Mehr als der doppelte Preis

ÖAMTC warnt: So dreist werden E-Auto-Besitzer abgezockt

Wer sein E-Auto unterwegs lädt, erlebt oft eine böse Überraschung. Der ÖAMTC fordert nun strengere Regeln für Anbieter.
Team Wirtschaft
05.09.2026, 20:38
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Wer ein Auto mit Benzin oder Diesel tankt, sieht den Preis schon vor dem Griff zur Zapfpistole. Beim öffentlichen Laden eines E-Autos ist das häufig deutlich komplizierter. Dieselbe Ladesäule kann je nach Ladekarte und Zahlungsart völlig unterschiedliche Kosten verursachen.

Eine Untersuchung im Auftrag des ÖAMTC zeigt nun, wie groß die Unterschiede ausfallen können. Im Extremfall wird für dieselbe Kilowattstunde beinahe das Zweieinhalbfache des günstigsten Tarifs verlangt. Für E-Auto-Besitzer bedeutet das: Wer vor dem Laden nicht genau vergleicht, kann erheblich mehr bezahlen.

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Verglichen wurden die Kosten pro Kilowattstunde ohne monatliche Grundgebühr. Die Untersuchung betrachtete drei unterschiedliche Zahlungswege: die eigene Ladekarte des jeweiligen Betreibers, die direkte Zahlung mit einer Kreditkarte und das Standardangebot, das konkurrierenden Ladeanbietern zur Verfügung steht. Berücksichtigt wurden normale, schnelle und besonders schnelle Ladesäulen.

Gleiche Säule, völlig anderer Preis

Das Ergebnis zeigt ein Problem, das viele E-Auto-Fahrer bereits aus ihrem Alltag kennen. Anders als bei einer gewöhnlichen Tankstelle lässt sich an einer Ladesäule oft nicht auf den ersten Blick erkennen, welcher Preis tatsächlich verrechnet wird.

Entscheidend ist nicht nur, an welcher Station das Fahrzeug hängt. Auch die verwendete Ladekarte spielt eine große Rolle. Gehört die Säule nicht zum Netz des eigenen Kartenanbieters, kann ein sogenannter Roaming-Tarif zur Anwendung kommen. Dieser kann deutlich höher sein als der Preis für Kunden des Betreibers.

Roaming ist beim E-Auto nicht nur auf Reisen im Ausland ein Thema. Auch innerhalb Österreichs müssen Fahrer regelmäßig Ladepunkte anderer Netze nutzen. Nicht jede Karte bietet schließlich an jeder Station dieselben Bedingungen.

Nach den Ergebnissen der Studie zahlen konkurrierende Ladenetze in 90 Prozent der untersuchten Fälle mehr als die eigenen Kunden eines Betreibers. Der höchste festgestellte Aufschlag beträgt 118 Prozent. Damit liegt der Preis mehr als doppelt so hoch.

Kreditkarte oft billiger als Ladekarte

Auch die Zahlungsmethode kann den Preis deutlich verändern. In zwei Dritteln der untersuchten Fälle war die direkte Bezahlung mit Kreditkarte günstiger als das Standardangebot für konkurrierende Ladekartenanbieter.

Für Kunden bleibt das schwer durchschaubar. Eine Ladekarte, die an vielen Stationen funktioniert, ist nicht automatisch günstig. Manchmal ist die direkte Zahlung mit Kredit- oder Debitkarte billiger, an anderen Säulen wiederum die Karte des Betreibers. E-Auto-Fahrer müssen daher häufig mehrere Apps und Tarife vergleichen.

"All dies führt dazu, dass selbst erfahrene E-Autofahrer vor dem Start des Ladevorgangs oft nicht einschätzen können, was sie unterm Strich bezahlen werden. Und das nicht nur beim Laden im Ausland, sondern auch am heimischen Markt. Es fehlt Preistransparenz – und das behindert insbesondere im Privatkundenmarkt den Hochlauf der E-Mobilität", erklärt ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik.

Fast 70 Cent Unterschied pro Kilowattstunde

Laut ÖAMTC-Ladekompass können die Preise um beinahe 70 Cent pro Kilowattstunde auseinanderliegen. Gegenüber dem günstigsten Tarif ergeben sich dadurch Mehrkosten von bis zu 142 Prozent.

Gerade beim Laden größerer Batterien schlägt diese Differenz deutlich auf die Rechnung. Besonders ärgerlich: Der Aufschlag muss nicht mit einer besseren Ladeleistung oder einem anderen Standort zusammenhängen. Allein die verwendete Karte oder Zahlungsart kann den Preis verändern.

EU-Regeln gelten seit April 2024

"Seit April 2024 gilt in der EU die Alternative Fuels Infrastructure Regulation, kurz AFIR. Darin ist festgelegt, dass Preise an öffentlichen Ladepunkten einfach, transparent, vergleichbar und diskriminierungsfrei sein müssen. Die Praxis sieht allerdings anders aus", sagt Kloboucnik.

Die Verordnung verbietet allerdings nicht jeden Preisunterschied. Verschiedene Tarife sind erlaubt, wenn sie verhältnismäßig und sachlich begründet sind. Daher beweisen die Ergebnisse der Studie noch keine rechtswidrige Diskriminierung. Nach Ansicht der Studienautoren liefern sie aber Gründe für eine genauere Prüfung durch Wettbewerbsbehörden.

ÖAMTC verlangt strengere Kontrolle

Der ÖAMTC fordert die Politik zum Handeln auf. Die EU-Kommission soll untersuchen, ob ähnliche Probleme auch in anderen Ländern bestehen. Danach sollen strengere Regeln ungerechtfertigte Benachteiligungen verhindern und die Preise für Kunden verständlicher machen.

Sonst "könnte es notwendig werden – angelehnt an die Roaming-Regulierung im Mobilfunk – massiv in den Markt einzugreifen und etwa konkrete Grenzen für Aufschläge oder Höchstpreise für Endkunden vorzuschreiben. Denn Konsument müssen darauf vertrauen können, beim Laden ihres E-Autos in keine Kostenfalle zu tappen", sagt Kloboucnik. Zusätzlich verlangt der Club nationale Stellen, die die Einhaltung der EU-Vorgaben kontrollieren und bei Verstößen eingreifen können.

Vergleich bleibt vorerst notwendig

Bis strengere Regeln oder Kontrollen kommen, müssen E-Auto-Fahrer vor dem Laden weiterhin Betreiber, Ladekarte, mögliche Fremdnetzgebühren und den Preis bei direkter Kartenzahlung vergleichen.

Das kostet Zeit und kann gerade bei niedrigem Akkustand belastend sein. Die Untersuchung zeigt damit ein grundlegendes Problem: Technisch arbeiten die Ladenetze längst zusammen, doch bei den Preisen fehlt vielen Kunden der Überblick. Solange Aufschläge von bis zu 118 Prozent und Unterschiede von beinahe 70 Cent pro Kilowattstunde möglich sind, bleibt öffentliches Laden schwer kalkulierbar.

Der Mobilitätsclub präsentierte die Ergebnisse am Rande des Europäischen Forums Alpbach. Grundlage ist eine Studie des Beratungsunternehmens Arthur D. Little Austria. Dafür wurden die Preise von 18 der größten österreichischen Betreiber öffentlich zugänglicher Ladestationen untersucht.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } 05.09.2026, 20:38
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