Die Auftragslage verbessert sich, doch für Entwarnung ist es aus Sicht der steirischen Industrie zu früh. Kurt Maier, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, sieht erste Lichtblicke – gleichzeitig belasten hohe Kosten die Betriebe weiter.
"Wir sehen noch keinen Grund für Jubelmeldungen", sagt Maier. Es gebe aber Zuversicht, dass die schwierigste Phase überwunden sein könnte. Die Unsicherheit bleibe groß.
Vor allem bei den Erträgen bleibt die Lage laut Maier angespannt. Energie, Rohstoffe und Personal setzen die Unternehmen unter Druck. Die Schere zwischen Preisen und Kosten gehe auseinander, die Wettbewerbsfähigkeit leide. Das mache sich auch im Export bemerkbar.
Besonders deutlich wird der Industrievertreter bei der Energie: "Die Preise für Gas und Strom sind wieder jenseits von Gut und Böse."
Eine generelle Entwarnung beim Personal kann Maier ebenfalls nicht geben. Kostensenkungen blieben ein Thema, dazu zählten auch Personalkosten. Zugleich entstünden durch künstliche Intelligenz und die Transformation neue Jobs und Berufsbilder. Trotz steigender Arbeitslosigkeit fehle es weiterhin an Fachkräften.
Auch bei Investitionen sieht Maier Zurückhaltung. Die Unternehmen würden vor allem bestehende Anlagen ersetzen, größere strategische Investitionen in die Standorte dagegen vielfach aufschieben.
Seine Forderung: steuerliche Anreize, die Investitionen wieder attraktiver machen. Diese sollten gezielt und zeitlich begrenzt sein. Gleichzeitig sieht er Sparpotenzial bei doppelten oder wettbewerbsverzerrenden Förderungen.
Das Stromkosten-Ausgleichsgesetz und den Industriestrompreis bezeichnet Maier als wichtige Maßnahmen. Beim Ausgleichsgesetz handle es sich aus seiner Sicht allerdings um die Rückführung von Geldern aus CO2-Zertifikaten.
Beim Klimagesetz geht Maier auf Konfrontation. Die Industrie unterstütze Klimaziele und die Senkung des CO2-Ausstoßes. Entscheidend sei aber, ob Maßnahmen leistbar und technisch umsetzbar seien. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 kann er nicht nachvollziehen. Maier plädiert dafür, sich am EU-Ziel 2050 zu orientieren.
Auch die Ausnahme für große Industrieanlagen und Kraftwerke im europäischen Emissionshandel überzeugt ihn nicht. Vorleistungen, Transporte und Energieangebote würden dennoch teurer, argumentiert er.
Angesichts angespannter öffentlicher Finanzen hält Maier den österreichischen Zeitplan für überzogen: "Das ist Aktionismus, völlig unverständlich."
Die geplante Kapitalerhöhung der Energie Steiermark unterstützt der IV-Präsident hingegen. Bis 2035 seien Investitionen von rund 5,8 Milliarden Euro vorgesehen.
Maier verweist auf den gemeinsam erarbeiteten "Masterplan Grüne Energie 2040". Dieser gehe von einer Verdoppelung des Strombedarfs aus. Entsprechende Infrastrukturinvestitionen seien deshalb nötig. Eine vollständige Eigentümerschaft des Landes hält er aus wirtschaftlicher Sicht nicht für erforderlich.
Vom neuen steirischen Landesbudget erwartet sich Maier vor allem Einsparungen auf der Ausgabenseite. Auf Bundesebene werde seiner Einschätzung nach überwiegend über höhere Einnahmen saniert; größere strukturelle Änderungen vermisse er.
Ob die Bereitschaft dafür in der Steiermark ausreichend vorhanden ist? Maiers Antwort fällt knapp aus: "Da ist noch Luft nach oben."