Bei einer Protestkundgebung in Southampton (England) ist es am Dienstagabend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Demonstranten bewarfen Polizisten laut Augenzeugen mit Flaschen, Steinen, Bierdosen und Mülltonnen.
Rund tausend Menschen hatten sich vor einer Polizeistation versammelt. Unter dem Motto "Justice for Henry Nowak" forderten sie Konsequenzen nach dem Tod des 18-jährigen Studenten in Polizeigewahrsam.
Die Menschen skandierten: "Rassistische Polizisten, verschwindet von unseren Straßen!" und "Schämt euch!". Sie hielten Union Jacks und selbstgemalte Schilder mit Slogans wie "Henrys Blut klebt an euren Händen", "Rettet unsere Kinder!" und "Polizisten vor Ort ins Gefängnis!".
Als ein Teil der Teilnehmer später in Richtung des Wohngebiets des verurteilten Täters marschieren wollte, stellte sich die Polizei dem Zug entgegen. Die Lage eskalierte. Einige Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Flaschen, Bierdosen und Mülltonnen.
Bei der Kundgebung trat auch der rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson als Redner auf. Er warf der Polizei vor, den Fall wegen der Hautfarbe des Opfers falsch behandelt zu haben. "Es geht um Hautfarbe", sagte Robinson vor den Demonstranten. Wäre Henry Nowak nicht weiß gewesen, wäre er anders behandelt worden, behauptete er.
Auf die Kündigung eines der an der Festnahme beteiligten Polizisten angesprochen, sagte er: "Wir wollen ihn im Gefängnis sehen."
Der Fall beschäftigt Großbritannien seit Monaten. Henry Nowak war im Dezember bei einem Messerangriff tödlich verletzt worden. Der 23-jährige Täter wurde erst am Montag zu lebenslanger Haft verurteilt.
Für Empörung sorgen die Aufnahmen, die während des Prozesses öffentlich wurden. Das Video zeigt, wie Polizisten den schwer verletzten Nowak am Tatort in Handschellen legten. Seine letzten Worte waren: "Ich kann nicht atmen", bevor er noch an Ort und Stelle unter den Augen der Polizisten starb.
Der tatsächliche Täter, ein Angehöriger der Sikh, hatte den Beamten damals erzählt, er selbst sei Opfer eines rassistischen Angriffs geworden, bei dem ihm der Turban von Kopf gerissen worden sei – was die Polizei nicht hinterfragte und das 18-jährige Opfer als mutmaßlichen Täter behandelte.
Die Rolle der Polizei steht seitdem massiv in der Kritik. Nowaks Vater sprach nach dem Urteil von einer "unmenschlichen und entwürdigenden" Behandlung seines Sohnes.
Die Familie des Opfers rief nach dem Schuldspruch allerdings dazu auf, den Tod des jungen Mannes nicht für weitere Spaltung oder Hass zu nutzen.
Die britische Innenministerin Shabana Mahmood verurteilte die Ausschreitungen scharf. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, die Tragödie für Gewalt und Unruhen zu missbrauchen, erklärte sie.
Trotz des Urteils gegen den Täter wächst in Großbritannien der Druck auf die Polizei. Viele fordern Konsequenzen für jene Beamten, die den sterbenden Studenten in Handschellen legten.