Ein Reifensatz für das ganze Jahr klingt verlockend: kein Wechsel im Frühling und Herbst, weniger Aufwand und keine zweite Garnitur in der Garage. Dafür müssen Ganzjahresreifen jedoch mit Bedingungen zurechtkommen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Im Winter sollen sie auf Schnee und bei strengem Frost Halt bieten, im Sommer müssen sie auch auf heißem und trockenem Asphalt sicher bleiben.
Wie gut das funktioniert, zeigt der Ganzjahresreifentest 2026. Geprüft wurden zehn Modelle in der Dimension 225/45 R17. Im Testfeld standen Reifen von Bridgestone, Continental, Falken, Giti, Goodyear, Hankook, Linglong, Michelin, Nokian und Pirelli.
Durchgeführt wurde die Untersuchung von der "Auto Zeitung" gemeinsam mit dem ARBÖ, dem deutschen Automobil-Club Verkehr und der Gesellschaft für Technische Überwachung. Der Winterteil fand im Februar auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt. Im Mai folgten bei deutlich wärmeren Temperaturen in Spanien die Prüfungen auf nasser und trockener Fahrbahn.
Am Ende setzte sich Pirelli vor Continental durch. Beide Modelle kamen mit den sehr unterschiedlichen Anforderungen besser zurecht als die übrigen Kandidaten.
Im winterlichen Teil des Tests zeigte der Michelin CrossClimate seine größte Stärke. Auf Schnee erreichte das aktuelle Modell ein sehr hohes Gripniveau und konnte sich dabei auch mit klassischen Winterreifen messen.
Ebenfalls überzeugende Resultate auf verschneiter Fahrbahn lieferten Continental, Giti und Hankook. Der Test zeigt damit, dass moderne Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol grundsätzlich auch bei Schnee funktionieren können. Das Symbol zeigt eine Schneeflocke vor einem stilisierten Berg und bestätigt, dass der Reifen bestimmte Anforderungen für den Wintereinsatz erfüllt.
Bridgestone, Goodyear und Pirelli blieben beim Schneegriff hinter einem reinen Winterreifen zurück, ermöglichten laut Testergebnis aber dennoch eine sichere Fahrt. Schwächer waren Linglong und Nokian. Besonders deutlich verlor Falken im Wintervergleich an Boden.
Der getestete Falken besitzt als einziger Kandidat ein asymmetrisches Profil. Die meisten anderen Modelle verwenden eine laufrichtungsgebundene Konstruktion. Mittlerweile ist eine überarbeitete Version verfügbar, die unter anderem mehr Halt auf Schnee bieten soll. Diese war allerdings nicht Gegenstand des Tests.
Bei besonders tiefen Temperaturen zeigen sich weiterhin die Grenzen eines Ganzjahresreifens. Klassische Winterreifen für mitteleuropäische Verhältnisse funktionieren üblicherweise auch bei Werten unter minus 20 Grad noch zuverlässig. Allwettermodelle können unter solchen Bedingungen früher an Leistungsfähigkeit verlieren.
Nach dem Frost in Schweden mussten die Reifen wenige Monate später in Spanien bei sommerlichem Wetter antreten. Auf nassem Asphalt wurden unter anderem Bremsverhalten und Haftung geprüft. Weitere Tests fanden bei trockenen Bedingungen statt.
Gerade hohe Temperaturen können Ganzjahresreifen fordern. Ihre Mischung muss weich genug bleiben, um im Winter Halt zu finden, darf bei Hitze aber nicht zu stark nachgeben. Reine Sommerreifen sind speziell für Temperaturen von 30 Grad und mehr ausgelegt und haben hier meist Vorteile.
Viele Kandidaten überzeugten deshalb nur in einzelnen Bereichen. Giti zeigte gute Eigenschaften auf Schnee, rutschte wegen schwächerer Resultate bei Regen und auf trockener Straße aber weit nach hinten. Michelin konnte seine mäßigen Sommerergebnisse mit der besonders starken Winterleistung ausgleichen und erreichte dadurch noch den vierten Gesamtrang.
