Wer darauf gehofft hat, die neuen KI-Funktionen von Apple zeitnah auf seinem Smartphone oder Tablet nutzen zu können, muss sich weiter gedulden. Das neue System "Siri AI" bleibt für Nutzer in der Europäischen Union auf dem iPhone sowie dem iPad vorerst nicht verfügbar.
Zwar ist das KI-Feature in anderen Regionen der Welt bereits Bestandteil von iOS 27 und iPadOS 27, innerhalb des Unionsgebiets zeichnet sich nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg jedoch auf absehbare Zeit keine Einigung zwischen dem US-Konzern und den Regulierungsbehörden ab.
Einen verlässlichen Zeitplan oder ein konkretes Veröffentlichungsdatum für den EU-Raum nennt Apple bislang nicht. Laut dem Bloomberg-Experten Mark Gurman wäre ein Start im Frühjahr – etwa Ende März 2027 – das absolute "Best-Case-Szenario".
Ein solcher Abstand von rund fünf Monaten wäre vergleichbar mit der Einführung von Apple Intelligence 2025, als zwischen dem globalen Start und der Bereitstellung inklusive Sprachunterstützung in Europa knapp fünf Monate vergingen. Gurman betont jedoch, dass diese Frist lediglich ein optimistischer Vergleichswert sei. Wegen des regulatorischen Streits könnte sich die Wartezeit noch deutlich länger hinziehen.
Hintergrund der Verzögerung ist das EU-Gesetz für digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA). Da sowohl das iPhone als auch das iPad auf dem europäischen Markt als marktbeherrschende Produkte eingestuft sind, verlangt das Regelwerk von Apple eine weitgehende Öffnung der Plattformen. Konkret geht es darum, wie konkurrierende KI-Dienste und Sprachassistenten – etwa ChatGPT von OpenAI, Muse von Meta oder Claude von Anthropic – gleichberechtigten System- und Gerätezugriff erhalten.
Apple verweist darauf, dass der DMA eine Einführung von Siri AI zu den gleichen Bedingungen wie in anderen Teilen der Welt verhindere, und begründet Vorbehalte unter anderem mit Datenschutzbedenken. Die Europäische Kommission wies diese Argumentation jedoch zurück.
Von Apple eingebrachte Kompromissvorschläge, wie etwa der Einbau einer isolierenden Zwischenschicht, gingen den europäischen Wettbewerbshütern bisher nicht weit genug.
Durch das Fehlen von Siri AI leidet der tatsächliche Nutzwert neu erworbener Hardware in der Europäischen Union. Zwar lassen sich die Geräte regulär bedienen, zahlreiche in iOS 27 und iPadOS 27 beworbene Schlüsselfunktionen setzen jedoch zwingend auf den neuen Assistenten auf und bleiben europäischen Käufern vorenthalten.
Unabhängig von der Gesetzeslage besteht derzeit noch eine sprachliche Hürde: Siri AI arbeitet aktuell ohne Einschränkungen ausschließlich auf US-Englisch. Erst schrittweise sollen weitere Sprachen wie Französisch, Spanisch, Japanisch, Koreanisch und Portugiesisch folgen.
Wer das System innerhalb der EU dennoch ausprobieren möchte, kann dies zumindest abseits der betroffenen Mobilgeräte tun: Auf dem Mac lässt sich Siri AI unter macOS 27 aktivieren, sofern die entsprechenden Spracheinstellungen angepasst werden.