Grausame Misshandlung

Bub (3) verhungert – Eltern wegen Mordes vor Gericht

Im Fall des verhungerten Dreijährigen startet der Prozess gegen die Eltern. Ihnen droht lebenslange Haft, ein Urteil könnte noch am selben Tag fallen.
Newsdesk Heute
04.02.2026, 20:22
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Am Landesgericht Innsbruck beginnt am kommenden Montag ein Prozess, der zu den erschütterndsten Fällen der vergangenen Jahre zählt. Zwei 27-jährige Eltern müssen sich wegen Mordes, Quälens und Freiheitsentziehung verantworten, nachdem ihr dreijähriger Sohn im Mai 2024 im Bezirk Kufstein infolge massiver Unterernährung gestorben war.

Die beiden Angeklagten räumten die Tat nach ihrer Festnahme ein. Gegen die Mutter wurde zudem ein Antrag auf Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum gestellt.

Lebenslange Haft droht

Das Geschworenengericht wird sich laut Gerichtssprecherin Birgit Fink im Laufe des Tages vor allem mit drei Gutachten beschäftigen. Zwei gerichtsmedizinische Sachverständige sowie die bekannte Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner werden im Schwurgerichtssaal sprechen. Zeugen wurden nicht geladen.

Der Prozess ist ganztägig angesetzt, ein Urteil könnte bereits Montagabend fallen. Im Falle einer Verurteilung droht den Eltern lebenslange Haft.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Innsbruck wurde den Eltern zwar eine Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Zügen attestiert, sie sollen jedoch zurechnungsfähig gewesen sein.

Mutter sprach von "Dämon" im Kind

Die Mutter gab in Einvernahmen etwa an, in ihrem Kind wohne ein "Dämon". Dieser sei für die schwierige finanzielle Lebenssituation verantwortlich gemacht worden. Gemeinsam mit dem Vater, der nach seiner Festnahme Reue zeigte, soll sie den Tod des Kindes bewusst herbeigeführt haben.

Dem Kleinkind sollen über Monate hinweg schwerste seelische und körperliche Misshandlungen zugefügt worden sein. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Eltern ihn "vom übrigen Familienleben isoliert und wegsperrt, ihn vollkommen entmenschlicht, erniedrigt und verängstigt" haben.

Taten mit Fotos und Videos dokumentiert

Weiters heißt es: "Sie haben ihn mit einem Kochlöffel geschlagen, ihn an Händen und Füßen mit Kabelbindern gefesselt und ihm dabei teilweise auch die Augen verbunden. Sie haben ihn auch zusätzlich an den Armaturen des Waschbeckens im WC angebunden und bei völliger Dunkelheit über Stunden eingesperrt."

Ziel sei es gewesen, den Bub möglichst qualvoll sterben zu lassen. Die Eltern sollen die Taten in Chats besprochen und mit Fotos und Videos dokumentiert haben. Laut Anklage hätten sie sich gegenseitig darin bestärkt, dass das Kind "vernichtet werden" solle.

Um keinen Verdacht bei den Großeltern zu erregen, soll der Vater weiterhin mit den drei Schwestern des Opfers, darunter die Zwillingsschwester, Besuche gemacht haben. Auf Nachfragen zum Verbleib des Enkels seien Ausreden präsentiert worden.

Bub wog nur sieben Kilogramm

Der Dreijährige wurde schließlich am 19. Mai 2024 tot in seinem Bett entdeckt, der Vater verständigte die Polizei. Er starb an den Folgen schwerster Unterernährung und Flüssigkeitsmangels.

Vor seinem Tod wog das Kind bei einer Körpergröße von 94 Zentimetern nur noch sieben Kilogramm – nicht einmal die Hälfte des erwarteten Gewichts. Seine Geschwister wiesen keine Mangelerscheinungen auf und wurden nach der Festnahme der Eltern bei Pflegefamilien untergebracht.

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