"Ich würde mich dort hinstellen, wo ich am besten meine Stärken ausspielen kann." Diese diplomatische Antwort gibt Alexander Prass auf die Frage, auf welcher Position er sich als Trainer selbst aufbieten würde.
Der 24-jährige Oberösterreicher entwickelte sich in den letzten Monaten zu einem "Schweizer Taschenmesser" auf dem Rasen. Auch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick setzt auf die Dienste des Alleskönners.
Im "Heute"-Interview spricht Prass über die Vor- und Nachteile seiner Rolle, WM-Gegner Argentinien, die rot-weiß-roten Kollegen bei Hoffenheim und das Titelrennen in Österreich.
Im ersten Hoffenheim-Jahr haben Sie zwischenzeitlich um den Klassenerhalt gekämpft, jetzt geht es plötzlich um die Champions League. Der Klub hat offenbar an den richtigen Schrauben gedreht. Welche waren das?
"Im Sommer wurde einiges beim Personal geändert. In der Mannschaft sind Spieler weggegangen, andere dazugekommen. Auch sonst hat sich im Verein viel getan. Es wurden richtige Entscheidungen getroffen."
Ein wichtiger Punkt war womöglich, dass Hoffenheim in der sportlichen Krise an Trainer Christian Ilzer festgehalten hat. Wie wichtig ist er für Sie?
"Der Trainer ist für mich gleich wichtig wie für jeden anderen Spieler. Nur weil ich ihn schon länger kenne, heißt das nicht, dass ich eine andere Rolle bei ihm einnehme. Das wird oft ein bisschen verwechselt. Wir haben ein gutes Verhältnis, aber er bevorzugt mich natürlich nicht."
Auch Sportdirektor Andreas Schicker ist noch da, auch er stand bereits vor dem Aus. Beeinflusst es Ihre Leistung auf dem Feld, wenn es in der Chefetage rundgeht?
"Wir haben es gut hinbekommen. Gerade in dieser Phase haben wir fast jedes Spiel gewonnen. Klar bekommst du es als Mannschaft mit. Aber wir sind unseren Weg einfach weitergegangen."
Hoffenheim ist aktuell Dritter. Was ist möglich?
"Vom zweiten bis zum sechsten Platz ist wahrscheinlich alles drin. Wir müssen schauen, dass wir möglichst viele Partien gewinnen, am Ende wird abgerechnet."
Sie sind Linksverteidiger, Mittelfeldspieler, Rechtsaußen und mehr. Wenn Sie Trainer wären: Wo würden Sie sich aufstellen?
"Ich würde mich dort hinstellen, wo ich am besten meine Stärken ausspielen kann. Ich denke, das ist dann auch von Spiel zu Spiel anders und taktikbezogen."
Welche Vorteile hat es, ein Allrounder zu sein?
"Du kannst mehrere Positionen spielen."
Und welche Nachteile?
"Dass du nicht jede Woche und jeden Tag auf derselben Position bist und dich immer wieder anpassen musst."
Haben Sie eine Lieblingsposition?
"Mittlerweile nicht mehr. Halbspur, leicht von der Seite kommend, es ist ja alles sehr flexibel. Du hast kaum noch die eine Position, wo du 90 Minuten stehst."
Sie sind seit rund eineinhalb Jahren in Deutschland, haben gegen viele Stars gespielt. Wer war der härteste Gegenspieler?
"Unmittelbar als Gegenspieler würde ich Olise und Sane sagen, die waren am schwierigsten zu verteidigen, wenn ich als Linksverteidiger aufgeboten wurde."
Ab Montag steht das ÖFB-Camp in Marbella auf dem Programm: Sie haben zwei neue Mitspieler. Wie beurteilen Sie die "Transfers" von Paul Wanner und Carney Chukwuemeka?
"Das sind zwei sehr talentierte Spieler, das steht außer Frage. Sie können uns als Mannschaft sicher weiterhelfen. Ob kurz- oder langfristig, kann ich bis jetzt nicht sagen."
Besteht die Gefahr, dass die beiden das Team-Gefüge durcheinanderwirbeln? Das wäre kurz vor der WM nicht ideal.
"Nein. Den Gedanken hat, glaube ich, niemand, dass hier eine Unruhe oder ein Wirbel entstehen könnte. Es sind ausschließlich gute Jungs dabei. Es geht eher darum, die beiden gut aufzunehmen."
Sie stehen regelmäßig im Kader von Ralf Rangnick. Er braucht Sie am ehesten als linken Verteidiger. Da sind wir wieder bei der Positionsfrage.
"Wenn man nicht Ewigkeiten dabei ist und 100 Spiele am Buckel hat, hat man die Rolle, die man bekommt, zu akzeptieren – speziell im Nationalteam. Das ist wichtig, vor allem bei einem Großereignis. Es ist egal, welche Rolle einem zugeteilt ist."
Österreich hat eine starke Mannschaft, oft ist von der besten Generation zu hören. Was ist bei der WM möglich?
"Wir haben bei der EM schon gezeigt, dass wir eine gute, unangenehme Mannschaft sind. Wir sind damals unglücklich ausgeschieden, es wäre sicher mehr möglich gewesen. Man kann uns viel zutrauen, aber es läuft nicht automatisch so wie in der Euro-Gruppenphase. Wir müssen uns wieder alles hart erarbeiten."
Österreichs Gruppengegner heißen Jordanien, Argentinien und Algerien. Sind Sie zufrieden mit der Auslosung?
"Es hätte vielleicht einfachere Gegner gegeben. Aber vor allem das Spiel gegen Argentinien ist für alle besonders. Algerien und Jordanien werden unangenehme Gegner sein, es wird uns sicher nichts geschenkt in der Gruppe."
Bei Argentinien sticht natürlich Lionel Messi heraus. Geht für Sie ein Jugendtraum in Erfüllung?
"Auf jeden Fall geht ein Traum in Erfüllung, wenn man gegen Messi spielen darf. Aber es geht auch generell ein Traum in Erfüllung, bei der WM vertreten zu sein. Es ist mit das Größte, das es im Fußball gibt."
Die WM steigt in den USA. Das ÖFB-Camp liegt in Kalifornien. Worauf freuen Sie sich abseits der Spiele?
"Wir haben noch keine Pläne geschmiedet, man ist mit den Gedanken bisher nicht die ganze Zeit bei der WM. Ich freue mich einfach auf die Zeit mit den Jungs, weil die Zeit bei der EM in Berlin sehr besonders war. Es ist eine große Familie entstanden."
Ein Wort zur österreichischen Bundesliga: Gelingt Ex-Klub Sturm der Titel-Hattrick?
"Die Zeichen stehen gut. Sie hatten zwischenzeitlich eine schwierige Phase, konnten sich aber befreien. Die Daumen sind jedenfalls gedrückt, ich würde es ihnen wünschen. Es ist sehr eng, alles kann passieren. Sie müssen die richtigen Spiele gewinnen."