Start Herbstlohnrunde

Gewerkschaft will fettes Plus für 284.000 Beschäftigte

Paukenschlag zum Auftakt der Herbstlohnrunde: Die Gewerkschaft Vida fordert für 283.500 Beschäftigte volle Teuerungsabgeltung und Reallohnzuwächse.
Team Wirtschaft
05.10.2026, 11:51
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Mit einer scharfen Abrechnung mit Arbeitgebern und Bundesregierung hat die Gewerkschaft Vida am Montag die heurigen Kollektivvertragsverhandlungen eingeläutet. Auf dem Verhandlungstisch liegen die Einkommen von rund 283.500 Beschäftigten bei den Eisenbahnen, in privaten Autobusbetrieben, im Straßengüterverkehr, bei den privaten Sicherheitsdiensten sowie von 150.000 Handelsarbeitern.

Gewerkschaft fordert reales Lohnplus

Die Arbeitnehmervertreter gehen dabei mit Maximalforderungen in den Herbst und verlangen neben der vollen Abgeltung der rollierenden Inflation spürbare Reallohnzuwächse, besonders für Bezieher kleinerer Einkommen.

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"Krisenabschlüsse haben das Leben nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht. Diese Zeit ist vorbei", stellte Vida-Chef Roman Hebenstreit klar. Die Lohnzurückhaltung der Krisenjahre habe das Versprechen auf sinkende Preise gebrochen: Zwischen Juli 2019 und Juli 2026 seien die Reallöhne im Schnitt um 0,8 Prozent gesunken, während das reale Haushaltseinkommen 2025 um 1,6 Prozent schrumpfte – und im September kletterte die Teuerung laut Schnellschätzung der Statistik Austria bereits wieder auf 3,6 Prozent. "Alles unter einer Teuerungsabgeltung ist eine Lohnkürzung", betonte Hebenstreit.

Ärger über "Lohndrückerkartell"

Gleichzeitig attackierte der Vida-Vorsitzende die Wirtschaft und warf ihr ein gezieltes "Lohndrückerkartell" vor. "Ein echter Fachkräftemangel hat eine Sprache – und die heißt steigende Löhne. Wo die Löhne stagnieren oder gar real sinken, herrscht kein Mangel. Da gibt es nur Arbeitgeber, die nicht anständig zahlen wollen", kritisierte Hebenstreit.

Wann immer Personal knapp geworden sei, habe die Politik das Ventil über mehr Rot-Weiß-Rot-Karten, längere Mangelberufslisten und höhere Saisonkontingente geöffnet, um den Lohndruck nach unten zu halten.

Härtere Regeln für Zuzug von Arbeitskräften

Was Hebenstreit ebenfalls ärgert: Statt selbst auszubilden – im September 2026 fiel die Zahl der Lehrlinge mit 95.057 erstmals unter die 100.000er-Marke, rufe die Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften aus dem Ausland. Die Gewerkschaft verlangt deshalb eine Notbremse: Zusätzlichen Zuzug aus Drittstaaten über Rot-Weiß-Rot-Karten, Mangelberufslisten und Saisonkontingente dürfe es nur noch für Branchen geben, deren Löhne in den letzten fünf Jahren spürbar stärker als die Inflation gestiegen sind.

"Wer Fachkräfte braucht, muss sie ausbilden, anständig bezahlen und ihnen Bedingungen bieten, unter denen sie bleiben", so Hebenstreit. Ein weiteres Ärgernis seien unbezahlte Überstunden, die den Beschäftigten allein 2025 rund 2,5 Milliarden Euro an Bruttoentgelt gekostet hätten, weil 46 Millionen Mehr- und Überstunden weder bezahlt noch in Zeitausgleich abgegolten wurden. "Unbezahlte Überstunden sind Lohnraub. Wer Arbeit bestellt, muss sie bezahlen", forderte er scharfe Kontrollen und Strafen.

Eisenbahner verhandeln ab 12. Oktober

Den Auftakt machen die Eisenbahnen, wo am 12. Oktober die Verhandlungen für 55.000 Beschäftigte in 98 Betrieben starten. Verhandlungsleiter Gerhard Tauchner verwies auf einen Allzeitrekord von 138,9 Millionen Zugkilometern und eine gestiegene Produktivität von 11,3 Prozent seit 2023 – bei sinkendem Personalkosten-Anteil.

