Die britische Politikerin Kay Mason Billig geriet mit einem anstößigen Beitrag auf Facebook in Bedrängnis. Zu ihrem Foto eines Steak-Dinners schrieb die Konservative: "Mich nimmt Wunder, was die ganzen armen Leute machen." Es ging nicht lange, da kamen die ersten Reaktionen – vor allem aus der Opposition, die Billigs Beitrag "empathielos" und "widerlich" nannten.
Die Tory-Vorsitzende von Norfolk County hatte ein Bild von einem frisch zubereiteten Tomahawk-Steak gepostet, das zum Tranchieren auf einem Brett bereitstand, daneben eine Flasche italienischen Rotweins, eine Schüssel Salat und ein Kartoffelgericht in Pfeffersauce. Laut "Daily Mail" stammt das Steak vermutlich aus der Finest-Abteilung der Supermarktkette Tesco. Tomahawk-Steaks kosten dort je nach Gewicht im Schnitt etwa 30 Pfund (umgerechnet rund 33 Euro).
Steve Morphew, Vorsitzender der Labour-Fraktion im Norfolk County, reagierte empört auf den Post: "Die Menschen wünschen sich Ratsvorsitzende, die zeigen, dass sie in Kontakt bleiben, sich um die Not anderer kümmern und ihre öffentlichen Ämter mit Demut und Stolz ausüben. Das ist ein widerliches Beispiel für das genaue Gegenteil. Ich finde das überhaupt nicht lustig."
Der Labour-Politiker Michael Rosen vom South Norfolk Council sagte zu "Daily Mail": "Das ist ziemlich schockierend, so etwas zu sagen, gerade erst nach dem Winter, als so viele Menschen in Norfolk sich zwischen Heizen und Essen entscheiden mussten." Catherine Rowett, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Norfolk, meinte: "Ich finde es wirklich beunruhigend, dass jemand im öffentlichen Dienst so snobistisch und empathielos sein kann." Norfolk sei eine Grafschaft mit extremer Ungleichheit, wo Menschen normalerweise zwei oder drei Jobs haben, fügt Rowett hinzu.
Kritik kam auch aus den eigenen Reihen: Ein hochrangiger konservativer Abgeordneter aus Norfolk forderte gar Billigs Rücktritt. "Wir haben ein Recht auf ein Privatleben und darauf, uns zu entspannen, aber ich finde nicht, dass jemand diejenigen herabwürdigen sollte, denen es schlechter geht als anderen", sagte er zu "Eastern Daily Press".
Kay Mason Billig entschuldigte sich öffentlich für ihren Beitrag. "Das war nie meine Absicht", sagte sie zur BBC. Das Bild sei falsch interpretiert worden, den Satz dazu bezeichnet sie als "privaten Witz". "Mein Mann und ich haben uns manchmal ‹die Armen› genannt, da wir recht bescheiden leben. Wenn wir uns also etwas gönnen, posten wir manchmal darüber. Es soll niemanden anderen betreffen und ist keine Kritik an Menschen, denen es schlechter geht als uns." Sie sei enttäuscht darüber, dass ihre Kollegen nichts "von Selbstironie" verstünden.