Mit gefälschten E-Mails

Tiroler erbeutet 150.000 Euro von Kliniken – Haftstrafe

Ein Baustoffhändler soll die Tirol Kliniken per Fake-Mails um 150.000 Euro gebracht haben. Laut ihm sollen ihn Geschäftspartner erpresst haben.
Newsdesk Heute
24.01.2026, 22:35
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Der Betrugsprozess gegen einen 36-jährigen Tiroler Baustoffhändler hat am Landesgericht Innsbruck einen brisanten Hintergrund: Der Mann erklärte, er sei von serbischen Geschäftspartnern massiv unter Druck gesetzt und erpresst worden – und rechtfertigte damit einen Betrugs- und Veruntreuungsschaden von über 300.000 Euro.

Ausgangspunkt war ein geplatztes Auslandsprojekt: Der Tiroler wollte in Serbien mit Partnern eine Fabrik eröffnen, zog sich aber laut Darstellung im letzten Moment zurück. Die serbischen Partner verlangten daraufhin eine Kompensationszahlung von 638.000 Euro für den Ausstieg.

"Geld, oder Leben"

Der 36-Jährige habe das abgelehnt und danach, wie er schilderte, die Gegenseite "erst so richtig" kennengelernt. Vor Gericht sagte er, es sei zu schwersten Drohungen gekommen, sogar seine betagten Eltern seien nicht verschont geblieben. "Geld, oder Leben", habe es geheißen.

Der Mann befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits wegen schweren Betrugs und Veruntreuung in Untersuchungshaft und war dort zumindest vor seinen Geschäftspartnern sicher. Der finanzielle Druck, den er beschrieb, führte schließlich 2025 auch zu medialer Aufmerksamkeit.

Täuschend echte E-Mails

Konkret ging es im Verfahren um einen Betrug an den Tirol Kliniken: Ende 2024 soll der 36-Jährige der Klinik täuschend echte E-Mails eines Geschäftspartners übermittelt haben – inklusive Hinweis auf eine angebliche Änderung der Bankverbindung. In weiterer Folge gingen an die Buchhaltung fünf Rechnungen über 149.355,38 Euro ein – jeweils abzüglich drei Prozent Skonto.

Die angegebene IBAN sei zwar echt gewesen, aber eben Teil des Betrugs: Es handelte sich laut Darstellung um das eigene Geschäftskonto des Tirolers, das im System der Kliniken bereits hinterlegt gewesen sei. Nachdem die Buchhaltung überwiesen hatte, soll der Angeklagte das Geld umgehend auf andere Konten weitergeleitet haben. Laut Prozessdarstellung befindet sich das Geld "wohl in Serbien".

Bagger nach Serbien gebracht

Zusätzlich kamen im Verfahren zwei in Innsbruck angemietete Bagger im Wert von 160.000 Euro zur Sprache. Diese soll der Unternehmer entgegen den Mietvereinbarungen und ohne Genehmigung zur Baustelle der geplanten Fabrik ins Ausland gebracht haben. Staatsanwalt Laurenz Klima merkte dazu im Prozess an, dass es "nicht einmal Europol gelungen ist, die Bagger aus Serbien herauszuholen".

Für den Angeklagten wurde das auch finanziell zum Problem: Weil die Miete weiterlief, schuldet er der Verleihfirma laut Angaben inzwischen 306.535 Euro.

Vor Richter Paul Menardi betonte Verteidiger Lukas Staffler, sein Mandant sei bislang unbescholten und grundsätzlich geständig. Als Hauptgrund nannte er die behauptete Erpressung: "Die Serben haben seinen Willen komplett gebeugt!" Staffler hob außerdem hervor, dass sich der 36-Jährige freiwillig bei der Polizei gestellt habe.

Richter Menardi wollte das jedoch nicht zu hoch bewerten und entgegnete: "Kein Wunder, wenn die Polizei schon zweimal angerufen hat!"

10 Monate Haft und Geldstrafe

Am Ende blieb es aufgrund der Milderungsgründe bei zehn Monaten bedingter Haft und 1.440 Euro Geldstrafe. Der Verurteilte wurde sofort enthaftet, doch auf ihn kommen weiterhin Forderungen zu: Die Geschädigten drängen weiter auf ihr Geld.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 25.01.2026, 08:06, 24.01.2026, 22:35
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