Auf Schnee und nasser Fahrbahn

Winterreifen-Test – ÖAMTC vergibt 8 "Nicht Genügend"

Der nächste Winter kommt bestimmt – dann werden Autofahrer und v.a. ihre Reifen wieder auf eine harte Probe gestellt. ÖAMTC hat 32 Modelle getestet.
Team Wirtschaft
27.09.2026, 14:00
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Der Kauf neuer Winterreifen kann zur schwierigen Entscheidung werden. Ein bekannter Hersteller, ein gutes Ergebnis auf Schnee oder ein günstiger Preis reichen nicht aus, wie der aktuelle Test des ÖAMTC und seiner Partnerorganisationen zeigt.

Von 32 geprüften Modellen erhalten nur sechs die Bewertung "gut". Acht Reifen fallen mit "nicht genügend" durch.

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Untersucht wurden jeweils 16 Modelle in den Dimensionen 185/65 R15 und 225/50 R17. Die kleinere Größe wird häufig bei Kleinwagen verwendet, die größere unter anderem bei Fahrzeugen der Mittelklasse. Zwölf Reifen schließen den Test mit "befriedigend" ab, sechs weitere erreichen nur ein "genügend".

Damit landet nicht einmal jeder fünfte geprüfte Winterreifen in der zweitbesten Bewertungsklasse. Ein "sehr gut" wurde überhaupt nicht vergeben. Alle Modelle und Einzelnoten sind im vollständigen Winterreifentest 2026 des ÖAMTC nachzulesen.

Diese acht Winterreifen fallen durch

Bei den kleineren Reifen der Dimension 185/65 R15 erhalten drei Modelle ein "nicht genügend". Dabei handelt es sich um den Sunny Winter-max NW611 mit der Gesamtnote 4,8, den Atlas Polarbear HP mit 5,5 und den Rockblade Rock 868S, der ebenfalls mit 5,5 bewertet wird.

In der Dimension 225/50 R17 scheitern sechs Reifen. Der Falken Eurowinter HS02 Pro kommt auf die Gesamtnote 4,8. Der Toyo Tires Observe EWS1 erhält 5,3, der Tracmax Ice-Plus S210 und der Aptany RW211 jeweils 5,4. Am Ende der Tabelle stehen der Royal Black Royalwinter UHP und der Sunwide Snowide mit jeweils 5,5.

„Gerade im Winter kommen die unterschiedlichsten Fahrbahneigenschaften vor. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Reifen, der unter allen Bedingungen funktioniert.“
ÖAMTC-Reifenexperte Steffan Kerbl

Damit werden in den beiden Größen insgesamt neun negative Bewertungen vergeben, allerdings betrifft das acht unterschiedliche Hersteller beziehungsweise Modellreihen. Hintergrund ist, dass sich die offizielle Zusammenfassung des ÖAMTC auf acht durchgefallene Modelle bezieht, während die veröffentlichten Ergebnistabellen drei "nicht genügende" Reifen in der kleineren und sechs in der größeren Dimension ausweisen.

Bei Nässe werden die Unterschiede deutlich

Besonders große Probleme zeigen sich auf nasser Straße. Genau dieser Untergrund ist im österreichischen Winter keine Ausnahme. Regen, Schneematsch und Tauwetter sorgen regelmäßig dafür, dass Autofahrer nicht nur mit Schnee und Eis zurechtkommen müssen.

Bei den Bremsversuchen lagen die Ergebnisse weit auseinander. Während das Fahrzeug mit den besten Reifen bereits stand, war es mit den schwächsten Modellen noch mit einer Restgeschwindigkeit von fast 50 km/h unterwegs. Im Ernstfall kann dieser Unterschied darüber entscheiden, ob ein Auto rechtzeitig zum Stillstand kommt oder mit hoher Geschwindigkeit auf ein Hindernis trifft.

"Gerade, wenn es nass ist, entscheiden oft wenige Meter, ob es zu einem schweren Unfall kommt. Deshalb spielen die Leistungen bei Regen für die Gesamtbewertung eine besonders wichtige Rolle", erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Steffan Kerbl.

Wenn du neue Winterreifen suchst, solltest du deshalb nicht nur auf Angaben zu Schnee und Eis achten. Ein Reifen muss auch auf nassem und trockenem Asphalt kontrollierbar bleiben und zuverlässig bremsen.

Gute Schnee-Note schützt nicht vor einem Durchfallen

Der Test zeigt, wie wenig ein einzelner Spitzenwert über die Gesamtqualität aussagt. Der Sunwide Snowide erzielt bei den 225er-Reifen auf winterlicher Fahrbahn die beste Note des gesamten Feldes. Trotzdem fällt das Modell durch, weil es auf trockener und nasser Straße erhebliche Schwächen zeigt.

Ein ähnliches Bild liefert der Rockblade Rock 868S in der kleineren Dimension. Kein anderer getesteter 185er-Reifen schneidet auf Schnee besser ab. Auf trockener Fahrbahn und besonders bei Nässe reicht seine Leistung jedoch nicht aus. Am Ende steht deshalb die Gesamtnote 5,5.

