Illegales Glücksspiel

Poker-Runde unter Freunden endet mit 480.000 € Strafe

Drei Tiroler stehen nach Pokerrunden in der eigenen Wohnung vor dem finanziellen Ruin. Alleine das Finanzamt fordert fast eine halbe Million Euro.
Christoph Weichsler
06.02.2026, 05:30
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Drei Männer aus Innsbruck organisierten über längere Zeit Pokerrunden in einer Wohnung. Das Landesgericht Tirol wertete die Treffen als illegales Glücksspiel und Abgabenhinterziehung. Die Konsequenzen sind drastisch: Neben hohen Geldstrafen müssen die Männer 480.000 Euro an das Finanzamt zahlen, zusätzlich wurden bedingte Haftstrafen ausgesprochen. Polizei und Finanz stoßen immer wieder auf Wohnungen, die als illegale Casinos genutzt werden – der Tiroler Fall ist kein Einzelfall.

Doch vielen ist nicht klar, ab wann Kartenspielen rechtlich heikel wird. Gerade Spiele im privaten Umfeld werden oft unterschätzt – "Heute" hat dazu mit dem Wiener Glücksspielrechtsexperten Oliver Peschel gesprochen.

"Der Grat ist ein schmaler"

Peschel erklärt, dass Kartenspiele im privaten Bereich grundsätzlich erlaubt sein können: "Im privaten Bereich darf zum reinen Vergnügen und um geringe Beträge gespielt werden. Das gilt für das Schnapsen und Watten gleich wie für Poker-Runden." Entscheidend sei jedoch, wie häufig und wie organisiert gespielt wird.

"Auch bei wenigen Euro kann Kartenspielen illegal sein", sagt Glücksspielrechtsexperte Oliver Peschel.
Rechtsanwalt Oliver Peschel

"Erst wenn diese Spiele häufiger stattfinden und dabei größere Summen gesetzt würden, könne es problematisch werden", so Peschel. Diese "größeren Summen" seien dabei oft überraschend niedrig. "Bei Spielen unter Freunden lagen sie bei wenigen Euro." Besonders kritisch seien regelmäßige Runden oder fixe Spielorte, etwa ein eigens reservierter Tisch.

Auch kleine Einsätze können illegal sein

"Wenn die Runden regelmäßig stattfinden, vielleicht sogar mit eigens dafür reserviertem Tisch, kann das auch bei kleinen Einsätzen problematisch werden", warnt Peschel. Viele glauben, Glücksspiel sei nur dann illegal, wenn jemand daran verdient – doch das stimmt nicht.

Besonders heikel wird es, wenn das Finanzamt aktiv wird. Wird ein Spiel als illegales Glücksspiel eingestuft, drohen hohe Steuernachzahlungen. Im Tiroler Fall summierten sich diese auf 480.000 Euro – eine Summe, die für die Betroffenen existenzbedrohend ist.

Eine Ausnahme bleibt

Ganz verboten ist das Kartenspielen um Geld allerdings nicht. "Um Geld gekartet werden könne aber nicht nur privat oder im Casino", erklärt Peschel. Eine Ausnahme gibt es für Gastronomiebetriebe: "Diese dürfen einmal im Quartal mit eingeschränkter Personenanzahl Karten-Turniere ausrichten, bei denen um maximal zehn Euro pro Turnier und Teilnehmer gespielt wird."

{title && {title} } CW, {title && {title} } Akt. 06.02.2026, 08:22, 06.02.2026, 05:30
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