42 Jahre hart gearbeitet

"Plötzlich bist du der Blöde" – Mann mit 57 arbeitslos

Karl aus Kärnten findet trotz 42 Arbeitsjahren keinen Job mehr. Jetzt droht ihm die Notstandshilfe.
Michael Pollak
17.05.2026, 09:04
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"Leicht vermittelbar", habe es geheißen. Doch für Karl aus Klagenfurt klingt das mittlerweile wie Hohn. Der 57-Jährige ist seit September arbeitslos – nach 42 Jahren Arbeit!

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"Mir kommt vor, die vielen Arbeitsjahre waren umsonst", sagt er. "Du investierst ins System (Anm.: gemeint ist seine Pension), machst alles richtig, arbeitest Richtung Ruhestand. Doch plötzlich bist du der Blöde." Was er meint: Er hat sein Arbeitsleben lang viel Geld eingezahlt, doch nun droht ihm nur eine Mini-Pension.

Karl hat gearbeitet, seit er 15 war. Ausbildung als Kfz-Mechaniker, dann beim Bundesheer. Er wurde Zeit- und später Berufssoldat. Irgendwann hielt er den immer gleichen Alltag nicht mehr aus. Also wechselte er in die Industrie, arbeitete als Metallarbeiter und Maschinenbediener bei einem weltbekannten Konzern.

Rückschlag: Filiale sperrte zu

"Das hat mir irrsinnig Spaß gemacht." Doch Karl wollte noch mehr. Er machte Ausbildungen, wechselte zu einer Versicherung. Dort arbeitete er sich hoch. "Mir wurde geraten: Bleib da, mach deine 40 Jahre und geh dann in Pension." Daraus wurde nichts, die Filiale sperrte zu.

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Danach arbeitete Karl im Werkzeugverkauf, später in der Außenwerbung, wurde Filialleiter, dann wieder im Verkauf. Immer gab er vollen Einsatz. Doch immer wieder endete es mit einer großen Enttäuschung: Firmenübernahmen, Sparmaßnahmen, Kündigungen und auch weniger Gehalt.

Zuletzt arbeitete Karl im Autoverkauf. Auch dort sei der Druck immer größer geworden. Im vergangenen Sommer kam der nächste Rückschlag. Vor einem Kuraufenthalt sagte Karls Chef, dass er trotz Abwesenheit dieselben Umsätze bringen müsse. Logisch, das ging nicht, "und wieder trennten wir uns."

Seitdem sucht der Kärntner Arbeit. Erfolglos. "Beim AMS sagen sie selbst: In dem Alter ist es schwer." Ein Personalvermittler wollte ihn mit 57 Jahren sogar noch in eine Lehre schicken. "Die meinen, das zahlt sich aus."

„Wenn die Waschmaschine kaputtgeht, kann ich sie mir nicht leisten“
Karl, arbeitslos nach 42 Jahren Arbeit

Ab September droht ihm die Notstandshilfe. Die Sorgen werden immer größer. "Wenn jetzt die Waschmaschine kaputtgeht, kann ich sie mir nicht leisten." Allein die Wohnung kostet ihn 930 Euro monatlich, ohne Strom und Heizung. Insgesamt habe er rund 1.400 Euro Fixkosten, "da habe ich aber noch nichts gegessen".

Besonders bitter: "Wenn meine Frau nicht wäre, müsste ich auf der Parkbank schlafen. Nach 42 Jahren Arbeit."

Der Druck belastet ihn schwer. "Alle sagen, bleib zu Hause und genieße die Zeit. Für mich ist das Terror." Jede Bewerbung koste Kraft, oft komme es nicht einmal mehr zu einem Gespräch. "Früher hat es geheißen: Mit einer Lehre bist du bestens gerüstet fürs Leben. Jetzt offenbar nicht mehr."

Dabei würde Karl sofort wieder arbeiten. Am liebsten als Autoverkäufer. Stattdessen werden ihm neue Umschulungen vorgeschlagen, etwa zum Lokführer. "Aber die haben Hunderte Bewerbungen. Warum sollen sie mich nehmen?"

Früher Hotel, jetzt nicht einmal mehr Camping-Urlaub

Auch privat muss die Familie längst verzichten. Früher fuhr Karl mit seiner Frau regelmäßig nach Istrien, dort feierten sie ihren Jahrestag. "Jetzt muss ich schauen, ob sich überhaupt noch ein Zeltlager ausgeht."

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 17.05.2026, 10:39, 17.05.2026, 09:04
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