Für mehrere E-Moped-Lenker endete die Fahrt am Montagnachmittag vorzeitig. Die Grazer Polizei nahm bei einer Schwerpunktaktion in der Innenstadt die motorisierten Zweiräder genau unter die Lupe. Dabei fielen Fahrzeuge auf, die ohne Treten deutlich schneller unterwegs sein konnten als erlaubt.
Seit 1. Oktober dürfen E-Mopeds und E-Fatbikes, deren Motor auch ohne Pedalbewegung arbeitet, nicht mehr auf Radwegen fahren. Für solche Fahrzeuge gelten zusätzliche Vorschriften.
Bei einem kontrollierten E-Moped zeigte die Prüfrolle 24 km/h an, ohne dass die Pedale bewegt wurden. Für die Fahrradpolizisten Rainer Sengseis und Fabian Schröck war klar, dass noch mehr möglich sein dürfte.
"Das geht mit Treten fix einen 50er, wenn nicht mehr", schätzen die beiden in einem Bericht der "Kleinen Zeitung". Für den Lenker war die Kontrolle damit beendet: "Weiterfahren untersagt". Für das Fahrzeug braucht es neben einem entsprechenden Helm auch einen gültigen Führerschein, eine Zulassung, ein Pickerl, eine Nummerntafel und eine Versicherung.
Bei der Aktion gerieten vor allem Fahrer von Lieferdiensten mit Fat-Bikes in die Kontrollen. Einer von ihnen verwies laut "Kleine Zeitung" auf eine Nachricht seines Arbeitgebers: "Wir haben aber eine E-Mail bekommen, dass wir mit diesen Bikes fahren dürfen."
Die Antwort der Beamten: "Ja, aber nur, wenn der Motor ausschließlich durch Treten aktiviert werden kann." Das überprüfte Fahrzeug erreichte laut dem Bericht der Tageszeitung allerdings auch ohne Zutun fünf km/h. Zudem reichte der verwendete Fahrradhelm nicht aus. Der Lenker benötigte einen Mopedhelm.
"Die Strafe schicke ich meinem Arbeitgeber", kündigte er laut "Kleine Zeitung" verärgert an. Die 50 Euro wegen des falschen Helms konnte er gleich bezahlen. "Das müssen wir den Leuten anbieten", erklärt Sengseis.
Ein weiteres Fahrzeug sorgte selbst bei den erfahrenen Polizisten für Verwunderung. "Das erinnert an ein Gefährt von Elon Musk", sagt Schröck im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung". "So etwas habe ich noch nie gesehen."
Das E-Moped erinnerte optisch eher an einen sogenannten "Gatschhupfer" als an ein Fahrrad. Die Pedale spielten dabei kaum eine Rolle. Auf der Prüfrolle stieg die Geschwindigkeit nach Betätigung des Gashebels rasch auf mehr als 20 km/h.
Führerschein, Zulassung und Versicherung waren nicht vorhanden. "Sogar Stoßdämpfer hat das Teil", stellten die Beamten fest.
Während der Kontrolle tauchte laut dem Bericht auch jener Lenker wieder auf, der zuvor bereits beanstandet worden war. Sein angemietetes Fahrzeug hatte er inzwischen in einem Radgeschäft gegen ein anderes motorisiertes Fat-Bike ohne Gashebel getauscht.
"Darf ich damit jetzt fahren?", fragte er die Beamten. Diesmal lautete die Antwort: Ja.
Wie kompliziert die Kontrollen inzwischen sind, schildert Einsatzkommandantin Stefanie Nienaus: "Es gibt inzwischen so viele Modelle, auch wir müssen uns dann immer wieder neu einlesen."
Auch E-Scooter wurden bei der Aktion überprüft. Ein Modell vom Typ Kukirin G2 entsprach den gesetzlichen Vorgaben. "Von dieser Marke ist nur ein Modell tatsächlich zulässig, weil es nur 25 km/h erreicht", so Nienaus zur "Kleinen Zeitung".
Grundsätzlich seien die Vorschriften mittlerweile bekannter: "Bei den Scootern sind die Regelungen großteils bei den Leuten angekommen." Ein anderer Scooter-Lenker musste allerdings wegen fehlender Blinker zahlen. "Diese Regel gibt es aber schon seit 1. Mai", erklärte Sengseis gegenüber der Tageszeitung.
Auch technische Tricks sind der Polizei bekannt. "Viele Geräte haben Tastenkombinationen oder sogenannte 'police modes', mit denen das Gerät dann nur noch langsam fährt", so Nienaus zur "Kleinen Zeitung".
Die Schwerpunktkontrollen sollen weitergehen. Künftig ist jeden Monat ein anderer Bezirk an der Reihe. "Die jeweiligen Polizeiinspektionen teilen uns dafür mit, wo es vermehrt zu Problemen kommt."