Für Falken reichte es hingegen nur zum letzten Platz. Das Modell blieb sowohl bei winterlichen als auch bei sommerlichen Bedingungen hinter mehreren Konkurrenten zurück.
Nokian punktete vor allem mit guter Haftung auf nasser Fahrbahn. Auf trockenem Asphalt ließ die Leistung jedoch nach. Bei Bridgestone zeigte sich beinahe das umgekehrte Bild: Der Reifen war im Trockenen stark, hatte aber bei Nässe Schwierigkeiten.
Auch Goodyear lieferte kein vollständig ausgeglichenes Ergebnis. Bei Regen konnte das Modell überzeugen, auf trockener Fahrbahn sorgten längere Bremswege für Abzüge. Hankook zeigte unter sommerlichen Bedingungen eine ausgewogene Leistung, erreichte dort aber nicht das hohe Niveau seiner Ergebnisse auf Schnee.
Continental legte den Schwerpunkt erkennbar auf winterliche Bedingungen. Trotzdem blieb das Modell auch bei steigenden Temperaturen leistungsfähig und sicherte sich damit den zweiten Platz in der Gesamtwertung.
Den Sieg holte der Pirelli. Er zeigte eine solide Leistung auf Schnee und setzte sich sowohl bei Nässe als auch auf trockener Fahrbahn gegen die Konkurrenz durch.
Besonders sichtbar wurde der Vorsprung bei den Bremsversuchen. Beim Notstopp auf nasser Straße aus 100 km/h stand der Pirelli einen Meter früher als der zweitplatzierte Continental. Auf trockenem Asphalt betrug der Vorsprung auf den dort zweitbesten Bridgestone sogar 1,3 Meter.
Solche Unterschiede können im Straßenverkehr entscheidend sein. Schon ein zusätzlicher Meter Bremsweg kann darüber bestimmen, ob ein Fahrzeug rechtzeitig stehen bleibt oder mit Restgeschwindigkeit auf ein Hindernis trifft.
Der Test macht auch deutlich, dass sich Käufer nicht allein auf die Angaben des Reifenlabels verlassen sollten. Pirelli und Giti tragen bei der Nasshaftung jeweils die Einstufung "A". In den praktischen Fahrversuchen lagen ihre Leistungen dennoch deutlich auseinander.
Neben der Sicherheit wurden deshalb weitere Faktoren berücksichtigt. Dazu gehörten Energieeffizienz, Abrieb, Geräuschentwicklung und die erwartbare Laufleistung.
Für die Berechnung der Haltbarkeit legten die Reifen unter kontrollierten Bedingungen mehrere Tausend Kilometer auf einem Prüfstand zurück. Eine elektronische Steuerung bildete Belastungen nach, wie sie auch im Straßenverkehr auftreten. Zusätzlich wurde ermittelt, wie viel Gummi pro 1.000 Kilometer verloren ging.
Aus diesen Daten lässt sich abschätzen, wann ein Reifen die gesetzliche Verschleißgrenze erreicht. Wie lange er im Alltag tatsächlich hält, hängt allerdings auch vom Fahrzeug, den gefahrenen Strecken und dem persönlichen Fahrstil ab.
Der Vergleich zeigt insgesamt ein hohes Niveau, aber auch klare Unterschiede. Moderne Ganzjahresreifen können inzwischen selbst auf Schnee gute Ergebnisse erzielen. Schwierig bleibt der Spagat zwischen tiefen Wintertemperaturen und heißem Sommerasphalt.
Wer häufig in höher gelegenen oder besonders schneereichen Regionen unterwegs ist, sollte daher weiterhin genau prüfen, ob ein Ganzjahresreifen zum eigenen Fahrprofil passt. Gleiches gilt für Fahrer, die im Sommer lange Strecken bei hohen Temperaturen zurücklegen.