"Wer bei diesen Zahlen von einer Branche in der Krise redet, verweigert jegliche Realität. Die Bahn fährt Rekorde ein. Die Lohnerhöhung ist längst erwirtschaftet – sie wurde nur noch nicht ausbezahlt", betonte Tauchner.

Neben "anständigen Lohnerhöhungen" fordert Vida etwa einheitliche Arbeitszeitregeln und ein Ende der verkürzten Ruhezeiten. Hinzu kommt: Die Bahnen benötigen in den nächsten Jahren wegen einer Pensionierungswelle Tausende neue Mitarbeiter. Mit Löhnen unter der Inflation gewinne man da niemanden. "Wer beim Personal spart, spart auch an der Sicherheit der Beschäftigten und Menschen, die jeden Tag mit den Bahnen unterwegs sind", warnte Tauchner.

150.000 Handelsarbeiter am Zug

Im Dezember folgen die Gespräche für 150.000 Arbeiter im Handel, die vor allem in Zentrallagern, im Transport und bei Online-Bestellungen schuften. Verhandlungsleiterin Christine Heitzinger wies das Bild einer Dauerkrise entschieden zurück.

"Wir fordern auf Basis der aktuellen Wirtschaftsdaten sachliche Verhandlungen. Diese zeigen ein Wachstum an", sagte Heitzinger und verwies auf ein reales Umsatzplus von 2,0 Prozent im Juli 2026 sowie ein kräftiges Bruttoumsatzwachstum seit 2017 von 28 Prozent im gesamten Einzelhandel und 67 Prozent im Online-Handel.

Die Belastung der Beschäftigten im Schichtbetrieb in den Lagern bei Hitze oder im Kühllager müsse honoriert werden. "Nur weil man uns Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter nicht in den Geschäften sieht, heißt es nicht, dass es uns nicht gibt bzw. unsere Arbeit weniger wert ist. Wir wollen den Verhandlungen nicht vorgreifen. Aber unser Anspruch ist: Faire Verhandlungen für anständige Löhne", stellte Heitzinger klar.

Lkw-Fahrer und private Busse im November

Für den Straßengüterverkehr und die privaten Autobusbetriebe beginnen die Runden im November. Fachbereichsvorsitzender Anil Zümrüt verlangt spürbare Reallohnzuwächse, da Berufskraftfahrer Teuerungen bei Sprit oder Wohnen nicht wie Unternehmen einfach an Kunden abwälzen könnten. In Österreich fehlen bereits rund 8.000 Lkw-Lenker, ein Drittel der Lenker ist über 55 Jahre alt und nur drei Prozent sind unter 25.

"Ohne die unersetzliche Arbeit der Lkw-Lenker bleiben die Regale leer", mahnte Zümrüt und forderte eine ASFINAG-Raststättenoffensive mit sauberen Sanitäranlagen und sicheren Parkplätzen sowie strenge Kontrollen gegen ausländisches Lohn- und Sozialdumping und manipulierte Lenkzeiten.

Gewalt wird immer mehr zum Problem

Auch in der Busbranche würde es "mindestens genauso wie in der Güterbeförderungsbranche brennen". Denn – ein Viertel der Busfahrer geht in den nächsten Jahren in Pension. Allein die Wiener Linien würden in den nächsten Jahren rund 5.000 Lenkerinnen und Lenker suchen.

Zusätzlich schlägt Zümrüt wegen der "unzumutbaren Dienstzeiten von bis zu 15 Stunden am Tag" Alarm, verbunden mit enormem Arbeitsdruck und Stress. Hinzu kommt die massiv gestiegene Gewaltbereitschaft von Fahrgästen. "Wer Busfahrerinnen und Busfahrer anspuckt, beschimpft oder schlägt, der greift uns alle an", forderte Zümrüt geschlossene Kabinen, ein behördliches Meldesystem für Attacken und das Aus für den Ticketverkauf beim Fahrer.

tmw,Akt. 05.10.2026, 12:23, 05.10.2026, 11:51