Bei den ÖBB ist derzeit nicht nur von Reform und Millionen-Einsparungen die Rede. Vielen Fahrgäste stoßen die jüngsten Pannen am meisten sauer auf: Zugausfälle bei Hitze, ein Kabelbrand in Wien, gestrandete Passagiere und Probleme in Zügen. ÖBB-Chef Andreas Matthä hat sich dafür nun öffentlich entschuldigt.
In der "ZiB 2" sprach Matthä von Ausfällen, die für Fahrgäste "maximal unangenehm" seien. Seine Antwort darauf fiel deutlich aus: "Da gibt es nichts zu diskutieren, da gibt es nur, sich dafür zu entschuldigen, dass wir diese Unannehmlichkeiten bereitet haben."
Besonders die Hitze machte der Bahn zuletzt zu schaffen. Im Juni hätten die Ausfälle mit den Temperaturen "Spitzenwerte" erreicht. Gleise verwarfen sich, Strecken mussten gesperrt werden. Matthä verwies auf veränderte klimatische Bedingungen: Österreich müsse sich auf heißere Sommer einstellen, gleichzeitig aber weiter mit strenger Kälte im Winter zurechtkommen.
"Wir kommen in eine neue Klimaphase, wo wir in unseren technischen Anlagen weiter nachrüsten müssen", sagte der Bahnchef. Hitzebedingte Probleme werde es trotzdem weiterhin geben. Matthä räumte ein: "Zu glauben, dass man eine hundertprozentige Verfügbarkeit hat, das wäre eine Illusion."
Für die Fahrgäste müsse es dann aber verlässliche Alternativen geben. Genau da sieht Matthä Nachholbedarf: "Da müssen wir natürlich noch besser werden."
Zu den Pannen zählte auch ein Kabelbrand am Bahnhof Wien-Praterstern im August. Die Wiener Hauptstrecke zwischen Meidling und Floridsdorf musste daraufhin früher als geplant gesperrt werden.
Auch der Vorfall vom 3. Mai 2026 in Angern an der March wurde angesprochen: Hunderte Fahrgäste saßen wegen eines Oberleitungsschadens stundenlang fest, zu wenige Ersatzbusse standen bereit. Die Ursache? "Fehlinformation zwischen den Verkehrsunternehmen und dem Notfallmanagement". Genau solche Abläufe will der ÖBB-Chef mit der geplanten Reform verbessern. Prozesse sollen verschlankt und beschleunigt werden.
Die Reform sieht vor, Personenverkehr und Rail Cargo Group von Aktiengesellschaften in GmbHs umzuwandeln. Die Holding soll dadurch stärker steuern können. Matthä erwartet durch weniger Doppelgleisigkeiten ein Einsparpotenzial von 60 bis 80 Millionen Euro. Wie viel am Ende tatsächlich gespart wird, sei aber noch offen.
Trotz der Kritik verteidigte Matthä die Leistung der Bahn. Die ÖBB seien bei der Pünktlichkeit weiterhin eine der Top-Bahnen Europas. Im Schnitt gebe es monatlich rund zwei Prozent Zugausfälle, gleichzeitig würden heute mehr Züge angeboten als früher.
Auch Beschwerden über schlecht vorbereitete Züge räumte Matthä ein. Ein konkreter Fall eines Zuges nach Bregenz, der laut Schilderung nur mit drei statt zehn funktionierenden Toiletten gestartet sein soll, sei ihm nicht bekannt. Grundsätzlich gelte aber: Fahrgäste erwarteten zu Recht pünktliche und gereinigte Züge.
Ein grundsätzliches Fehlermuster sieht der ÖBB-Chef derzeit nicht. Bei täglich rund 6.000 Zügen und 1,4 Millionen Passagieren würden Probleme auftreten, denen man nachgehen müsse. "Es ist nicht so, dass wir in einer Wildwestmanier sind", sagte Matthä.
Auch mögliche Sabotageakte beschäftigen die Bahn. Die ÖBB stehen dazu mit anderen europäischen Bahnunternehmen im Austausch und setzen auf verstärkte Überwachung. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es laut Matthä aber auch hier nicht geben – dafür sei das Streckennetz zu groß.