Technikriese Meta drückt jetzt bei Computerbrillen richtigs aufs Tempo. Auf seiner jährlichen Entwickler- und Produktkonferenz "Connect" hat der Facebook-Konzern am Mittwoch gleich mehrere neue Modelle und Funktionen vorgestellt.
Das technisch spannendste Gerät soll bereits im Früjahr 2027 in die Shops kommen: Die sogenannten "Meta VR Glasses" wiegen gerade einmal um die 100 Gramm und sollen Kino, Arbeitsplatz und Spielkonsole in einem Gerät vereinen. Meta selbst spricht sogar von einer "neuen Ära der virtuellen Realität in einer Brille".
Das geringe Gewicht verdanken die Glasses einem Trick. Die gesamte Rechentechnik steckt nicht in der Brille selbst. Sensoren und Displays sitzen zwar im Gestell, Rechenleistung, Akku und Speicher wandern jedoch in einen kleinen Taschencomputer. Dieser sogenannte "Puck" wird per optischem Kabel mit der Brille verbunden und lässt sich an Kleidung oder Tasche befestigen.
Dank dieses "innovativen Brillendesigns" gebe es, so Meta, keine störenden Bänder oder schwere Hardware im Gesicht. Die Seiten bleiben zudem offen, Kameras zeigen zugleich die Umgebung, damit Nutzer trotz virtueller Inhalte die Umgebung wahrnehmen können.
Im Inneren sitzen Micro-OLED-Displays mit einer als "5K Infinite Display" bezeichneten Auflösung – auch ideal für die optimale Lesbarkeit von Texten. Ultrakompakte Linsen sollen dafür sorgen, dass die Technik überhaupt in ein brillenähnliches Gehäuse passt. Dolby Vision ist für das Bild an Bord, Dolby Atmos 3D-Audio für räumlichen Klang.
Gesteuert wird ohne klassische Controller. Sprache, Augenbewegungen und Handgesten sollen reichen, um Filme zu starten, Programme zu öffnen oder den virtuellen Arbeitsplatz zu verändern.
Als Prozessor kommt Qualcomms neuer Snapdragon Reality Elite zum Einsatz. Der Akku im Taschencomputer soll für bis zu drei Stunden hochauflösende Medienwiedergabe reichen und mit 45 Watt extrem schnell geladen werden können.
Einen großen Teil der Präsentation widmete Meta Filmen und Serien. Die VR Glasses sollen als erstes VR-Gerät die Zertifizierung "IMAX Enhanced" erhalten. Ab November will Disney+ in ausgewählten Ländern Filme wie "The Avengers" und "Black Panther" in 3D anbieten.
Zusätzlich sollen Prime Video, YouTube, DirecTV, AMC+, Crunchyroll, Plex, ESPN und Tubi Inhalte liefern. Peacock, HBO Max und Paramount+ stellen erstmals Teile ihrer 3D-Kataloge zur Verfügung. Bis zum Marktstart sollen international Tausende Titel verfügbar sein.
Auch beim Sport setzt Meta auf große Bilder. Geplant sind 8K-Übertragungen mit 180-Grad-Ansicht, die Zuschauer möglichst nah ans Geschehen bringen sollen.
Die VR Glasses sollen zugleich aber auch als Arbeitsplatz dienen. Ein oder mehrere virtuelle Bildschirme lassen sich im Sichtfeld platzieren. Eine ebene Fläche kann zur Tastatur und zum Touchpad werden, während Nutzer dank farbiger Durchsicht ihren Schreibtisch, das Handy und die Umgebung weiterhin sehen.
Zum Start sind zudem mehr als 75 Spiele angekündigt, die sich nur mit Handgesten bedienen lassen. Über Xbox Cloud Gaming sollen Hunderte weitere Titel dazukommen.
Videoanrufe will Meta ebenfalls neu gestalten. Die VR-Brille kann eine fotorealistische digitale Version des Nutzers zeigen, die Mimik und Reaktionen in Echtzeit nachbildet. Gesprächspartner sollen das Hologramm sowohl in der Brille als auch am Handy oder Computer sehen können. Unterstützt werden sollen etwa WhatsApp und Zoom.
Die Brille soll im Frühjahr 2027 in den Handel kommen. In den USA verlangt Meta 1.299,99 Dollar netto – hochgerechnet auf Österreich sind das aktuell rund 1.372 Euro.
Doch bei diesem Modell bleibt es nicht. Mit der Ray-Ban Meta Audio kommt erstmals eine reine Audio-Brille von Meta und Ray-Ban auf den Markt. Sie verzichtet auf Kamera und Display und bringt nur 43 Gramm auf die Waage. Musik, Podcasts, Telefonate und Gespräche mit dem KI-Assistenten funktionieren direkt über die Brille.
Der Akku soll bis zu zwölf Stunden halten, das Ladeetui weitere 48 Stunden liefern. Angeboten werden die Formen Clubmaster und Burbank in 23 Farb- und Glaskombinationen. Auch optische Gläser sind möglich. Das Modell kostet bei uns ab 349 Euro, zu haben ab 13. Oktober.
Parallel erscheint die dritte Generation der klassischen Ray-Ban Meta. Die Gen 3 wird schlanker, bekommt längere Akkulaufzeit und einen frei belegbaren Knopf für flotten Zugriff auf Meta AI.
Die Akkulaufzeit steigt auf bis zu neun Stunden. Sechs Mikrofone sollen mehr als 90 Prozent der Hintergrundgeräusche herausfiltern. Eine 12-Megapixel-Kamera nimmt Fotos und Videos in 3K Ultra HD auf. Später im Jahr sollen Metas KI-Brillen auch Videos mit räumlichem Dolby-Atmos-Ton aufnehmen können.
Die Ray-Ban Meta Gen 3 ist bereits erhältlich und kostet hierzulande ab 449 Euro.