Gute Leistungen auf Schnee allein reichen für eine Empfehlung nicht aus. Entscheidend bleibt eine ausgewogene Gesamtleistung auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn
ÖAMTC/Wittkowski

Für den ÖAMTC zählt nicht, ob ein Modell in einer einzelnen Disziplin glänzt. Entscheidend ist, dass es mit den unterschiedlichen Bedingungen eines Winters zurechtkommt.

"Gerade im Winter kommen die unterschiedlichsten Fahrbahneigenschaften vor. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Reifen, der unter allen Bedingungen funktioniert", stellt Kerbl klar. "Davon gibt es im aktuellen Test zwar einige – auffällig ist jedoch, dass viele Modelle, darunter auch von bekannten Herstellern, nicht immer ausgewogene Ergebnisse erzielen konnten."

Nur sechs Reifen erreichen ein "gut"

Bei den Reifen der Dimension 225/50 R17 landen vier Modelle in der Spitzengruppe. Der Pirelli Cinturato Winter 3 erhält die Gesamtnote 2,2. Dahinter folgen der Continental WinterContact TS 870 mit 2,3, der Goodyear UltraGrip Performance 3 mit 2,4 und der Michelin Alpin 7 mit 2,5.

In der Kleinwagen-Dimension 185/65 R15 überzeugen lediglich zwei Modelle. Der Continental WinterContact TS 870 erreicht ebenfalls die Note 2,2, der Michelin Alpin 7 kommt auf 2,5.

Continental und Michelin schaffen somit in beiden getesteten Größen eine gute Gesamtbewertung. Dennoch solltest du beim Kauf genau auf die Dimension achten. Ergebnisse eines bestimmten Modells lassen sich nicht automatisch auf sämtliche Größen derselben Reifenserie übertragen.

Bekannter Name ist keine Garantie

Auch im Mittelfeld gibt es Überraschungen. Bei den kleineren Reifen werden der Linglong Sport Master Winter und der Optimo Winter Touring OW41 jeweils mit "befriedigend" bewertet. Damit liegen sie in der Gesamtwertung vor mehreren Modellen bekannterer Hersteller.

Der Goodyear UltraGrip Performance 3 schafft in dieser Größe noch ein "befriedigend". Der Bridgestone Blizzak LM 005, der Nokian Tyres Snowproof 2 und der Vredestein Wintrac kommen dagegen jeweils nur auf ein "genügend". Auch der GT Radial WinterPro2 Evo landet mit "befriedigend" vor diesen drei Modellen.

Bekannte Markennamen sind keine Qualitätsgarantie. Einzelne weniger bekannte Hersteller schneiden besser ab als etablierte Anbieter.
ÖAMTC/Wittkowski

Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass ein unbekannter oder besonders günstiger Reifen automatisch die bessere Wahl ist. Mehrere weniger bekannte Marken finden sich zugleich am Ende der Tabellen.

Umweltbilanz fließt ebenfalls in die Note ein

Neben der Sicherheit bewertet der Test auch die Umweltbilanz. Berücksichtigt werden unter anderem die erwartete Laufleistung, der Abrieb, die Effizienz, das Gewicht, der Kraftstoffverbrauch, die Geräuschentwicklung und Nachhaltigkeitsaspekte.

Besonders bei den Reifen in der Dimension 185/65 R15 fällt das Ergebnis schwach aus. Kein einziges Modell erreicht in der Umweltbilanz eine gute Bewertung. Die prognostizierte Laufleistung beträgt im Durchschnitt rund 31.000 Kilometer. Damit liegt sie laut ÖAMTC deutlich unter den Werten vieler anderer Reifendimensionen.

Bei den größeren Reifen der Dimension 225/50 R17 schneiden einzelne Modelle in diesem Bereich besser ab. Einige verbinden eine überzeugende Fahrsicherheit mit einer vergleichsweise guten Umweltbewertung.

Für Autofahrer bleibt dennoch die Sicherheit das wichtigste Kriterium. Die Gesamtbewertung setzt sich zu 70 Prozent aus der Fahrsicherheit und zu 30 Prozent aus der Umweltbilanz zusammen. Innerhalb der Fahrsicherheit werden trockene, nasse und winterliche Fahrbahnen geprüft. Schwache Ergebnisse in einer entscheidenden Teildisziplin können die Gesamtnote deutlich verschlechtern.

Der Test macht damit vor allem eines deutlich: Ein Winterreifen muss mehr können, als nur auf Schnee gut zu funktionieren. Gerade auf nasser Straße zeigen sich Unterschiede, die im Alltag entscheidend sein können. Vor dem Kauf lohnt sich daher ein Blick auf das Ergebnis der passenden Reifendimension und nicht nur auf Marke, Preis oder Werbung.

tmw,27.09.2026, 14:00