen – viel mehr ist nicht nötig. Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Selbst Nutzer, die normalerweise kaum Mobile Games spielen, dürften das Konzept schnell verstehen und Spaß an den Minispielen haben.

"Pictonico!" ist kein großes Nintendo-Abenteuer und auch kein neues Mobile-Spiel für hunderte Stunden Beschäftigung. Die eigentliche Innovation liegt in der Nutzung persönlicher Fotos. Daraus entstehen immer wieder überraschende und oft amüsante Situationen. Die technische Umsetzung wirkt sauber, die Bedienung bleibt einfach und die Minispiele funktionieren zuverlässig. Gleichzeitig ist die spielerische Tiefe begrenzt und die kostenlose Version fällt sehr knapp aus. Wer sich auf das ungewöhnliche Konzept einlässt, erhält ein kreatives Experiment mit eigenem Charakter. Wer klassische Nintendo-Stärken wie langfristige Motivation, große Spielwelten oder komplexe Mechaniken sucht, wird hier dagegen nur teilweise fündig.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 08.06.2026, 15:52
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