Unerwartete Hürde

Spar geht Saft aus: Stromnetz bremst E-Lkw-Projekt

Spar testet E-Lkw im harten Lebensmittel-Alltag – selbst bei Rekordhitze. Die Technik hält stand, doch jetzt droht ein neues Problem: das Stromnetz.
Team Wirtschaft
31.08.2026, 17:40
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Seit April 2026 rollen zehn E-Lkw der neuesten Generation für Spar durch Wien, Niederösterreich, das Burgenland, die Steiermark und Oberösterreich. Die schweren Transporter beliefern die Märkte mit frischer Ware – inklusive Kühlung und schwerem Anhängerbetrieb.

Selbst während der extremen Hitzeperioden im Sommer 2026 lief die gekühlte Logistik rein elektrisch und ohne Pannen. Mit einer gewaltigen Batteriekapazität von rund 600 Kilowattstunden (kWh) – so viel wie ein Haushalt in zwei Monaten verbraucht – schaffen die Lkw bis zu 400 Kilometer pro Ladung. Das entspricht etwa der Strecke von Wien nach Zagreb.

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Millionenförderung für grüne Routen

Das Mobilitätsministerium unterstützt die Anschaffung der Lkw sowie der Ladeinfrastruktur über das Programm "eMOVE Austria" mit mehr als zwei Millionen Euro, wie Spar und Minister Peter Hanke am Montag bei einem gemeinsamen Termin erklärten. Laut Ministerium sollen die zehn Stromer in den ersten fünf Betriebsjahren rund 3,75 Millionen Kilometer zurücklegen und rund 2.500 Tonnen CO₂ im Vergleich zu Diesel-Lkw einsparen.

"Die Elektrifizierung des Güterverkehrs schreitet voran", begrüßt Mobilitätsminister Peter Hanke den Umstieg. Unternehmen wie Spar würden zeigen, dass Elektromobilität auch im anspruchsvollen Logistikbetrieb zunehmend Realität werde.

Stromnetz wird zum Nadelöhr

Während die elektrischen Lkw auf der Straße überzeugen, schlagen Logistiker beim Thema Ladeinfrastruktur jedoch Alarm. "Wir sind bereit, die Elektrifizierung unserer Lieferlogistik weiter voranzutreiben", erklärt Spar-Vorstand Marcus Wild. "Für den weiteren Ausbau benötigen wir jedoch ausreichend verfügbare Energie an unseren Standorten. Leistungsfähige Stromanschlüsse und entsprechende Netzkapazitäten werden damit zunehmend zum entscheidenden Faktor", so Wild.

Besonders heikel ist demnach die Lage am Logistik-Knotenpunkt St. Pölten. Dort müssten perspektivisch bis zu 90 schwere Laster in kurzen Zeitfenstern geladen werden. Alois Huber, Geschäftsführer von Spar für Wien, Niederösterreich und das nördliche Burgenland, warnt: "Der eigentliche Flaschenhals liegt inzwischen beim Stromnetz."

3,5 Millionen Liter Diesel Sparpotenzial

Für eine komplette Umstellung in St. Pölten wäre eine Anschlussleistung von 12,5 Megawatt (MW) nötig – wovon allein 8 MW rein auf die E-Flotte entfallen würden. Dafür müsste die Netzkapazität vor Ort rund verdreifacht werden. Bislang liefert eine eigene Solaranlage auf dem Dach 1,4 MW Leistung, was im Sommer immerhin bis zu einem Viertel des Bedarfs deckt.

Gelingt der Netzausbau, ist das Potenzial gewaltig: Allein die Umstellung der 90 Lkw in St. Pölten auf E-Modelle könnte im Jahr 3,5 Millionen Liter Diesel einsparen. Neben Klimaschutz und leiseren Fahrten in Wohngebieten sieht Huber darin vor allem einen Sicherheitsfaktor, um die Lebensmittelversorgung unabhängiger von fossilen Öl-Importen zu machen.

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