Der Wiener Wurstelprater hat Grund zum Feiern! Pünktlich zum 260-jährigen Jubiläum gibt es eine besondere Auszeichnung: Die Österreichische UNESCO-Kommission hat die "Wiener Wurstelpraterkultur" in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gewürdigt wird eine Tradition, die seit 1766 von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Dabei geht es nicht um das Riesenrad, die Ringelspiele oder andere Attraktionen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr das Wissen, die Erfahrungen und die Lebensweise der Praterfamilien, die den Vergnügungspark seit Jahrhunderten prägen. "Die Menschen dahinter", fasst Praterverbands-Präsidentin Silvia Lang zusammen.
Viele Betriebe sind seit Generationen im Wurstelprater angesiedelt, manche Familien leben sogar direkt dort. Ihre Kinder wachsen zwischen Fahrgeschäften auf, lernen früh das Schaustellerwesen kennen und übernehmen später oft selbst Verantwortung. Zum Alltag gehören allerdings nicht nur Unterhaltung und Vergnügen, sondern auch lange Arbeitstage, wenig Urlaub und wirtschaftliche Verantwortung.
"Der Wurstelprater war immer ein Ort für alle. Menschen unterschiedlichster Generationen und Herkunft kommen hier zusammen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Diese Offenheit gehört genauso zu unserer Wiener Wurstelpraterkultur, wie unsere Familiengeschichten und unser Wissen über das Schaustellerwesen", erklärt Silvia Lang.
Vor knapp zwei Jahren hatte der Verband den Antrag auf Anerkennung bei der Österreichischen UNESCO-Kommission eingereicht. Für Lang ist die Auszeichnung ein besonderer Moment. "Dass die 'Wiener Wurstelpraterkultur' nun als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt wird, ist einer der schönsten Höhepunkte in diesem Jubiläumsjahr '260 Jahre Wiener Prater'. Wir sehen darin eine Würdigung unserer Vergangenheit, aber vor allem Rückenwind für die Zukunft", betont sie.
Für Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ) ist die Anerkennung auch eine Würdigung der Praterfamilien. "Es ist eine bemerkenswerte Auszeichnung von internationaler Strahlkraft", betont sie. Der Prater sei nicht nur eine Freizeitattraktion, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber und Heimat vieler Familienbetriebe. Die Ehrung würdige vor allem jene Menschen, die den Prater seit Generationen prägen.
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hebt hervor, dass nicht der Vergnügungspark selbst, sondern die dort gelebten Traditionen ausgezeichnet werden. Das Pratermuseum trage dazu bei, diese Geschichte für kommende Generationen zu bewahren. Das Besondere sei zudem die Balance zwischen Alt und Neu und das solidarische Miteinander. Man sei "stolz auf den Prater", so Kaup-Hasler.
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner betont die Bedeutung der Familienbetriebe für den österreichischen Tourismus und stellt klar: "Der Wiener Wurstelprater ist ein Stück Lebensgefühl, das man nirgendwo sonst findet." Auch Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) freut sich über die Anerkennung: "Wien und die Leopoldstadt wären ohne den Prater nicht dasselbe."
Überraschungsgast beim Pressetermin war Ronald Leopoldi. Der Sohn des Komponisten und Kabarettisten Hermann Leopoldi und der Sängerin Helly Möslein verwaltet heute das musikalische und künstlerische Erbe seiner Eltern. Sein Vater komponierte 1932 das Lied "Schön ist so ein Ringelspiel", dessen Text von Peter Herz stammt. Mit der bekannten Zeile "Treten S' ein, nur herein..." wurde das Lied zu einer musikalischen Liebeserklärung an den Wiener Prater. Mit Ziehharmonika wurde das Lied schließlich auch noch vorgetragen.